Von der Leyens Entschuldigung Zu spät, zu halbherzig

Stand: 05.02.2021 01:54 Uhr

Ursula von der Leyens Ruf als Krisenmanagerin ist nicht mehr zu retten. Daran ändert auch eine halbherzige Entschuldigung nichts. Zu lange hat sie offensichtliche Impfstoff-Produktionsprobleme ignoriert.

Ein Kommentar von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Zu spät. Und zu halbherzig. Ursula von der Leyen versucht, einen Ruf als Corona-Krisenmanagerin der EU zu retten, den sie längst verloren hat. 

Zu stark habe man sich auf die Impfstoff-Entwicklung fokussiert und zu spät auf die Frage, wie dieser Impfstoff in ausreichender Menge für die EU produziert werden kann, lautet der Erklärungsversuch der EU-Kommissionspräsidentin.

Kommission hätte es besser wissen müssen

Tatsache ist, dass BioNTech aus Mainz bereits im letzten Frühsommer klar war, dass man einen höchst vielversprechenden Impfstoff in der Pipeline der klinischen Versuchte hatte.

Und da Brüssel dieses Startup-Unternehmen BioNTech mit viel EU-Geld fördert, musste der von der Leyen-Kommission auch klar sein, dass es mit der Massenproduktion schwierig würde. Denn BioNTech hatte noch nie ein Medikament am Markt platziert. Und BioNTechs Partner Pfizer ist vor allem auf den amerikanischen Markt ausgerichtet, und nicht auf den europäischen.

Preiskämpfe statt Planung

Doch die EU-Kommission konzentrierte sich nicht auf die naheliegende Frage, welche bereits bestehenden Anlagen von Pharmakonzernen und Pharmazulieferern in Europa auf die Covid- Impfstoffproduktion umgerüstet werden können - wie es seit kurzem in Marburg, Halle und Frankfurt geschieht.

Stattdessen verhedderte sich das von der Leyen-Team in monatelangen Preiskämpfen mit den Impfherstellern. Um dann stolz bekannt zu geben, wie preisgünstig die EU im Vergleich zu den USA und Großbritannien an einen Impfstoff kommt, der nur leider jetzt nicht in ausreichender Menge hergestellt werden kann.

Hochgradiger Dilettantismus

Statt die Impfstoff-Beschaffung sofort zur Chefsache zu machen, überließ die Kommissionspräsidentin und Medizinerin Ursula von der Leyen Europas überlebenswichtigste Herausforderung monatelang ihrer Gesundheitskommissarin  Stella Kyriakides - deren überschaubares Engagement und begrenzte Kompetenz nicht nur in Brüssel bekannt ist.

Und als das Impfstoff-Debakel der EU seinen peinlichen Höhepunkt erreichte und die Kommission allen Ernstes Exportkontrollen ausgerechnet an der sensiblen Grenze zu Nordirland vorschlug, versuchte Ursula von der Leyen, die Schuld für diesen hochgradigen Dilettantismus ihrem Handelskommissar Dombrowskis in die Schuhe zu schieben. 

Spätestens da begann die von der Leyen-Dämmerung in Brüssel, die auch durch halbherzige und zu späte Entschuldigungsversuche nicht mehr aufzuhalten ist. Und die auch von der Leyens mächtigste Förderin nicht unangetastet lässt. Ihr Name: Angela Merkel.

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Kommentar: Von der Leyens Entschuldigung zu spät, zu halbherzig
Ralph Sina, ARD Brüssel
05.02.2021 06:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Februar 2021 um 09:00 Uhr.

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