Seenotretter der "Ocean Viking" nehmen nördlich der libyschen Küste Bootsflüchtlinge an Bord  | Bildquelle: AP

Mittelmeer Fast 200 Flüchtlinge gerettet

Stand: 18.09.2019 04:08 Uhr

Die "Ocean Viking" hat weitere 109 Flüchtlinge von Booten im Mittelmeer gerettet. Auch die italienische Küstenwache nahm 90 Migranten an Bord. Noch ist unklar, wo die Schiffe anlegen können.

Kurz nach Beginn eines neuen Einsatzes im Mittelmeer hat das Rettungsschiff "Ocean Viking" 109 Flüchtlinge an Bord genommen. Zunächst seien 48 Menschen knapp 100 Kilometer nördlich der libyschen Küste aus einem Holzboot in Seenot gerettet worden, erklärte die Hilfsorganisation SOS Méditerranée auf Twitter. Unter ihnen befänden sich auch Frauen, sehr junge Kinder und ein Neugeborenes. Später nahmen die Helfer nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen weitere 61 Menschen aus einem Schlauchboot an Bord.

Am Wochenende hatte das Schiff, das beide Organisationen gemeinsam betreiben, 82 gerettete Migranten nach Lampedusa bringen dürfen. Das geschah in Abstimmung mit der Regierung in Rom und galt als Zeichen einer Änderung der italienischen Flüchtlingspolitik.

Seit Kurzem wird Italien von einer Koalition aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und den Sozialdemokraten (PD) regiert. Die rechte Lega unter Parteichef Matteo Salvini ist seither nur noch in der Opposition. Als Innenminister war Salvini in den vergangenen Monaten hauptverantwortlich für Italiens harten Kurs in der Migrationspolitik.

Seenotretter der "Ocean Viking" nehmen ein gerettetes Kleinkind an Bord | Bildquelle: dpa
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Unter den geretteten Migranten waren auch Kleinkinder.

Auch italienische Küstenwache rettet Flüchtlinge

Auch die italienische Küstenwache rettete nach eigenen Angaben in der Nacht zum Dienstag 90 Bootsflüchtlinge. Sie seien in Abstimmung mit Malta im maltesischen Rettungsgebiet an Bord genommen worden. In der Folge erklärte sich Malta bereit, die rund 90 von der italienischen Küstenwache geretteten Migranten aufzunehmen. Die Geretteten seien auf maltesischen Patrouillenbooten auf dem Weg nach Malta, sagte eine Sprecherin der maltesischen Küstenwache.

Bisher weigerte sich Malta, Flüchtlinge aufzunehmen, die nicht in maltesischen, sondern in libyschen Gewässern aufgenommen wurden. In diesem Fall aber waren die Flüchtlinge laut Italiens Küstenwache nicht nur in der maltesischen Rettungszone in Seenot geraten, sondern der Einsatz sei auch von maltesischen Behörden koordiniert worden. Die italienischen Rettungsschiffe hätten in Erwartung weiterer Anweisungen Kurs auf Malta genommen.

Gespräche zu einer vorläufigen Regelung laufen

Unterdessen ringen die EU-Staaten weiter um eine Lösung, wie Bootsflüchtlinge in Europa verteilt werden sollen. Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte am Wochenende an, dass Deutschland bereit sei, jeden vierten nach einer Seenotrettung in Italien anlandenden Flüchtling einreisen zu lassen. "Wenn alles bleibt wie besprochen, können wir 25 Prozent der aus Seenot geretteten Menschen übernehmen, die vor Italien auftauchen. Das wird unsere Migrationspolitik nicht überfordern", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Neben Frankreich, Italien und Malta sollten sich "möglichst viele Mitgliedstaaten" einer vorläufigen Quotenregelung für die Verteilung von Flüchtlingen anschließen, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Gespräche liefen derzeit. Mehrere EU-Innenminister treffen sich am kommenden Montag in Malta, um über einen solchen Mechanismus zu beraten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. September 2019 um 19:00 Uhr.

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