Plakat gegen Corona-Beschränkungen  | Bildquelle: dpa

Corona-Berichterstattung 20 Prozent fühlen sich getäuscht

Stand: 27.05.2020 10:54 Uhr

20 Prozent der Wahlberechtigten meinen, Politik und Medien würden die Öffentlichkeit bei der Corona-Pandemie bewusst täuschen. Eine ZAPP-Umfrage zeigt aber auch: Das Vertrauen in öffentlich-rechtliche Medien ist hoch.

Jeder fünfte Wahlberechtigte in Deutschland meint, dass "Politik und Medien die Gefährlichkeit des Corona-Virus ganz bewusst übertreiben, um die Öffentlichkeit zu täuschen". Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des NDR Medienmagazin ZAPP hervor.

Der Täuschungsthese stimmen besonders viele AfD-Anhängerinnen und Anhänger zu (54 Prozent) sowie Personen, die Social-Media-Plattformen aktiv nutzen (31 Prozent). Hingegen stimmen nur neun Prozent der Grünen-Anhängerinnen und Anhänger dieser Aussage zu, und auch nur 13 Prozent der Befragten über 65 Jahre.

Von allen Befragten halten 68 Prozent die öffentlich-rechtlichen Medien in der Berichterstattung über Corona für glaubwürdig. Dahinter folgen Printmedien mit 42 Prozent, der Private Rundfunk mit 23 Prozent und Social-Media-Plattformen mit sieben Prozent.

Am geringsten ist mit 27 Prozent das Vertrauen der AfD-Anhänger in die öffentlich-rechtlichen Medien, am höchsten mit jeweils 82 Prozent bei Linken und Grünen. Beim Alter sind die Unterschiede weniger groß: 60 Prozent der 18 - 39-Jährigen vertrauen den öffentlich-rechtlichen Medien, bei den Befragten über 65 Jahre sind es 74 Prozent. Das trifft ebenfalls auf die Unterschiede zwischen Ost und West zu. Für glaubwürdig halten 60 Prozent der Befragten in Ostdeutschland und 70 Prozent in Westdeutschland die Öffentlich-Rechtlichen.

"Hohes Vertrauen in öffentlich-rechtliche Medien"

Für Tanjev Schultz, Professor für Journalismus an der Universität Mainz, bestätigt die ZAPP-Umfrage in der Corona-Krise einen Trend: "Die Umfrageergebnisse zeigen, dass es insgesamt ein relativ hohes Vertrauen der meisten Menschen gerade in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine Informationsangebote und auch in Zeitungen gibt. Dieses Vertrauen ist auch flächendeckend, über die Altersgruppen hinweg - und bröckelt ein wenig ab bei den jüngeren Menschen, die stärker auf Social Media Angebote setzen."

Er ergänzt: "Wir sehen eine ganz klare Kluft zwischen den Anhängern der AfD und dem Rest der Bevölkerung. Die Anhänger der AfD suchen Informationen eher in anderen Medien und vertrauen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk deutlich weniger."

AfD-Anhänger teilen am meisten

Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, in sozialen Medien wie YouTube, Facebook oder in Blogs, aber auch in Messenger-Diensten wie Telegram und WhatsApp Nachrichten und Kommentare über Corona in den vergangenen Wochen wahrgenommen zu haben. Jeder Zehnte hat diese Inhalte auch intensiv geteilt.

Am aktivsten teilen AfD-Anhängerinnen und -Anhänger Social-Media-Posts beim Thema Corona (19 Prozent), selten aktiv sind Anhängerinnen oder Anhänger der Grünen (3 Prozent). Im Lager der Linkspartei und der AfD werden Nachrichten auf Social Media zum Thema Corona am stärksten wahrgenommen (Linke 72 Prozent/AfD 67 Prozent).

Verschwörungsmythen machen Menschen misstrauisch

Die Psychologin Pia Lamberty erklärt: "Der Glaube an Verschwörungen ist ein generalisiertes Misstrauen gegenüber all den Gruppen, die man als mächtig wahrnimmt. Es hat auch mit Ablehnung, Feindschaft gegenüber sozialen Gruppen zu tun."

Die Forschungsergebnisse zeigen der Psychologin zufolge, dass schon ein einmaliger Kontakt mit Verschwörungserzählungen dazu führen kann, "dass Menschen misstrauischer werden, sich mehr von der Gesellschaft entfernt fühlen oder sogar weniger bereit sind, sich impfen zu lassen." Sie gibt zu bedenken, dass die hohe Anzahl von Artikeln und Reportagen über die Demonstrationen die Verbreitung von Verschwörungserzählungen gefördert und sie gewissermaßen legitimiert habe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Mai 2020 um 14:00 Uhr.

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