Enttäuschte Spieler beim WM-Qualifikationsspiel Deutschland - Nordmazedonienin in Duisburg. | Bildquelle: dpa

DFB-Elf gegen Nordmazedonien Verdient blamiert

Stand: 01.04.2021 15:03 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft verliert überraschend gegen Nordmazedonien, weil sie beim Ballschleppen das Tempo verschleppt. Die Analyse.

Von Marcus Bark (Duisburg)

Brasilien, Frankreich und England zählen dazu, genau wie Ägypten und die DDR. Am Mittwoch (31.03.2021) reihte sich Nordmazedonien in die Liste der Nationen ein, gegen die Deutschland eine negative Länderspielbilanz aufweist.

Das 1:2 in Duisburg war erst die dritte Niederlage einer deutschen Nationalmannschaft im 97. Qualifikationsspiel zu einer Weltmeisterschaft. Für Joachim Löw war es die erste. Ausgerechnet in seinem letzten Spiel dieses Wettbewerbs.

Mit "riesiger Enttäuschung" in längere Pause

Viel mehr als die Statistiken wurmte den Bundestrainer jedoch, dass er nun wieder mit einer "riesigen Enttäuschung" in eine längere Pause muss - wie schon nach dem 0:6 in Spanien.

Erst Ende Mai trifft sich die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum Trainingslager vor der EM. "Das war schon ein richtiger Rückschlag", klagte Löw mit recht leiser Stimme. Diese Niederlage setzte ihm sichtlich zu.

Etwas andere Grundordnung

Löw hatte mit Torwart Marc-André der Stegen für Manuel Neuer und Robin Gosens für Lukas Klostermann zwei Spieler neu in die Startelf beordert, aber doch einiges mehr geändert. Nach zwei Spielen als Linksverteidiger gegen Island und in Rumänien rückte Emre Can in die Innenverteidigung.

Gosens, zuvor angeschlagen, übernahm hinten links. Matthias Ginter rückte aus dem Zentrum ans rechte Ende der Viererkette.

Das Personal davor blieb im Vergleich zu den vorangegangenen Siegen dasselbe, aber die Grundordnung änderte sich ein bisschen. Statt im 4-3-3 spielte die Auswahl des DFB eher in einem flexiblen 4-2-3-1.

Leon Goretzka rückte neben Joshua Kimmich ins defensive Mittelfeld, hinter dem klaren Stürmer Serge Gnabry spielte Leroy Sané auf der rechten Seite, nachdem er zuvor links zum Einsatz gekommen war. Als "Zehner", der immer wieder über die halbrechte Seite in den Angriff rückte, war Kai Havertz aufgeboten, im linken Mittelfeld Kapitän Ilkay Gündogan.

Nordmazedonien bislang stärkster Gegner

Serge Gnabry im Spiel gegen Nordmazedonien | Bildquelle: imago images/Team 2
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Serge Gnabry im Spiel gegen Nordmazedonien

Nordmazedonien verteidigte in einem 5-4-1. Diese Formation machte es der deutschen Mannschaft deutlich schwieriger als die Isländer eine knappe Woche zuvor, die mit ihrer Viererkette in der letzten Linie häufiger in Unterzahl gerieten. "Das war der schwierigste Gegner bislang in der Qualifikation", stellte Gnabry treffend fest, vielleicht hatte es auch die Spieler ein bisschen überrascht.

Deutschland bestimmte weitgehend die Partie, weil der Gegner über seine technisch versierten und ballsicheren Spieler kontern wollte, fand aber nur selten freie Räume im Angriffsdrittel. Auch gegen die besonders bei Kimmich beliebten Chipbälle hinter die Viererkette war Nordmazedonien gut gewappnet.

Goretzka rückte im Angriff stets eine Linie nach vorne. Aber weil die Mannschaft von Trainer Igor Angelovski nur wenig Raum zwischen den beiden hinteren Ketten ließ, endeten viele Offensivaktionen vor einem Abschluss.

Gosens zu weit weg

"Wir hatten im Vorwärtsgang viele Abspielfehler und haben keine Mittel gefunden gegen die tiefstehenden Nordmazedonier", so Löw. Ab und an wirkten Spieler wie Gündogan und Sané schon ein bisschen genervt.

Doch Deutschland blieb lange taktisch diszipliniert und war gegen die Konter gut abgesichert. Besonders Antonio Rüdiger überzeugte zunächst mit einem guten Stellungsspiel und kompromissloser Zweikampfführung.

Im Gegensatz zu Gosens, den beim 0:1 die Hauptschuld traf, weil er bei einer Verlagerung zu weit von Enis Bardhi weg stand, der den dann auch noch zögerlichen Eingriff nutzte, um Goran Pandev in der Mitte zu bedienen.

"Wir sind viel mit dem Ball gelaufen"

Torwart Marc-Andre ter Stegen im Spiel gegen Nordmazedonien | Bildquelle: picture alliance / GES/Markus Gilliar
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Torwart Marc-Andre ter Stegen

"Weiter, weiter, weiter. Komm, das drehen wir", feuerte ter Stegen die Feldspieler an, um ihnen dann das Rezept mitzugehen, das immer hilft: "Schneller, schneller, schneller." Das Tempo im Passspiel sollte gerade im Mittelfeld erhöht werden, um den Gegner zum ständigen Verschieben zu zwingen und somit zu ermüden.

Aber hier zeigte sich das größte Defizit an diesem Abend. "Wir haben nicht dieses Tempospiel gehabt, nicht diese schnellen Ballpassagen. Wir sind viel mit dem Ball gelaufen“, kritisierte Löw seine Spieler. Es war ein schleppendes Ballschleppen, das dem Gegner in die Karten spielte.

Im Angriffsdrittel hätte das Tempo erhöht werden müssen, um im dichten Zentrum die Ordnung der Nordmazedonier zu stören. Das hätte zwar die Passquote (annähernd 90 Prozent) und Ballbesitzquote (annähernd 70 Prozent) gesenkt, aber vermutlich zu besseren Chancen geführt.

Nach dem Ausgleich geht die Ordnung verloren

Löw reagierte auf das zu statische Spiel mit zwei Wechseln. Amin Younes kam für Gosens und ersetzte ihn als nominellen Linksverteidiger, allerdings noch offensiver orientiert. Werner kam zeitgleich für Havertz und spielte vorne nun meistens an der Seite von Gnabry.

Nach dem Ausgleich durch den von Ilkay Gündogan verwandelten Elfmeter nach gut einer Stunde ging dann die taktische Disziplin verloren. Deutschland wollte mit Macht gewinnen, war gegen die Konter nicht mehr gut abgesichert, bot den Nordmazedoniern vor allem über deren rechte Seite viel Platz.

Das späte 2:1 wurde aber links vorbereitet, weil Kimmich im Rücken Arijan Ademi entwischen ließ, der dann im Strafraum mit Leichtigkeit an Rüdiger vorbeizog. Am (zu späten Abwehrverhalten) von Younes war zu sehen, dass der Frankfurter eben kein Abwehrspieler ist.

Mögliches Treffen bei der EM

Ein schwacher Trost für Löw: Bei der EM wird er die Länderspielbilanz gegen Nordmazedonien eventuell noch ausgleichen können. Die Mannschaft von Trainer Angelovski spielt in einer Gruppe mit den Niederlanden, der Ukraine und Österreich. Diese Gegner werden nun gewarnt sein.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. April 2021 um 12:00 Uhr.

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