Mann läuft durch ungemütliches Winterwetter | Bildquelle: dpa

Namens-Patenschaften gekauft Wetter mit Migrationshintergrund

Stand: 05.01.2021 14:43 Uhr

Tief "Lisa" brachte den Schnee zum Jahreswechsel, "Hermine" fegte als Wintersturm über Europa, jetzt kommt Tief "Ahmet". Ihm folgen weitere Wetterlagen mit Migrationshintergrund.

Schneeregen, Schneematsch, Schneegriesel - die Beschreibungen für Wetterlagen sind so vielfältig wie das Wetter selbst. Für die Namen von Hoch- und Tiefdruckgebieten galt das bislang nur bedingt. Im vergangen Jahr hat die Initiative "Neue deutsche Medienmacher*innen" 14 Wetterpatenschaften für das Jahr 2021 gekauft. Hoch- und Tiefdruckgebieten sollen so migrantische Namen bekommen. "Das Wetter diverser zu machen, ist nur ein symbolischer Schritt", erklärte die Vorsitzende Ferda Ataman. "Wichtig ist, dass gesellschaftliche Vielfalt endlich Normalität wird, überall." Den Auftakt machte das Tief "Ahmet" mit Schnee und Regen in den kommenden Tagen. Später im Jahr sollen "Goran" oder "Chana" über Deutschland ziehen.

Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete kann jeder beim Institut für Meteorologie der FU Berlin kaufen - für 240 bis 360 Euro. Der Erlös fließt in studentische Projekte der Universität. Da die Namen von Medien und Wetterdiensten in der Wetterberichterstattung übernommen werden, erhoffen sich die "Neuen deutschen Medienmacher*innen" einen Einfluss auf die Stimmungslage in Deutschland. Ziel sei es die Vielfalt in der Bevölkerung sichtbar zu machen. Laut Statistischem Bundesamt haben rund 26 Prozent aller Menschen in Deutschland einen Migationshintergrund. Sie wurden also entweder selbst nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren oder haben mindestens einen Elternteil, bei dem das der Fall ist.

Wetterbericht als Stimmungsbarometer

Die aktuelle Debatte über die Namen von Hoch- und Tiefdruckgebiete ist nicht die erste. Ende der 1990er-Jahre trug eine Frauengruppe die Geschlechterfrage in die Wetterberichterstattung. Mit einer Petition forderten sie die gängige Praxis umzukrempeln. Damals erhielten Tiefdruckgebiete ausschließlich weiblichen Namen, während die Hochs allesamt männlich waren. Seit 1998 wird nun rotiert. In diesem Jahr sind die Tiefs männlich und vielleicht diverser als in anderen Jahren.

Über dieses Thema berichtete Brisant am 16. September 2020 um 17:15 Uhr.

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