Abgesagter Schnelltest-Start Spahn war zu voreilig

Stand: 23.02.2021 19:02 Uhr

Kostenlose Schnelltests für alle ab dem 1. März: Mit diesem Versprechen wollte Gesundheitsminister Spahn punkten. Das war nicht nur fahrlässig, sondern ein vermeidbares Eigentor.

Ein Kommentar von Uwe Lueb, ARD-Hauptstadtstudio

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, sagt der Volksmund. Mit dieser Feststellung könnte man es beim geplatzten Starttermin für Corona-Schnelltests bewenden lassen. Sollte man aber nicht. Denn es geht gar nicht so sehr um Spott - den könnte CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vermutlich ganz gut wegstecken. Es geht auch um berechtigte fundamentale politischer Kritik. Und die haut ins Kontor.

Es fällt ein weiterer Schatten auf den Mann, der im vergangenen Jahr wegen seines Corona-Krisenmanagements schon als Kanzlerkandidat der Union gehandelt wurde. Alles Makulatur, alles Schnee von gestern.

Es geht um "nicht gemachte Hausaufgaben"

Sicher, beim verpatzten Impfstart kam Spahn die Bundeskanzlerin in die Quere, die nichts davon hielt, dass vier Länder in der EU vorangehen, für sich bestellen und die anderen in der EU dann - vielleicht - auch etwas davon haben. Also war Spahn raus, die EU in der Pflicht - und den Rest kennen wir. Politisch war Merkels Intervention trotz allem richtig, denn Alleingänge oder Grüppchenbildung in Gemeinschaften wie der EU sind politisch Gift für dieselbe.

Nun kommt die Kanzlerin Spahn wieder in die Quere: Zu unausgereift sei die Corona-Schnelltest-Strategie des Ministers, zu viele Fragen seien offen. Aber diesmal ist es eine ganz andere Situation als bei der Impfstoffbestellung: Hier geht es nicht um eine politische Entscheidung, sondern um - so sagen es Politiker gern - "nicht gemachte Hausaufgaben".

Versprechen konnte nicht eingehalten werden

Spahn war zu voreilig. Er versprach seine Schnelltest-Strategie in der vergangenen Woche für den 1. März, ohne all das zu klären, was nun lapidar als unbeantwortete Fragen bezeichnet wird. Mag sein, dass er sich politisch zu sehr unter Druck fühlte, dass er zu sehr getrieben war von der wachsenden Sehnsucht der Menschen und immer größerer Teile der Politik nach einem Ende des Lockdowns oder wenigstens nach Erleichterungen. Doch auch unter Druck ist es fahrlässig, etwas zu versprechen, das auf bessere Zeiten hoffen lässt, ohne es einhalten zu können.

Spahn hat Erwartungen enttäuscht - unnötig. Er hätte sich nur das Datum verkneifen müssen. Ein "so schnell wie möglich" hätte gereicht. Als Quittung nimmt Spahn nun politischen Schaden, der leicht vermeidbar gewesen wäre.

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Schnellteststart: Politischer Schaden für Spahn
Uwe Lueb, ARD Berlin
23.02.2021 18:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Februar 2021 um 09:40 Uhr.

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