Bund-Länder-Beschlüsse Wer steigt da noch durch?

Stand: 04.03.2021 05:32 Uhr

Die neue Lockerungsstrategie der Bund-Länder-Konferenz heißt Zuckerbrot und Peitsche. Doch so wirklich steigt niemand mehr durch, wann was wie erlaubt ist. Doch eines ist noch schlimmer.

Ein Kommentar von Isabel Reifenrath, ARD-Hauptstadtstudio

Es schwirrt der Kopf: 35 - 50 - 100.

Alle 14 Tage soll es neue Öffnungen geben, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert stabil bleibt. Schaut man genauer hin, ist es aber ganz schön kompliziert, was ab welchem Inzidenzwert unter welchen Bedingungen wirklich öffnen darf, und dass die Geschäfte und Museen auch ziemlich schnell wieder schließen müssen, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert steigt.

Einerseits sollte jetzt geöffnet werden. Viele Menschen sind pandemiemüde. Man hat zu Hause alles aufgeräumt, was man aufräumen kann. Man kennt jeden Winkel des Parks. Vor allem aber haben die Kinder und Jugendlichen, die Einzelhändler und Gastronomen lange genug durchgehalten. Außerdem halten sich viele ohnehin nicht mehr an die Regeln.

Aber andererseits: Deutschland geht unvorbereitet in die dritte Welle. Das Land hinkt mit dem Impfen hinterher. Die Infektionszahlen steigen. Der Anteil der britischen Variante des Coronavirus liegt bei fast 50 Prozent.

Zuckerbrot und Peitsche

Und es gibt nicht mal eine richtige Teststrategie. Jeder soll einen kostenlosen Schnelltest pro Woche machen können. Ohne darf man nicht zur Massage oder Pediküre. Ende März darf man auch nur so draußen im Café oder im Kino sitzen. Zumindest wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert über 50 liegt. Unter 50 braucht man keinen Test.

Zuckerbrot und Peitsche. Die Bürger sollen so motiviert werden, weiterhin Abstand zu halten, Maske zu tragen, die Hände zu waschen und unsere Kontakte selbstverantwortlich einzuschränken.

Ein paar werden nun sagen, das System ist so kompliziert - da bleibe ich lieber weiterhin zu Hause. Andere werden die neuen Freiheiten voll ausschöpfen, ohne Rücksicht auf Verluste. Wieder andere werden gar nicht mehr durchblicken und machen, was sie wollen.

Die Infektionszahlen werden wohl steigen

Es gilt als sicher, dass die Infektionszahlen in den kommenden Wochen steigen werden. Mehr Jüngere werden an Corona erkranken, durch die britische Variante wahrscheinlich auch mehr Kinder und Jugendliche. Zumindest die Schüler könnte man besser schützen durch mehr Tests.

Von denen gibt es aber offenbar nicht genug. Jedenfalls noch nicht im März. Und dann sollen sie auch noch eingesetzt werden, um den Besuch bei der Kosmetikerin oder die Übungsstunde in der Flugschule zu ermöglichen? Und nur, um draußen in einem Café sitzen zu dürfen, soll auch noch jeder einen Test machen müssen.

Da ist es schon wieder im Kopf: dieses Schwirren. Die Öffnungsschritte sind verwirrend und für viele nicht mehr nachvollziehbar.

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Kommentar: Verwirrende Öffnungsschritte
Isabel Reifenrath, ARD Berlin
04.03.2021 08:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. März 2021 um 04:03 Uhr.

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