Juliette Greco im Jahr 2015 | Bildquelle: imago/PanoramiC

Juliette Gréco gestorben Trauer um Grande Dame des Chansons

Stand: 23.09.2020 20:16 Uhr

Ihre Chansons machten sie weltberühmt: Juliette Gréco. Nun ist die französische Sängerin und Schauspielerin mit der dunklen Stimme im Alter von 93 Jahren gestorben.

Die französische Chanson-Legende und Schauspielerin Juliette Gréco ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Sie sei in ihrem Haus in Ramatuelle in Südfrankreich gestorben, hieß es in einer Mitteilung der Familie an die Nachrichtenagentur AFP. Gréco wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren Jahren mit Chansons wie "L'accordéon", "La Javanaise" und "Déshabillez-moi" weltberühmt.

Mit ihrer markanten dunklen Stimme und ihrer schwarzen Kleidung prägte sie ab Ende der 1940er-Jahre eine ganze Generation.

Juliette Greco posiert im Jahr 1951 am Strand von Nizza. | Bildquelle: AFP
galerie

Juliette Greco posiert im Jahr 1951 am Strand von Nizza.

Karriere als Sängerin und Schauspielerin

1927 in Montpellier geboren, verbrachte sie nach eigenen Aussagen eine wenig glückliche Kindheit. Der Vater, ein korsischer Polizeikommissar, verschwand aus ihrem Leben, als die Mutter mit beiden Töchtern nach Paris zog. Die Mutter, die sich der Résistance angeschlossen hatte, wurde im September 1943 von der Gestapo verhaftet und zusammen mit ihrer Tochter Charlotte in das KZ Ravensbrück deportiert, das sie überlebten.

Nach dem Krieg begann sie mehr oder weniger zufällig ihre Gesangskarriere in Paris. Die Literaten, Philosophen und Künstler, die sich in der Nachbarschaft ihres damaligen Zuhauses in Saint-Germain-des-Prés trafen, waren fasziniert von der Unverfrorenheit der jungen Juliette. Unter ihnen war auch Jean-Paul Sartre. Er war es, der sie zum Singen überredete.

"Ich hörte ihn hinter mir rufen: Gréco. Ich sagte: Oui, Monsieur. Sie werden singen. Und ich: Pardon? Er sagte: Sie müssen singen, sie haben eine schöne Stimme! Gleich für den nächsten Morgen bestellte er mich zu sich und suchte Texte für mich heraus. Er war es, der mich auf die Welt brachte."

In kurzer Zeit brachte sie es als "Königin der Existenzialisten" und "schwarze Muse von St. Germain-des-Prés" zu Weltruhm. Sartre, Albert Camus und François Mauriac schrieben die Texte ihrer Lieder. Die literarischen Chansons wurden zum Markenzeichen von Gréco.

"Es war die totale Befreiung. Wir konnten sagen, was wir wollten, tun, was wir wollten. Wir saßen auf der Straße bis zum Morgengrauen, wir redeten und lachten. Wir waren laut. Endlich waren wir frei."

Jahrzehntelang interpretierte sie außerdem die Lieder der größten Chansonniers wie Jacques Brel und Georges Brassens. Für ihre politischen Lieder liebten die Franzosen Gréco - aber so populär wie zum Beispiel Edith Piaf wurde sie nicht.

Juliette Greco | Bildquelle: picture alliance / United Archiv
galerie

Juliette Gréco bei einem Auftritt in Montpellier im Jahr 1980. Mit ihren Händen unterstützte sie auf der Bühne ihren Gesang.

"Ich war skandalös"

Ab 1959 trat sich auch als eine der ersten Französinnen nach dem Krieg in Deutschland auf und machte Karriere auf der Leinwand - unter anderem an der Seite von Klaus Maria Brandauer in "Jedermanns Fest".

Gréco war drei Mal verheiratet, darunter auch mit dem inzwischen verstorbenen Schauspieler Michel Piccoli. Zu den frühen Partnern gehörte der legendäre schwarze Jazz-Trompeter Miles Davis. Im Jahr 1988 heiratete sie den Pianisten und Brel-Komponisten Gérard Jouannest, ihren langjährigen musikalischen Begleiter.

Der freie Lebensstil, den sie schon früh verkörperte, gefiel in Frankreich vielen nicht: "Ich war skandalös, ohne etwas getan zu haben", sagte sie in einem Interview rückblickend.

Abschied von der Bühne 2015

Ihren Abschied von der Musikwelt hatte sie gut vorbereitet. Mit einer Tournee, die sie 2015 begann, bedankte sie sich bei ihren treuen Fans. Man müsse wissen, wann der Zeitpunkt gekommen sei, aufzuhören, sagte sie. Sie singe seit 65 Jahren, das sei ein langes Arbeitsleben.

Mit Informationen von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris.

Juliette Gréco - die Muse von Saint-Germain-des-Prés
Kerstin Gallmeyer, ARD Paris
23.09.2020 20:25 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2020 um 20:00 Uhr.

Darstellung: