Auf die Sitzschalen im Merck-Stadion werden Bilder gestellt, die Fans vom SV Darmstadt 98 zeigen. | Bildquelle: RONALD WITTEK/POOL/EPA-EFE/Shutt

Liga-Spiele vor Zuschauern DFL einigt sich auf Leitfaden

Stand: 04.08.2020 19:06 Uhr

Die Deutsche Fußball Liga hofft weiterhin auf Spiele vor Zuschauern zur kommenden Saison. Die Entscheidung darüber muss die Politik treffen - auf die Rahmenbedingungen haben sich die 36 Profiklubs am Dienstagmittag geeinigt.

Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung per Videokonferenz wurde über ein einheitliches Vorgehen zur möglichen Rückkehr von Fans in die Stadien beschlossen und wie dies zu realisieren ist.

Keine Gästefans

Das Konzept sieht vor, dass Gästefans bis Jahresende nicht zu den Spielen reisen dürfen. Die DFL ist sich zwar "des Umstands bewusst, dass Auswärtsfahrten und der damit einhergehende (Stimmungs-)Wettstreit der Fans einen wichtigen Bestandteil der deutschen Fußballkultur ausmachen", will mit dieser Maßnahme aber die Reiseaktivität der Fans minimieren.

Vorerst keine Stehplätze

Zudem sollen bis zum 31. Oktober keine Stehplätze zugelassen werden. Auch hier stellt die DFL klar, dass Stehplätze ein "wesentlicher Bestandteil" der deutschen Fankultur sind. Kurven und Tribünen tragen zur "besonderen Atmosphäre" bei - allerdings stehen die Fans dort meistens dicht gedrängt. "Die Einhaltung eines Abstandsgebots kann dort nicht immer und lückenlos eingehalten und durchgesetzt werden", vermutet die DFL.

Nachverfolgung möglicher Infektionen

Die Klubs müssen zudem sicherstellen, dass im Falle einer Ansteckung die Identität und die Kontaktdaten aller Zuschauer, die sich während eines Spiels im Stadion aufgehalten haben, ermittelt werden können. Der Nachverfolgung von Infektionswegen gilt "ein besonderes Augenmerk". Umzusetzen ist das mit personalisierten Tickets.

Kein Alkohol bis mindestens 31. Oktober

Bis zum 31. Oktober soll es zudem ein Alkoholverbot geben. Die DFL befürchtet, dass durch den Konsum von Alkohol möglicherweise eine Enthemmung einsetzt, die mit Blick auf die Abstands- und Hygieneregeln zu Problemen führen könnte.

Teilzulassung: Pläne der Bundesligisten
VereinPläne TeilzulassungStadionkapazität
Bayern München20.000 bis 25.00075.000
Borussia Dortmund12.000 bis max. 15.00081.365
RB Leipzig20.00042.959
Borussia Mönchengladbach(keine Angabe)54.057
Bayer Leverkusen(keine Angabe)30.810
1899 Hoffenheim(keine Angabe)30.150
VfL Wolfsburg(keine Angabe)33.000
SC Freiburg(keine Angabe)24.000
Eintracht Frankfurt15.000 bis max. 24.00051.500
Hertha BSC(keine Angabe)74.064
1. FC Union BerlinVollauslastung22.012
FC Schalke 04(keine Angabe)61.482
1. FSV Mainz 05(keine Angabe)33.500
1. FC Köln15.000 (Medienberichte)50.000
FC Augsburg(keine Angabe)30.660
Werder Bremen17.000 (Medienberichte)42.358
Arminia Bielefeld(keine Angabe)26.515
VfB Stuttgart(keine Angabe)60.441

Viel Skepsis

Allerdings gibt es angesichts ansteigender Zahlen von Neuinfektion Zweifel, ob Fans im Stadion überhaupt Sinn machen. Die neue Spielzeit soll mit der ersten DFB-Pokalrunde vom 11. bis 14. September beginnen. Eine Woche später ist der Start von Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga vorgesehen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält Bundesligaspiele mit 25.000 Zuschauern "für sehr schwer vorstellbar".

Kritik vom Fanbündnis "Unsere Kurve"

Das Fanbündnis "Unsere Kurve" hat das verabschiedete Konzept mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Man könne "nachvollziehen, dass die Beschlüsse unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes getroffen wurden", sagte Vorstandsmitglied Markus Sotirianos dem Sportinformationsdienst. Den Versuch, auch Gästefans zuzulassen, hätte man allerdings "deutlich begrüßt".

"Uns verwundert, dass einerseits viele Schritte unternommen werden, um Fans wieder zuzulassen, andererseits aber scheinbar Skepsis hinsichtlich derer Verhalten herrscht, was der vorläufige Ausschluss von Stehplatz- und Gästefans zeigt", sagte Sotirianos: "Hier wünschen wir uns noch mehr Gespräche vor allem auf lokaler Ebene, um zu Lösungen zu kommen, hinter denen alle Beteiligten stehen können."

Wie es jetzt weiter geht

DFL-Chef Christian Seifert | Bildquelle: AFP
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DFL-Chef Christian Seifert

"Priorität haben in Deutschland im Moment nicht volle Stadien, sondern die Gesundheit der Menschen", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert auf der Pressekonferenz nach der Videokonferenz: "Wann wie viele Zuschauer wieder in die Stadien kommen dürfen, ist keine Entscheidung der DFL. Wir erwarten nichts und fordern nichts, sondern bereiten uns darauf vor."

Ob tatsächlich bald wieder vor Publikum im Stadion gespielt werden kann, womöglich schon zum geplanten Bundesliga-Start am 18. September, entscheidet die Politik. Die Gesundheitsminister der Länder wollen das Thema auf einer Konferenz am Montag (10.08.2020) besprechen.

Klubs einigen sich auf Konzept zur Rückkehr von Zuschauern
Tim Brockmeier, HR
04.08.2020 15:44 Uhr

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Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. August 2020 um 16:00 Uhr.

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