Deutsche Bischofskonferenz Ohne Gläubige kann man nicht Kirche sein

Stand: 23.02.2021 19:45 Uhr

Ob Missbrauch oder Maria 2.0 - die Bischöfe ducken sich weg und verschleiern. Doch viele Christen akzeptieren das nicht länger und verlassen die Kirche. Die Bischöfe sollten merken, was die Stunde geschlagen hat.

Ein Kommentar von Anja Würzberg, NDR

Stell Dir vor, Du willst aus der Kirche austreten und bekommst keinen Termin. Die Ämter können den Ansturm der frustrierten Katholikinnen und Katholiken nicht mehr bewältigen. Da müsste doch eigentlich auch dem letzten Bischof klar werden, was die Stunde geschlagen hat.

Die Menschen sehen eine erkaltete und versteinerte katholische Kirche - unfähig, mit denen ins Gespräch zu kommen, die unter ihr leiden: Die Opfer von Missbrauch, die sich mit Almosen und Plazebo-Teilhabe abgespeist fühlen. Die hoch engagierten, wütenden Frauen von Maria 2.0, die ihre Thesen an die Kirchenportale schlagen - mit der Faust direkt auf das alte Holz. Die wackeren Priester in den Gemeinden, die sich für ihre Kirche in Grund und Boden schämen.

Bischöfe verstecken sich

Und die Bischöfe? Unfähig zur echten Auseinandersetzung. Versteckt hinter einer für viele fremden Kirchensprache, die verschleiert statt offenlegt. Reue-Rituale statt echtem Schmerz über das, was passiert ist und immer wieder passiert. Und dazu die ständige Angst vor dem nächsten Stopp-Schild aus Rom.

Die katholische Kirche bestraft konsequent die Gläubigen, die den strengen Kirchenregeln nicht entsprechen. Die gleiche Kirche bittet die Gläubigen um Vergebung für ihre Vergehen - so wie Kardinal Rainer Maria Woelki an Weihnachten.

Ohne Gläubige - keine Kirche

Eine gnadenlose Kirche fordert Gnade. Das wollen auch viele bislang hochengagierte Christen nicht mehr mitmachen. Nach dem lauten Trommeln an die Kirchentüren kommt die Stille. Und wenn das letzte Austrittformular abgeheftet ist, werden auch die Bischöfe merken, dass man ohne Gläubige nicht Kirche sein kann. 

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2021 um 20:00 Uhr.

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