FIFA-Präsident Gianni Infantino | Bildquelle: AP

FIFA-Ethikkommission Ermittlungen gegen Infantino eingestellt

Stand: 05.08.2016 13:19 Uhr

Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes hat ihre Ermittlungen gegen FIFA-Präsident Infantino eingestellt. Der Schweizer habe nicht gegen Verhaltensregeln verstoßen, teilte das Gremium mit. Dass überhaupt ein Verfahren lief, war zuvor geheim gehalten worden.

Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA hat ihr bislang geheim gehaltenes Verfahren gegen den seit Februar amtierenden Verbandspräsidenten Gianni Infantino eingestellt. Die Ethikwächter hätten nach einer wochenlangen Untersuchung keine Anhaltspunkte für Verstöße gegen das FIFA-Ethikreglement festgestellt, teilte der Verband mit. Die rechtsprechende Kammer bestätigte demnach das Ergebnis. Gegen Infantino wurden somit keinerlei Strafmaßnahmen beantragt oder beschlossen.

Infantino dankte in der Mitteilung "allen, die mit der Ethikkommission zusammengearbeitet haben, damit die Fakten auf den Tisch gekommen sind und sich die Wahrheit durchgesetzt hat". Der Verbandspräsident kündigte "nach der Klärung dieser Angelegenheit" an, sich "weiter auf die Fußballförderung und ihre Arbeit zur Verbesserung der Organisation" zu konzentrieren.

Verdachtsmomente für Verstöße gegen Ethikcode

Die Ethikkommission hatte der FIFA-Mitteilung zufolge gegen Infantino ein Verfahren aufgrund von Verdachtsmomenten wegen möglicher Vergehen gegen vier Paragrafen des Ethikcodes eingeleitet. Dies betraf unter anderem den Loyalitäts-Passus und das Verbot von Annahmen von Geschenken. Untersucht wurde die Kostenübernahme für mehrere Flüge des Funktionärs - dem Vernehmen nach im Zusammenhang mit Reisen in die WM-Gastgeberländer Russland und Katar sowie zu einem Besuch beim Papst.

Verdachtsmomente für unlauteres Verhalten gab es außerdem bei Personalfragen für die Jobbesetzung im Präsidentenbüro sowie bezüglich der Weigerung Infantinos, seine Gehaltsvereinbarung mit der FIFA zu unterschreiben. Infantino soll sein Salär von umgerechnet rund zwei Millionen Franken in einer FIFA-Sitzung angeblich als "beschämend" bezeichnet haben.

Zeugen befragt, Rechtsgutachten eingeholt

Laut Ethikkommission seien höchstens Verstöße gegen die Compliance-Regeln festzustellen, nicht aber Ethikangelegenheiten. Die Untersuchungen seien über mehrere Wochen sehr sorgfältig durchgeführt worden, versicherte der Verband. Es seien zahlreiche Zeugen befragt, Beweismittel ausgewertet und unabhängige Rechtsgutachten eingeholt worden.

Infantino war nur durch die Ethikvergehen seines ehemaligen UEFA-Chefs Michel Platini im Herbst 2015 überhaupt zum Kandidaten für das höchste FIFA-Amt aufgestiegen. In einem kurzen Wahlkampf flog der damalige UEFA-Generalsekretär um die Welt und setzte sich nach einer leidenschaftlichen Rede beim Kongress am 26. Februar gegen den lange favorisierten Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa durch. Infantino punkte damals mit seinem Versprechen, die Zuwendungen an alle FIFA-Mitglieder auf fünf Millionen Dollar zu erhöhen. Das zog offenbar besonders bei kleineren Verbänden aus Asien.

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