Stadtansicht von Kerpen

Nach Drohungen Kerpens Bürgermeister gibt auf

Stand: 23.01.2020 10:39 Uhr

Er will seiner Familie die Situation nicht mehr zumuten. Wegen vermeintlicher Drohungen verzichtet der Kerpener Bürgermeister auf eine erneute Kandidatur.

Wegen vermeintlicher Bedrohungen gegen sich und seine Familie verzichtet der Bürgermeister von Kerpen, Dieter Spürck (CDU), auf eine erneute Kandidatur. Es gebe eine "zunehmende Verrohung in der ganzen Gesellschaft", sagte der 53-Jährige dem "Kölner Stadt-Anzeiger" und der "Kölnischen Rundschau" (Donnerstag/23.01.2020).

Kein tragbares Risiko für Frau und Kinder

"Soweit mich das selbst betrifft, halte ich das für ein tragbares Berufsrisiko, aber nicht für meine Frau und meine Kinder", begründete Spürck seinen Entschluss. Er habe in seinem Briefkasten die Nachricht gefunden, dass seine "Kinder es zu spüren" bekämen, wenn er sich nicht "intensiver für den Hambacher Wald einsetzen" würde.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, dass all' diese Dinge nicht gut seien. Er forderte (nach dem Kompromiss beim Kohleausstieg) dazu auf, inne zu halten und zu einem friedlichen Diskurs zurückzukehren.

Dieter Spürck berichtete, dass außerdem Gegner der Flüchtlingspolitik versucht hätten, ihn einzuschüchtern. Auch habe es Ankündigungen gegeben, "mir die Mafia auf den Hals zu hetzen oder sich bei mir zu Hause einzuquartieren", so der Lokalpolitiker.

Beschimpfungen an der Rathaustür

Spürck hatte das Bürgermeisteramt 2015 übernommen. Seitdem habe er "wiederholt Schrammen" an seinem Auto vorgefunden. "Vor meiner Haustüre hat man mir die Luft aus den Reifen gelassen. An der Rathaustüre hingen Beschimpfungen", sagte der Vater von zwei Kindern.

Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts auf Korruption

Im April 2019 hat die Staatsanwaltschaft Köln gegen Dieter Spürck ermittelt. Und zwar wegen des Anfangsverdachtes auf Korruption. Es ging um eine umstrittene Baugenehmigung an der Villa Trips in Horrem. Spürck hatte sich selbst angezeigt.

Spürck selbst hatte im Frühjahr 2019 gesagt, er sei wegen der Baugenehmigung nicht bestochen worden. Die Vorwürfe gegen ihn würden sich als haltlos erweisen.

Der Bürgermeister von Kamp-Lintfort, Christoph Landscheidt (SPD), hatte vor zwei Wochen die Diskussion über die Sicherheit von Kommunalpolitikern neu entfacht, als er wegen Drohungen aus der rechten Szene einen großen Waffenschein beantragt hatte.

In den vergangenen Jahren wurden mehrfach Amtsträger verletzt: 2017 wurde etwa der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein (CDU), mit einem Messer angegriffen, ebenso wie die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) 2015.

Quelle: wdr.de

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