Juden werden in einem Zug nach Auschwitz deportiert. (Archivbild, 1944 in Warschau aufgenommen) | Bildquelle: akg-images / Imagno

Medien und der Holocaust "Bitterste journalistische Niederlage"

Stand: 29.01.2020 12:59 Uhr

Alliierte Medien schafften es im Zweiten Weltkrieg nicht, den Holocaust ins Bewusstsein der Leser zu rücken. Die "New York Times" spricht von der "bittersten journalistische Niederlage des Jahrhunderts".

Von Caroline Schmidt, NDR

Sie hätten vom Holocaust nichts gewusst, sagten viele Amerikaner am Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Aussage, die aus Deutschland bekannt ist, nicht aber aus Ländern der Alliierten wie den USA oder England. Die amerikanische Medien-Wissenschaftlerin Laurel Leff untersuchte deshalb die Berichterstattung über den Holocaust in amerikanischen Medien während des Krieges, allen voran im Leitmedium "New York Times". Sie kam zu dem Ergebnis, dass das Thema während des gesamten Krieges nur sechs Mal die Titelseite erreichte.

Zwar gab es viele Artikel, aber das Thema habe sich im Wesentlichen zwischen den Seiten fünf und 19 abgespielt, so Leff. Den Grund sieht sie auch in einem latenten Antisemitismus in der Bevölkerung. Der Verleger der "New York Times" war jüdisch und habe das protestantische Establishment nicht verschrecken wollen. "Er dachte, wenn es so aussähe, als würde er im Namen von Juden handeln, würden sich die Menschen abwenden, die er als Werbetreibende und Informationsquelle nicht vergraulen wollte", sagt Leff.

Holocaust-Überlebende berichten von Auschwitz
tagesthemen 22:15 Uhr, 27.01.2020

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Furcht vor deutscher Propaganda bei der BBC

Auch in England war die Berichterstattung über die Massenmorde an europäischen Juden eher verhalten. Seit 1942 gab es eindeutige Zeugenberichte geflüchteter Häftlinge von den Orten der Vernichtung, aber in der Berichterstattung der BBC bildete sich das nicht ab. Der Journalist Denys Blakeway recherchierte dazu und veröffentlichte 1993 eine Radio-Dokumentation - eine späte Aufarbeitung. 

Einer der Gründe, weshalb die BBC bis Ende 1942 zurückhaltend über den Holocaust berichtete, sei deren damalige Verbindung zum britischen Außenministerium, so Blakeway: "Die BBC erhielt Anweisungen von der Regierung. Sie hat ihren Ton und Vorgehensweise vom Außen- und Informationsministerium übernommen." Und dort befürchtete man, dass Berichte über die Massenvernichtung von den Deutschen zu Propagandazwecken ausgeschlachtet werden könnten.

Latenter Antisemitismus auch in England?

Aber nicht nur die Weisungen des Außenministeriums verhinderten ausführliche BBC-Berichte über den Holocaust. Auch die Briten, sagt Blakeway, waren latent antisemitisch: "Was ich verurteile, ist der gelegentliche Antisemitismus, der die Ansichten einiger Beamter sowohl in der BBC als auch im Auswärtigen Amt geprägt hat. Das war entsetzlich."

Auch der britische Historiker James Jordan hat keine Zweifel daran, dass die BBC mehr wusste als sie veröffentlichte. Das Thema sei heruntergespielt worden. Und das, obwohl der Sender von Außenstehenden immer wieder gebeten wurde, in seinen Auslandsprogrammen über die Judenvernichtung zu berichten, um Juden in Europa zu warnen.

Der Druck war nicht ausreichend

Beide Wissenschaftler - der Brite Jordan und die Amerikanerin Leff - kommen aufgrund ihrer Untersuchungen in alliierten Medien unabhängig voneinander zu einer erschreckenden These: Hätten die Medien größer, deutlicher und unnachgiebiger berichtet, hätten Menschenleben gerettet werden können. "Man kann nicht sagen, dass der Holocaust hätte verhindert werden können", sagt Leff. Aber mit größeren Schlagzeilen und Aufmachern wären die Regierungen unter Druck geraten, früher zu handeln. Etwas zu tun, was erst 1944 geschehen ist."

Über dieses Thema berichteten die Tagesthemen am 28.01.2020 und ZAPP am 29. Januar 2020 um 23:20 Uhr.

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