Kommentar

Lockdown über Weihnachten Corona ist keine Verhandlungssache

Stand: 26.11.2020 02:23 Uhr

Im Kampf gegen Corona ziehen Bund und Länder die Schrauben etwas an. Gleichzeitig mahnen sie, die Regeln nicht auszureizen. Nur: Appelle reichen bei einer Pandemie nicht aus. Corona ist nicht verhandelbar.

Ein Kommentar von Isabel Reifenrath, ARD-Hauptstadtstudio

Es wurde stundenlang diskutiert und verhandelt, vieles wurde verschoben oder offengelassen. Unterm Strich dürfen jetzt zuhause keine Partys mehr mit zehn Personen gefeiert werden und im Weihnachtsgeschäft sollen nicht zu viele Kunden zusammen in den Läden stehen.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, ist allerdings zu bezweifeln. Müssen die Intensivstationen der Krankenhäuser erst alle voll belegt sein und die Todeszahlen noch weiter steigen, bis die Länder auf die Bundeskanzlerin hören? Fast acht Stunden lang musste sie mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten diskutieren, trotz tagelanger Vorbereitung waren sie sich in manchen Punkten nicht einig. Merkel sah zermürbt und müde aus.

Bitte keine Silvesterpartys, bitte kein Skiurlaub

Jeder kennt bestimmt die Diskussion aus dem Freundeskreis: Während die einen erst geimpft wieder Freunde empfangen wollen, nutzen die anderen die Regeln voll aus. Es wirkt, als sei Corona verhandelbar. Als ob ein Teil der Bürger die Appelle der Kanzlerin gar nicht hört. Immer wieder bittet sie darum, alle unnötigen Kontakte einzuschränken. Es hat aber eine Kontaktreduzierung um gerade einmal vierzig Prozent gegeben.

Merkel und Markus Söder appellieren auch, an Weihnachten wenn möglich nicht mit zehn Erwachsenen und ihren Kindern zu feiern, Silvester keine Party zu machen und nicht in den Skiurlaub zu fahren. Verboten ist es aber nicht.

Virus lässt mit sich nicht verhandeln

Es ist schwer, weiterhin Verständnis für die Rücksichtnahme der Bundesregierung zu haben. Wenn es den Krankenpflegerinnen und -pflegern und Ärztinnen und Ärzten nur ein klein wenig helfen kann, dass an Silvester nicht geböllert wird - dann ist das ein machbares Opfer. Wenn Lehrerinnen und Lehrer Angst haben, jeden Tag vor dreißig Schülern zu unterrichten, kann man das doch nicht einfach ignorieren. Wenn Tausende Kinder sich jeden Tag in den Schulbussen knubbeln, kann es nicht sein, dass es an der Geldfrage scheitert, weitere Busse einzusetzen.

Appelle reichen in einer Pandemie nicht. Das Signal ist: Corona ist verhandelbar. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert war erst bei 50 schlimm, jetzt ist er es bei 200. Selbst dann können die Länder aber noch machen, was sie wollen. An Weihnachten dürfen die Familien nun untereinander verhandeln, ob sie mit zehn Erwachsenen plus Kindern feiern oder das vielleicht doch lieber lassen. Verhandlungssache Corona. Nur blöd, dass das Virus nicht mit sich verhandeln lässt.

Kommentar: Appelle reichen in einer Pandemie nicht
Isabel Reifenrath, ARD Berlin
26.11.2020 06:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 26. November 2020 um 06:41 Uhr im "Morgenecho".

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