Vor 40 Jahren: Das Woodstock-Festival Vom Aufbruch in ein neues Universum

Stand: 15.08.2009 17:50 Uhr

Was heute eine Legende ist, begann einst als nette Idee zweier Musikbegeisterter: Warum nicht ein Konzert machen mitten im Grünen, nicht weit von New York. Es wurde ein Monster-Event daraus - das Woodstock-Festival. Für die Organisatoren endete es mit horrenden Schulden. Gelohnt habe es sich trotzdem, sagt einer von ihnen.

Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York

500.000 Menschen kamen nach Woodstock.
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Schon einige Tage vor Beginn waren 50.000 Leute da, am Ende kamen 500.000.

Alles fing ganz klein an. Eine nette Idee, mehr nicht: "Warum machen wir nicht ein Konzert mit Bob Dylan?", fragten sich Joel Rosenman und sein damaliger Partner John Roberts - irgendwo im Grünen in upstate New York. Dylan, damals schon ein Star, war allerdings nicht wirklich begeistert. "Bob Dylan hat nie zurückgerufen", erzählt Rosenman lachend.

Heute kann er darüber lachen, aber damals war er sauer. "Dann machen wir es eben ohne ihn", so seine trotzige Reaktion. Nur wie, das wussten sie nicht: "Wir wussten einfach zu wenig über Konzerte und die Öffentlichkeit, um vernünftig beurteilen zu können, ob unser Konzept wirklich attraktiv war."

Die Stars kamen, für doppeltes Honorar

Konzertagenturen hielten sie für naive Amateure und lehnten eine Zusammenarbeit ab. Wochenlang. Bis Rosenman und Roberts sich auf ein sehr amerikanisches Prinzip besannen: "Wir haben mit Geld um uns geworfen, genug Geld, damit die Leute uns zuhörten, obwohl wir keine Ahnung hatten." Genug Geld hieß: Sie verdoppelten die damals gängigen Honorare. Die erste Band, die unterschrieb, war Jefferson Airplane. Das war ein Name, mit dem man für das Festival werben konnte.

Ein Plan B musste her

Joe Cocker auf der Bühne beim Woodstockfestival | Bildquelle: picture-alliance / Mary Evans Pi
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Joe Cocker war einer der Stars, der schließlich zusagte.

"Drei Tage ohne Deine Eltern, ohne Autorität, aber mit Deiner Musik" - so einfach war das. Woodstock wurde ein Insider-Tipp, Mund-zu-Mund-Propaganda brachte den Ticketverkauf zum Laufen, die Liste der Bands und Acts wurde länger. Alles war gut. Aber vier Wochen vor dem Festival drohte der GAU: Die Gemeinde Wallkill zog die bereits erteilte Genehmigung für das Konzert zurück: "Ein schwerer Rückschlag: Wir hatten sehr wenig Zeit und sehr wenig Geld für einen Plan B, und - schlimmer - wir hatten keinen Plan B."

Ein Monster-Erfolg und Monster-Schulden

Das ehemalige Festivalgelände 2009 | Bildquelle: picture alliance / Wendy Connett
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Vom Konzert blieben den Organisatoren hohe Schulden, aber auch das Gefühl, in Woodstock etwas Bleibendes geschaffen zu haben.

Die Rettung kam durch Max Yasgur, der seine Farm in Bethel zur Verfügung stellte, allerdings für ein Vielfaches des ursprünglichen Pacht-Preises. Die Zeit reichte trotzdem nicht. Die Bühne blieb ein Provisorium, Zäune und Kassenhäuschen fehlten ganz. Ergebnis: Schon drei Tage vor dem Festival lagerten 50.000 Menschen auf dem Gelände: "Im Hinterkopf konnte ich ausrechnen: Wenn jetzt schon 50.000 da sind, bewegt sich ein Monster auf das Gelände zu. Es wurde ein 500.000-Monster" - und ein Monster-Erfolg, wenn auch nicht finanziell: Roberts hatte seinen Erbanspruch beliehen, um für die Gagen und Mieten aufkommen zu können, doch die tatsächlichen Kosten waren letztendlich viel höher.

Gelohnt hat es sich trotzdem, sagt Rosenman heute: "Wir haben eine fast unsichtbare Gegenkultur in etwas derart Greifbares übersetzt, dass es nicht länger abgestritten werden konnte." Ein Aufbruch in ein neues Universum, der auch vierzig Jahre danach wenig von seiner Faszination verloren hat.

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