K-Frage in der Union Söders Plan könnte aufgehen

Stand: 16.04.2021 18:22 Uhr

Für Söder wird der Kampf um die Kanzlerkandidatur so oder so kein schlechtes Ende nehmen. Schwer vorstellbar, dass das alles ungeplant passierte. Die CDU könnte am Ende vor einem Scherbenhaufen stehen.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn zwei sich streiten, freut sich ... Markus Söder. Wenn er Kanzlerkandidat wird, sowieso. Und wenn er es nicht wird, auch. Denn dann hat er der CDU gezeigt, zu was er fähig ist, dass er mobilisieren kann und ihm die Abgeordneten zu Füßen liegen - auch einige aus Armin Laschets Reihen. Dass danach die Hütte brennt, kümmert Söder so wenig wie Nero.

Laschet wäre in dem Fall am Ende. Ruiniert als CDU-Chef, ramponiert als Ministerpräsident und desillusioniert als Mensch. Denn das, was ihm gerade widerfährt, wünscht niemand seinem ärgsten Feind, schon gar nicht einem Parteifreund. Laschet hat nicht mit Söders Skrupellosigkeit gerechnet, Söder hingegen Laschets Leichtgläubigkeit einkalkuliert.

Auf den passenden Moment gewartet?

Schwer vorstellbar, dass das alles ungeplant passierte. Der Mann, der nie "Ja" oder "Nein" sagte, sondern immer stanzenhaft wiederholte, dass sein Platz in Bayern sei, wartete offensichtlich nur auf den passenden Moment. Und der war gekommen, als die Union in den Umfragen dorthin stürzte, wo Laschet sich schon seit Monaten aufhielt: im Untergeschoss.

Jetzt war es ein leichtes Spiel für Söder. Das Votum von Präsidium und Vorstand der CDU ignorierte er und zerrte Laschet in die Fraktion. Wie blauäugig der in diese Schlacht stolperte! Vieles spricht dafür, dass Söder das gut vorbereitet hatte. Es sah aus wie orchestriert, dass diejenigen, die in der Fraktion etwas sagen sollten, lautstark "Söder" riefen. Spätestens da muss Laschet ein Licht aufgegangen sein. Zu spät.

Einige wanken

Zwar hält die erste Reihe zu ihm, aber einige wanken. Reiner Haseloff - man muss sich ernsthaft fragen, was in ihn gefahren ist, dass er als Ministerpräsident und CDU-Präsidiumsmitglied Vertrauen und Charaktereigenschaft für zweitrangig erklärt und Umfragen über diese Werte stellt. Eine Bankrotterklärung.

Und dann kommt der Saarländer Ministerpräsident Tobias Hans. Er habe den Beschluss im Präsidium nie so verstanden, dass es nur Laschet werden kann, lässt er sich in der Zeitung "Welt" zitieren. Nur so etwas wie eine Überdosis CandyCrush kann Mister Modellregion aus dem Saarland das Erinnerungsvermögen so vernebelt haben.

Gut für SPD, Grüne und Linke

Söders Plan könnte aufgehen. Er will eine Abstimmung in der Fraktion, was wiederum alle CDU-Spitzen verhindern wollen: Schäuble, Brinkhaus, Laschet. Kommt es doch dazu, weil andernfalls keine Lösung herbeizuführen ist, sind alle düpiert und die CDU steht vor einem Scherbenhaufen. Und mit diesem will Söder dann die Wahl gewinnen. Viel Spaß damit.

SPD, Grüne und Linke reiben sich vermutlich schon die Hände, denn ein Wahlkampf gegen den wandelwütigen Söder ist sehr viel einfacher zu führen als gegen den wertewilligen Laschet. Sie werden die Vergangenheit bemühen, die bietet genug Angriffsfläche: Dass Söder etwa die Regierung Schröder mitverantwortlich machen wollte für Sexualstraftaten, dass er Flüchtlingen auf dem Mittelmeer Asyltourismus attestierte. Ja, das alles war der vermeintliche Umfragekönig - der jetzt grüne Politik im Kanzleramt machen will.

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Söder versus Laschet - was sagen Umfragewerte aus?
Marcel Heberlein, ARD Berlin
17.04.2021 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. April 2021 um 15:50 Uhr.

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