Solingen: Polizisten stehen vor einem ein Wohnhaus

Fünf tote Kinder in Solingen Mord-Ermittlungen gegen die Mutter

Stand: 05.09.2020 15:44 Uhr

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand von Polizei und Staatsanwaltschaft hat eine 27-jährige Solingerin fünf ihrer sechs Kinder in einem "Zustand emotionaler Überforderung" getötet. Die Obduktion habe "Hinweise auf Ersticken und Sedieren" ergeben.

Marcel Maierhofer, Leiter der Mordkommission im Fall der getöteten Kinder in Solingen
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Marcel Maierhofer, Leiter der Mordkommission im Fall der getöteten Kinder in Solingen

Kurz vor ihrem Suizid-Versuch am Düsseldorfer Hauptbahnhof habe die 27-Jährige mit der Großmutter der Kinder Handynachrichten geschrieben, so Marcel Maierhofer, der Leiter der Mordkommission, bei der gemeinsamen Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft: Ihr gehe es sehr schlecht, sie "könne nicht mehr". Nachdem die Großmutter ankündigte, die Polizei informieren zu wollen, soll die 27-Jährige ihr geschrieben haben: "Schick die Polizei in die Wohnung, die Kinder sind tot."

Die Einsatzkräfte fanden in der Wohnung der Familie eine "Frühstückssituation" vor, so Maierhofer. Die fünf toten Kinder hätten in ihren Betten gelegen, an den Körpern fanden sich keine Anzeichen für äußere Gewalt.

Tatvorwurf fünffacher Mord

Laut Heribert Kaune-Gebhardt von der Staatsanwaltschaft Wuppertal hat die anschließende Obduktion "Hinweise auf ein Ersticken und eine Sedierung" mit noch unbekannten Mitteln ergeben. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter fünffachen Mord vor, ein Haftbefehl gegen sie wurde bereits erlassen.

Motiv vermutlich "zerrüttete Ehe"

Robert Gereci schaut in die Kamera
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Einsatzleiter Robert Gereci bei der Pressekonferenz in Solingen

Über das Motiv könne man nur mutmaßen, so Maierhofer - es sei vermutlich in der "zerrütteten Ehe" mit dem Vater der vier jüngsten Kinder zu suchen. Die Tat sei nach derzeitigem Ermittlungsstand aus einem "Zustand emotionaler Überforderung" begangen worden.

Zur Zeit sei die 27-jährige Mutter "einzig tatverdächtig" so Einsatzleiter Robert Gereci. Sie wurde mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen und befindet sich in Untersuchungshaft.

Jugendamt hatte Kontakt zur Familie

In einer Presseerklärung der Stadt Solingen heißt es, die Stadt habe der Familie erforderliche Unterstützungen gewährt. Auch das Jugendamt habe zusätzlich mögliche Hilfe angeboten. "Erkenntnisse zu Auffälligkeiten oder einer potentiellen Gefährdung der Kinder gab es zu keinem Zeitpunkt", so die Stadt.

"Heute ist ein Tag, an dem wir in Solingen sehr traurig sind, weil eine Tat geschehen ist, die uns tief ins Herz getroffen hat", sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) nach einem Besuch am Tatort am Donnerstag.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. September 2020 um 20:00 Uhr.

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