Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison (Archivbild vom 05.04.1994) | Bildquelle: AP

Zum Tod von Toni Morrison Mit der Kraft der Worte gegen Rassismus

Stand: 06.08.2019 21:19 Uhr

Visionäre Kraft, poetische Prägnanz, drastische Worte - Toni Morrison widmete ihr Schreiben dem Kampf gegen den Rassismus und wurde weltweit bekannt. Nun starb sie im Alter von 88 Jahren.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Rassenhass und Sklaverei in der US-amerikanischen Geschichte, Unterdrückung und Wut, vor allem von schwarzen Frauen - das waren die Lebensthemen von Toni Morrison.

Manches hat sie am eigenen Leib erfahren, als Tochter einer Arbeiterfamilie in einer Kleinstadt nahe Cleveland in Ohio. Sonst half ihr ihre "visionäre Kraft und poetische Prägnanz", die das Nobelpreis-Komitee 1993 hervorhob.

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison (Archivbild vom 04.11.2010) | Bildquelle: IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX
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Als sie den Nobelpreis bekam, habe sie sich ganz stark als Frau gefühlt, sagte Morrison.

Damals bekam Morrison als erste afro-amerikanische Frau überhaupt den Literatur-Nobelpreis verliehen. Für die damals 62-Jährige war es ein großer Moment:

"Ich habe mich als Amerikanerin gefühlt, vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben. Ich habe mich als Repräsentantin aller Afro-Amerikaner und ganz stark als Frau gefühlt. Denn Frauen sind in den edlen Hallen Nobels nicht besonders üblich."

Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison gestorben
tagesthemen 22:15 Uhr, 06.08.2019, Christiane Meier, ARD New York

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Spät berufen

Ihren Durchbruch in den USA hatte sie da schon lange hinter sich. Für den Roman "Beloved", der in Deutschland unter dem Titel "Menschenkind" erschien, bekam sie 1988 den Pulitzer-Preis. Darin erzählt Morrison eine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert von einer schwarzen Frau, die ihre kleine Tochter umbringt, um sie vor der Sklaverei zu bewahren. In ihrem späteren Leben wird sie von dieser Entscheidung eingeholt. 1998 wurde die Geschichte erfolgreich verfilmt.

Zum Schreiben kam Morrison erst relativ spät in ihrem Leben. Zunächst unterrichtete sie Literatur an einigen Universitäten, ehe sie als Lektorin bei einem großen Verlagshaus anheuerte. Nach der Scheidung von ihrem Mann musste sie als alleinerziehende Mutter sich und ihre zwei Söhne durchbringen - und schrieb nebenher fünf Jahre an ihrem ersten Buch "Sehr blaue Augen", das 1970 erschien.

Der damalige US-Präsident Barack Obama verleiht der US-Schriftstellerin Toni Morrison die "Freiheitsmedaille des Präsidenten". | Bildquelle: picture alliance / dpa
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2012 erhielt Morrison vom damaligen US-Präsidenten Obama die Freiheitsmedaille.

Da war Morrison bereits 39 Jahre alt. In der schwarzen Community sei das Buch nicht gut angekommen, in dem es um das Thema Inzest ging: Es handelt von einem schwarzen Mädchen, dessen sehnlichster Wunsch blaue Augen sind. Eines Tages vergewaltigt sie ihr betrunkener Vater, um ihr zu zeigen, dass sie auch ohne blaue Augen attraktiv ist.

"Meine Schwester hat es ihren Kindern verboten zu lesen, bevor sie 18 waren. Viel verkauft wurde das Buch nicht. 3000 Dollar hab ich damals verdient. Mit diesem Geld bin ich zusammen mit meiner Mutter, meinem Vater und meinen Kindern nach Aruba geflogen."

Drastische Worte gegen Rassismus

In Morrisons Werken finden sich viele solche drastische Schilderungen. In "Sula" lässt sich eine schwarze Mutter von einem Zug ein Bein abfahren, um mit dem Geld der Versicherung ihre Familie durchzubringen. In "Jazz", das im Harlem der 20er-Jahre spielt, wird eine junge Afro-Amerikanerin bei einer Party erschossen.

US-Schriftstellerin Toni Morrison | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Mit schonungslosen Worten beschrieb Morrison den Rassismus.

Morrison war eine der wenigen US-amerikanischen Autorinnen, deren Werke sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum erfolgreich waren. Bis 2006 unterrichtete sie außerdem an der renommierten Princeton University in der Nähe von New York.

Doch ihre Mission sah sie bis zuletzt als nicht erfüllt an. Mit drastischen Worten prangerte sie immer wieder den Rassismus in den USA an:

"Ein weißes Kind, das von einem Polizisten in den Rücken geschossen wird, wenn es wegläuft. Oder ein Weißer, der vor seiner Haustür nach dem Schlüssel sucht und von 44 Polizeikugeln durchlöchert wird. Wenn das passiert, dann haben wir etwas über Rassismus gelernt. Und noch etwas würde ich gerne erleben: Ein weißer Mann geht ins Gefängnis, weil er eine schwarze Frau vergewaltigt hat. Dann wäre ich glücklich."

Am Montagabend ist Toni Morrison im Alter von 88 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus gestorben.

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison gestorben
Peter Mücke, ARD New York
06.08.2019 17:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. August 2019 um 17:00 Uhr.

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