Kommentar

Neuer CDU-Chef Zum Glück nicht Merz

Stand: 16.01.2021 17:49 Uhr

Die Wahl von Laschet an die CDU-Spitze war eine richtige Entscheidung. Das zeigt schon das absurde Angebot von Verlierer Merz. Damit verdeutlicht er, warum er die schlechteste Wahl gewesen wäre.

Ein Kommentar von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Die CDU sollte ihren Delegierten wirklich dankbar sein. Friedrich Merz wäre die schlechteste Wahl für den CDU-Vorsitz gewesen. Bewiesen hat er das beim Parteitag selbst. Und zwar eindrucksvoll.

Der Parteitag war noch nicht zu Ende, da meldete die Nachrichtenagentur Reuters, Merz habe dem designierten Parteivorsitzenden Armin Laschet angeboten, in die Bundesregierung einzutreten und das Bundeswirtschaftsministerium zu übernehmen. Die jetzige Bundesregierung, nicht etwa eine künftige. Quasi als Ausgleich, denn zuvor hatte Merz eine Kandidatur für das CDU-Präsidium großzügig ausgeschlossen - um keiner Frau den Platz wegzunehmen.

Merz geht es um Macht

Ganz ohne Merz kann das Land seiner Ansicht nach wohl aber auch nicht glücklich werden. Daher das absurde "Angebot", den amtierenden Wirtschaftsminister Peter Altmaier zugunsten von Merz rauszuwerfen.

Wer so agiert, zeigt, worum es ihm geht: um Macht und das eigene persönliche Fortkommen. Wer so agiert, zeigt, was all die Beteuerungen, es gehe nicht um seine Person waren: Lippenbekenntnisse. Wer so agiert, zeigt, was von seinem Bekenntnis zu Teamplay und Zusammenarbeit zu halten ist: nichts.

Die CDU kann sich also glücklich schätzen

Die CDU kann sich also glücklich schätzen, dass sie sich nicht einen derartigen menschlichen Querschläger an die Spitze gesetzt hat. Denn wie will jemand ernsthaft eine derart in sich zerrissene Partei zusammenführen, dem offenbar das eigene Ego den Blick auf alles andere verstellt?

Vor diesem Hintergrund war Laschet, wenn auch nicht die aufregendste, aber auf jeden Fall die bessere Wahl. Als hätte er geahnt, was später passieren würde, sagte Laschet in seiner Bewerbungsrede: Die CDU und das Deutschland, das er vor Augen habe, brauche keinen Vorstandsvorsitzenden, sondern einen Mannschaftskapitän der führt und zusammenführt.

Laschet wird seine Integrationskraft brauchen

Er kann diese Rolle ausfüllen, auch wenn Merz Laschets Aufgabe durch sein Verhalten nicht leichter gemacht hat. Denn das Wahlergebnis zeigt, wie tief die CDU gespalten ist. 53 Prozent sind alles andere als ein Erdrutschsieg. Das wird Laschet viel seiner Integrationskraft abverlangen. Immerhin hat er sie. Merz dagegen nicht.

Und wenn die CDU am Ende tatsächlich den Kanzlerkandidaten der Union stellen sollte und womöglich auch den nächsten Bundeskanzler, dann kann nicht nur die Partei ihren Delegierten dankbar sein, sondern gleich das ganze Land.

Kommentar: Merz wäre die falsche Wahl gewesen
Franke Welz, ARD Berlin
16.01.2021 18:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 17. Januar 2021 um 08:35 Uhr.

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