Gekippte Osterruhe Merkels Entschuldigung - ein Lichtblick

Stand: 24.03.2021 16:51 Uhr

Kanzlerin Merkel hat für das Eingeständnis ihres Fehlers Wertschätzung verdient. Doch nun müssen schnell Alternativen zum harten Oster-Lockdown her - denn die Lage auf den Intensivstationen ist zu ernst.

Ein Kommentar von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Die Bitte der Bundeskanzlerin, man möge ihren Fehler verzeihen, war ein Lichtblick - ein Lichtblick in einem dunklen Meer aus einer Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners.

Es geht also noch: Eine Politikerin, die Verantwortung übernimmt, auch für das Verhalten der 16 anderen am Tisch. Eine Politikerin, die klipp und klar sagt: Das war vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht - ich übernehme die Verantwortung. Das ist eine Fehlerkultur, die selten geworden ist. Dafür hat Angela Merkel Wertschätzung verdient.

Von den Beschlüssen bleibt wenig übrig

Die Bundeskanzlerin hat damit aber auch den einzig nennenswerten Beschluss aus den Bund-Länder-Beratungen abgeräumt. Was übrig bleibt, ist lediglich die Bestätigung, dass sich die Runde an ihre eigenen Beschlüsse von Anfang März gebunden fühlt. Und das angesichts einer weitaus höheren Inzidenz und aggressiveren Virus-Varianten, die immer dominanter werden.

Man muss weder Epidemiologe noch Modellierer sein, um zu wissen: Das kann nicht reichen. Dafür gibt es bisher weder genug Tests noch genug Impfdosen. Und dafür ist schon jetzt die Lage auf den Intensivstationen zu ernst.

Endlich den Arbeitsplatz in den Blick nehmen

Übrig bleibt der Eindruck: Wir Deutsche können Bürokratie. Aber flexibel sein im Angesicht der Krise? Das können wir nicht. Die Idee der Osterruhe ist nicht an Zweifeln gescheitert, dass sie - wenigstens ein bisschen - sinnvoll ist. Sie ist am Klein-Klein formaler Fragen gescheitert: zum Beispiel daran, wie man denn die Lohnfortzahlung für diesen einen zusätzlich geplanten Tag hätte regeln sollen.

Jetzt die Osterruhe abzuhaken und nichts tun, ist keine Lösung. Was ist mit einer Pflicht für Arbeitgeber, den Mitarbeitern Tests zur Verfügung zu stellen? Was ist mit einer Pflicht zum Homeoffice? Warum schiebt die Politik so viel Verantwortung ins Private, statt endlich den Arbeitsplatz richtig in den Blick zu nehmen - und zwar mit Vorgaben, nicht mit schwachen Appellen? Da wird viel Potenzial verschenkt, das kann niemand mehr verstehen.

Dafür müssten sich die verantwortlichen Politiker - nicht nur Merkel - entschuldigen und es künftig besser machen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.

Kommentar: Merkels Fehlerkultur
Birgit Schmeitzner, ARD Berlin
24.03.2021 16:12 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. März 2021 um 17:00 Uhr.

Darstellung: