Kommentar

Wälder in Deutschland Die Krise ist auch eine Chance

Stand: 29.08.2019 19:39 Uhr

Soforthilfen sind richtig - aber nur ein kleiner Teil einer größeren Aufgabe. Ein Umdenken sei nötig: Zu lange habe man beim Wald ökonomisch statt ökologisch gedacht.

Ein Kommentar von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Der Klimawandel setzt dem Wald zu - das wurde heute nach dem Verbändetreffen einmal mehr deutlich. Bundesagrarministerin Julia Klöckner sprach von einer "Zäsur draußen im Wald".

Die Situation ist ernst. Nicht nur Nadelbäume sind massiv von Hitze, Dürre, Stürmen und Schädlingsbefall betroffen, auch Laubbäumen wie der Buche geht es schlecht. Der Warnschuss aber kommt aus der Wissenschaft, und er ist sehr deutlich: Die Situation wird nicht besser, im Gegenteil, sie verstärkt sich noch in den kommenden Jahren.

Umdenken erforderlich

Es ist also nicht nur gut, sondern dringend erforderlich, dass sich Vertreter von Holzwirtschaft, Waldbesitzern, Naturschutzverbänden und zuständigen Behörden an einen Tisch setzen und gemeinsam darüber beraten, was nun getan werden muss, damit Wälder künftig dem Klima angepasst werden. Zu lange lag die Aufmerksamkeit vor allem auf dem wirtschaftlichen Nutzen der Wälder, zu wenig auf ihrer ökologischen Bedeutung.

Ein reiner Fichtenwald ist ökonomisch vielleicht interessant, ökologisch aber instabil. Auch das hat zum jetzigen Zustand der Wälder geführt. Dass allein die vergangenen zwei Dürrejahre Schuld an der dramatischen Situation sein sollen, ist zu kurz gesprungen. Ein Umdenken ist also erforderlich.

Ökosystem Wald in den Mittelpunkt rücken

Wenn jetzt Waldbesitzer nach mehr als zwei Milliarden Euro Soforthilfe rufen, um die Wälder wieder aufzuforsten, dann ist das zwar verständlich - und es ist auch richtig, Geld bereitzustellen, um abgestorbene Bäume zu beseitigen und neue zu pflanzen. Das ist aber nur ein kleiner Teil einer viel größeren Aufgabe. Die zentrale Frage ist: Bleiben die Maßnahmen im Klein-Klein stecken oder gelingt nun ein gemeinsamer großer Wurf? Gelingt es, viel mehr als bislang, eine naturorientierte Waldbewirtschaftung auf den Weg zu bringen? Eine, die das Ökosystem Wald in den Mittelpunkt rückt?

Dafür wären Milliardensummen gut angelegtes Geld. Insofern ist die derzeitige Krise auch eine Chance. Dazu braucht es Forschung, aber vor allem Mut. Mut, in klimaangepassten Mischwäldern vielleicht auch einmal eine Eiche aus Italien anzupflanzen, oder eine Tanne aus Nordamerika, die sich schon als klimaresistent erwiesen haben. Mut aber auch, Wälder einfach mal wachsen zu lassen und Teile davon gar nicht zu bewirtschaften.

Kommentar Waldbewirtschaftung: Es braucht Mut!
Claudia Plaß, ARD Berlin
29.08.2019 17:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. August 2019 um 17:08 Uhr.

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