Nationalspieler Ilkay Gündogan | Bildquelle: dpa

Like für Salut-Jubel Gündogan und Can verteidigen sich

Stand: 14.10.2019 11:44 Uhr

Mit dem Like eines Fotos salutierender türkischer Fußballer haben die deutschen Nationalspieler Gündogan und Can große Kritik ausgelöst. Sie fühlen sich missverstanden. Bundestrainer Löw stellte sich vor die Spieler.

Die deutschen Fußball-Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can habe ihre Reaktion auf ein Foto salutierender türkischer Nationalspieler gerechtfertigt. "Glauben Sie mir: nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen", sagte Gündogan am Abend nach dem EM-Qualifikationsspiel in Estland. Can erklärte gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg."

Gündogan und Can hatten bei Instagram zunächst ein Foto mit einem sogenannten Like versehen, das türkische Fußballer zeigt. Sie salutieren dabei mit der Hand an der Stirn nach dem Siegtor von Cenk Tosun beim 1:0-Erfolg der Türkei gegen gegen Albanien.

Der türkische Fußballverband teilte zu den Szenen mit: "Die Fußballer haben dieses Tor mit dem Militärgruß den Soldaten geschenkt, die in der 'Operation Friedensquelle' dienen." Der türkische Militäreinsatz richtet sich gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien. Der Einsatz wurde international scharf kritisiert.

Like "bewusst zurückgenommen"

Gündogan betonte, er habe sein Like für das umstrittene Bild "bewusst zurückgenommen", als er gesehen habe, dass seine Reaktion "politisch gewertet wurde. Wahr ist, dass ich mich für meinen ehemaligen Teamkollegen aus der DFB U21 gefreut habe, dass er das Siegtor gemacht hat." Tosun hatte bis zur U21 für deutsche Jugendnationalteams gespielt und sich dann für eine weitere Nationalmannschaftskarriere in der Türkei entschieden.

Dass aus seiner Unterstützung für seinen "sehr guten Freund" Tosun eine solche Geschichte werde, sei "ein bisschen schade", sagte Gündogan. "Da war natürlich absolut keine politische Absicht dahinter, Emre und ich sind beide konsequent gegen jeglichen Terror und gegen jeglichen Krieg", erklärte Gündogan.

Can: "Gehandelt, ohne auf den Inhalt zu achten"

Auch Can hatte das Tosun-Foto bei Instagram zunächst gelikt und dies dann ebenfalls wieder zurückgenommen. Er habe gehandelt, "ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten", sagte Can der"Bild"-Zeitung.

Nationalspieler Emre Can | Bildquelle: dpa
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"Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg." - Nationalspieler Emre Can

Löw sieht kein politisches Statement

Bundestrainer Joachim Löw stellte sich am Abend vor die beiden Spieler. "Wer beide Spieler kennt, der weiß, dass sie gegen Terror, gegen Krieg sind", sagte der Bundestrainer: "Beide wollten dem Spieler, mit dem sie mal zusammengespielt haben, einfach nur gratulieren."

Bundestrainer Joachim Löw | Bildquelle: AFP
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Bundestrainer Löw sieht in dem Like kein politisches Statement.

Löw hatte kurz vor der Abfahrt ins Stadion erfahren, dass Gündogan und Can bei Instagram das umstrittene Foto geliked hatten. "Ich habe auch erfahren, dass beide sofort ihre Likes weggenommen haben. Das beste Statement hat Ilkay auf dem Platz gegeben mit seinem Spiel", sagte der Bundestrainer. Gündogan habe "sich klar geäußert, dass es auf keinen Fall ein politisches Statement war".

Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff warb um Nachsicht mit Gündogan und Can: "Ich sehe es nach den Aussagen der Spieler nicht so kritisch." Beide hätten mit ihren Likes keine politischen Absichten verfolgt. "Dass das so eine Dimension annimmt, konnte keiner erwarten", sagte er. Auch viele andere Spieler auf der Welt hätten das Foto gut gefunden, betonte Bierhoff: "Jetzt kann man ja nicht allen unterstellen, dass sie für Krieg und Terror sind."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Oktober 2019 um 11:00 Uhr.

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