Aufregung um AstraZeneca "Was für ein Luxusproblem!"

Stand: 18.02.2021 12:16 Uhr

Impfstoffe sind der Weg aus der Corona-Krise. Trotzdem wollen sich viele Deutsche lieber gar nicht impfen lassen als mit dem Präparat von AstraZeneca - ein gefährliches Luxusproblem.

Ein Kommentar von Evi Seibert, ARD-Hauptstadtstudio

Was wir brauchen, ist ein Impfstoff gegen "deutsches Dauernörgeln" und hysterische Schlagzeilen. Zuerst regen wir uns kollektiv darüber auf, dass nicht genug Impfstoff da ist. Denn wir Deutschen gehen offenbar davon aus, dass wenn im November ein Impfstoff gefunden wurde, im Januar ganz Deutschland durchgeimpft sein muss. Dann ärgern wir uns darüber, dass es Länder gibt, die mehr Impfstoff haben als wir.

Andere Länder, andere Umstände

Ja - aber die sind ins Risiko gegangen und haben nicht bis zu Ende geprüft. Hätte ja auch sein können, dass der Impfstoff, den die anderen per Notverordnung spritzen, gar nicht wirkt - oder grüne Pickel macht. Da wäre aber was los gewesen, wenn wir so Milliarden in den Sand gesetzt hätten. Oder dass jeder gegen eine Impfdosis alle seine Gesundheitsdaten an die Pharmaindustrie geben muss, wie in Israel. Diese Datenschutzdiskussion haben wir in Deutschland ja schon bei der App ausgestanden - die deswegen auch nur halbwegs funktioniert.

Es ist deshalb natürlich nicht so, dass die deutsche Regierung und die EU alles richtig gemacht haben, dass keine Fehler gemacht worden sind und dass man die nicht benennen soll. Das muss man - unbedingt. Aber diese fast hysterische Aufregung, die mit jedem dieser Punkte erzeugt wird, nervt. Jeden Tag wird ein anderer Punkt hyperventiliert. 

Luxusprobleme

Jetzt also die Aufregung um AstraZeneca contra BioNTech. Wer ernsthaft überlegt, sich lieber gar nicht impfen zu lassen als mit AstraZeneca, hat den Schuss nicht gehört. Was ist das für ein Luxusproblem?

Ja, es kann sein, dass man vorübergehend Fieber und einen dicken Arm von der Impfung bekommt. Ja, der Impfstoff ist etwas weniger wirksam als andere. Aber er wirkt. Er schützt vor schweren Krankheitsverläufen. Das ist nachgewiesen und das ist das wichtigste. Dass Ärztinnen und Pfleger, die jeden Tag auf der Corona-Station arbeiten, vielleicht besser den hochprozentigen Wirkstoff bekommen sollten, ist nachvollziehbar. Aber die Mehrheit der Deutschen arbeitet eben nicht auf der Intensivstation.

Was soll der Impfstoff können?

Am besten fasst das der amerikanische Infektiologe Lawrence Corey zusammen. Er fragt: "Gegen was wollen Sie eigentlich bei Corona geimpft werden? Wollen sie einen Impfstoff, der Sie vor Husten schützt oder wollen Sie einen Impfstoff, der sie vor dem Tod bewahrt?"  

Die Antwort dürfte ziemlich einfach sein. Und jetzt alle mal einen Gang runterschalten.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.

Kommentar: Die astrale Aufregung um den Impfstoff
Evi Seibert, ARD Berlin
18.02.2021 11:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Februar 2021 um 07:05 Uhr.

Darstellung: