Schlusslicht

Ein Paar guckt in einer Wohnung Fernsehen | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Großbritannien streicht Spots Klischees bekommen Werbeverbot

Stand: 14.08.2019 10:43 Uhr

Großbritannien räumt in den Werbepausen auf: Klischees fliegen raus. Nun hat es die ersten Spots erwischt - und damit überforderte Väter und den "starken Mann", der die Herausforderung mehr schätzt als das traute Heim.

Werbung kann ja an und für sich schon ziemlich nerven. Mitten in den spannendsten oder berührendsten Momenten eines Films soll sich der geneigte Zuschauer plötzlich minutenlang in Geduld üben und sich stattdessen inspirieren lassen, für welche mehr oder minder unnötigen Neuanschaffungen er sein Geld schnellstmöglich auf den Kopf hauen soll.

Doch dann gibt es die Werbespots, die bei einigen den Puls zusätzlich in die Höhe schnellen lassen: Wenn sich die Werbung altbekannter Klischees bedient - vom starken Mann und der Putzwedel-schwingenden Hausfrau etwa.

Die ASA hat einen scharfen Blick auf die Werbung

Die britische Regierung möchte zumindest in dieser Hinsicht die Nerven der eigenen Bürger schonen. Darum hatte im Juni die Organisation ASA ihre Arbeit aufgenommen. Ihre Mission: Werbespots, die sich zu sehr der angestaubten Rollenverteilung zwischen Mann und Frau oder Vorurteilen gegenüber beiden Geschlechtern bedienen, vom Bildschirm zu verbannen.

Und nun hat die ASA zum ersten Mal zugeschlagen: Zwei Spots dürfen ab sofort nicht mehr in Großbritannien ausgestrahlt werden. Der erste stammt vom Lebensmittelhersteller Philadelphia. Eine kurze Zusammenfassung der Werbung: Zwei Väter betreten ein Café oder Bistro, beide haben ein kleines Kind dabei. Auf einem Laufband werden Schnittchen angeboten, bestrichen mit dem Streichkäse des werbenden Herstellers. Und prompt werden beide Kinder auf dem Laufband abgesetzt und beim Verzehr der mutmaßlichen Köstlichkeiten glatt kurz vergessen.

Das Bild der wenig verantwortungsvollen Väter war für die ASA zu viel - also raus damit aus dem Fernsehprogramm.

Mann im Abenteuer, Frau am Kinderwagen

Ebenso traf es einen Spot von Volkswagen. Hier erklimmen Männer die höchsten Berge, reisen ins Weltall, meistern sportliche Bestleistungen - und dann folgt die Frau: ruhig lesend auf einer Parkbank, neben sich der Kinderwagen. Kindererziehung als reine Frauenaufgabe? Nichts, was dem britischen Zuschauer zugemutet werden sollte, meint die ASA.

Strafen kann die Organisation übrigens nicht verhängen, allerdings gelten ihre Entscheidungen als bindend für britische Sender.

Edeka sorgte mit Muttertags-Spot für Kritik

Nun mag man sich fragen, ob die Briten derzeit wirklich nichts Wichtigeres zu debattieren haben als vermeintlich zu klischeehafte Werbespots. Doch dass Werbung zum echten Aufreger werden kann, hat sich erst vor wenigen Monaten hier in Deutschland gezeigt. Wir erinnern uns: Anlässlich des Muttertags wollte Edeka die Lacher mit einem Spot auf seine Seite ziehen, der Väter in verschiedenen Situationen zeigt, die im Alltag mit Kind auf Eltern zukommen - kochen, Haare kämmen, gemeinsames Spielen. Und in jeder Situation ist der Werbe-Papa hilflos überfordert. Mit dem folgenden Sturm der Entrüstung hatte die Supermarktkette wohl am wenigsten gerechnet.

Anderseits könnte man sich auch fragen: Soll Werbung nicht genau das erreichen? Ein wenig provozieren, in den Köpfen bleiben? Und lohnt sich die ganze Aufregung überhaupt - wegen ein paar Sekunden in der Flimmerkiste? Denn letzten Endes ist doch alles nur Fernsehen - und das kann man gegen die Aufregung auch einfach abschalten. Das funktioniert international, sogar in Großbritannien.

Britische Werbeaufsicht verbietet die ersten Klischee-Clips
Thomas Spickhofen, ARD London
14.08.2019 11:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. August 2019 um 15:51 Uhr.

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