Vor 40 Jahren startete das Woodstock-Festival Sie rauchten im Regen und rutschten im Schlamm

Stand: 14.08.2009 13:16 Uhr

Drei Tage Bands und Musiker auf einem Acker im US-Bundesstaat New York, Platz zum Zelten, ein bisschen Gras - die Idee war gut und die Welt bereit: Eine halbe Million junger Menschen strömten 1969 zum Woodstock-Festival. Was folgte, war Chaos - und der legendäre Höhepunkt der Hippiebewegung.

Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York

Festivalmenge im Regen | Bildquelle: AFP
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Peace, Love & Rain: Beim Auftritt von Joan Baez brach ein Wärmegewitter über die 500.000 Besucher herein.

1969 war ein Jahr der Widersprüche: Die USA schickten Männer zum Mond und Wehrpflichtige in einen schmutzigen Krieg nach Vietnam. Der Kampf um die Bürgerrechte, die Emanzipation und das Aufmucken gegen das Establishment bestimmten die öffentliche Diskussion. Da kamen drei Tage auf dem Land mit Musik und Frieden vielen Jugendlichen gerade recht. Und es waren sehr viele: statt der erwarteten 60.000 knapp eine halbe Million. "Als ich auf die Bühne kam - es war unglaublich", erinnert sich Folksänger Country Joe McDonald, "dieses Meer von Menschen."

Durch und durch friedliches Chaos

Ein Meer, das die gesamte Organisation weggespült hatte: Einlasskontrolle und Ticketverkauf unmöglich, zu wenig Toiletten, die Versorgung mit Essen und Trinken viel zu knapp. Und selbst das gedachte Musikprogramm stand auf der Kippe - viele Bands steckten auf den total verstopften Zufahrtsstraßen im Stau.

Wer durchkam, musste sofort auf die Bühne. Richie Havens war der erste: "Um ehrlich zu sein: Ich hatte Angst. So viele Menschen sieht man nicht so häufig. Für mich war es das erste Mal", beschreibt Havens seine Gefühle vor 40 Jahren. Schier endlose Massen: Sie saßen im Regen, sie rutschten im Schlamm, die große Mehrheit sah und hörte nichts vom Programm auf der Bühne. Es war ein Chaos - aber ein durch und durch friedliches.

Joe Cocker (l.) und Jimi Hendrix
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32 Bands und Solokünstler traten vom 15.-18.8.1969 beim Woodstock-Festival in Bethel im US-Bundesstaat New York auf - darunter der britische Sänger Joe Cocker (l.) und der US-Musiker Jimi Hendrix (r.).

"Ich bin du und du bist ich"

"Es war wie ein Zauber, dieses Gemeinschaftsgefühl, das wir hatten: Ich bin du und du bist ich", sagt Duke Devlin, er kam damals aus Texas und ist bis heute geblieben. "Woodstock war die Grundlage für alles, was meine Generation zu tun hatte", sagt Richie Havens. Eine Generation, die Frieden und Freiheit auch auf Genuss von Drogen bezogen wissen wollte. "Ich hatte dort einen meiner schönsten Auftritte, viel besser als die auf der Bühne", erzählt John Sebastian, Ex-Frontman der Band Loving Spoonful. Er sang, wohl selbst auch leicht bedröhnt, für die Patienten im Ausnüchterungszelt von Woodstock.

Carlos Santana (l.) und Janis Joplin
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Als der US-amerikanische Sänger und Gitarrist Carlos Santana (l. Foto von 2004) spielte, skandierte die Menge gerade ausdauernd "No rain!" - Santanas Auftritt gilt trotzdem als legendär. Janis Joplin (Foto undatiert) war dagegen in Woodstock nicht ganz so explosiv wie gewohnt.

Auch ohne Gras zu einem neuen Bewusstsein

Das Bewusstsein hatte sich verändert - auch ohne Gras in der Tüte: "Eine halbe Million Menschen hat sich umgeguckt  und sich gedacht: 'Wow! Wir sind eine große, große Gruppe, wir sind jedermann'", sagt Mitveranstalter Joel Rosenman. Woodstock war damit mehr als der Höhepunkt der Hippiebewegung - es hat die Jugendkultur zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Gesellschaft gemacht.

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