Training Bayern München in Lissabon | Bildquelle: dpa

Champions-League-Halbfinale Wissenswertes zu Bayern gegen Lyon

Stand: 18.08.2020 19:06 Uhr

Bayern München spielt im Halbfinale der Champions League gegen Olympique Lyon - es ist das zwanzigste Internationale Halbfinale der Bayern. Die beiden Vereine verbindet nicht nur der Traum vom Finale in Lissabon, sondern auch Uwe Seeler.

In ihren vier jüngsten Halbfinals scheiterten die Bayern jeweils an Mannschaften aus Spanien. Nun soll gegen Olympique erstmals seit 2013 die Finalteilnahme her. Im Endspiel in Lissabon würde der deutsche Rekordmeister auf Paris Saint-Germain treffen.

Was die Trainer sagen

"Wir wollen ins Finale, wohlwissend, dass das nicht so einfach wird. Lyon hat Juventus Turin und Manchester City rausgeschmissen", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick am Dienstagabend in Lissabon vor dem Abschlusstraining. "Weniger als 100 Prozent? Dann wird's nicht reichen."

Lyons Mannschaft sei taktisch sehr gut in der Defensive und in der Offensive, sagte Flick. "Einige Automatismen sind hervorragend. Aber wir haben unsere Lösungsansätze und wir hoffen, dass wir sie umsetzen können. Wir müssen jeden Meter so machen wie gegen Barcelona."

Sein Gegenüber Rudi Garcia zeigte vor allem großen Respekt vor den Bayern: "Wir sind der Außenseiter, wir sind demütig. Wir wurden im Halbfinale nicht erwartet. Aber wir werden die Chance ergreifen, wenn sie sich bietet", sagte der 56-jährige.

Mit den Überraschungserfolgen gegen Juventus Turin und Manchester City hat sein Team eine Fußball-Euphorie in Lyon ausgelöst. Er habe 500 Nachrichten auf seinem Handy erhalten, berichtete Garcia: "Ich kann nicht alle beantworten. Aber ich danke auf diesem Weg für die Unterstützung. Wir haben gesehen, was in Lyon los ist."

Was Lyon gefährlich macht

Lyon ist eine kampfstarke Mannschaft, die damit vor allem in der Defensive auftrumpft. Im Champions-League-Viertelfinale kam Manchester City lediglich zu einem Treffer - City verfügt wohlbemerkt über den 100-Tore-Sturm der Premier League. Und auch im Ligapokalfinale Ende Juli gegen PSG stand es nach 120 Minuten 0:0 und man musste sich erst im Elfmeterschießen geschlagen geben.

Die zweite große Stärke ist das Umschaltspiel: Mit den schnellen Offensivakteuren wie Memphis Depay oder Viertelfinal-Doppeltorschütze Moussa Dembele ist die Mannschaft schon fast naturgemäß extrem gefährlich bei Kontern. Manchester City kann ein Lied davon singen.

Die Spieler: Pavard im Kader, aber wohl nicht in der Startelf

Trainer Flick schloss ein Comeback von Benjamin Pavard in der Startformation aus. "Benjamin hat sehr hart gearbeitet. Für die Startelf ist er keine Option. Aber er ist eine Option für den Kader", sagte Flick vor dem Abschlusstraining. Pavard hatte sich vor drei Wochen im Training am Fuß verletzt.

Seine Position als rechter Verteidiger wird wieder Joshua Kimmich einnehmen. Alle Spieler, die angereist sind, seien fit und einsatzbereit, sagte Flick.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen

Lyon: Lopes - Denayer, Marcelo, Marcal - Dubois, Aouar, Caqueret, Guimaraes, Cornet - Toko Ekambi, Depay. - Trainer: Garcia.

Bayern: Neuer - Kimmich, Boateng, Alaba, Davies - Goretzka, Thiago - Gnabry, Müller, Perisic - Lewandowski.

Der Schiedsrichter

Antonio Mateu Lahoz aus Spanien ist seit 2011 FIFA-Schiedsrichter. Die Bayern pfiff er zuletzt in der Gruppenphase 2018/19 beim Auswärtssieg bei Benfica Lissabon (2:0).

Lahoz war auch bei der WM 2018 in Russland und bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio dabei.

Der Weg ins Halbfinale

So kamen die beiden Mannschaften in die Runde der letzten Vier.

Der Weg ins Halbfinale
RundeOlympique LyonBayern München
GruppenphaseSt. Petersburg (1:1, 0:2)RS Belgrad (3:0, 6:0)
GruppenphaseLeipzig (2:0, 2:2)Piräus (3:2, 2:0)
GruppenphaseBenfica (1:2, 3:1)Tottenham (7:2, 3:1)
AchtelfinaleJuventus (1:0, 1:2)Chelsea (3:0, 4:1)
ViertelfinaleMan City (3:1)Barcelona (8:2)

Lyon leistete sich zwei Niederlagen in der Gruppenphase, im Achtelfinale setzte sich die Mannschaft aufgrund der Auswärtstorregel gegen Juventus durch. Die Bayern gewannen alle neun Spiele und erzielten 39 Tore - der Rekord liegt bei 41.

Die Bilanz: 2010 schon ein Halbfinale und die "Uwe-Seeler-Gedächtnis-Mannschaft"

2010: Bayern Münchens Ivica Olic bejubelt mit Thomas Müller ein Tor im Halbfinale gegen Lyon. | Bildquelle: picture alliance / empics
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2010: Bayern Münchens Ivica Olic bejubelt mit Thomas Müller ein Tor im Halbfinale gegen Lyon.

Acht Mal spielten beide Klubs in der Champions League gegeneinander. Vier Mal gewannen die Bayern, zwei Spiele endeten unentschieden, zwei Mal gewann Lyon.

2001: Bayerns Giovane Elber gegen Jeremie Brechet von Olympique Lyon | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
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2001: Bayerns Giovane Elber gegen Jeremie Brechet von Olympique Lyon

Die wichtigste Begegnung dürfte das Halbfinale 2010 gewesen sein. Arjen Robben sorgte für den 1:0-Sieg im Hinspiel, Ivica Olic traf drei Mal beim 3:0 im Rückspiel. Die Bayern unter Trainer Louis van Gaal kamen somit ins Endspiel nach Madrid, wo es ein 0:2 gegen Inter Mailand gab.

Stärker im Gedächtnis bleibt das 0:3 in der Gruppenphase 2001. Als "Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft" betitelte der damalige Bayern-Präsident die Spieler um Oliver Kahn, Stefan Effenberg und Bixente Lizarazu. Das Team holte am Saisonende den Titel im Finale in Mailand gegen den FC Valencia mit einem 5:4 im Elfmeterschießen (1:1).

Halbfinale der Champions League? Bayern 20 Mal dabei, Lyon zwei Mal

Lyon hat neben dem verlorenen Halbfinale gegen die Bayern 2010 nur ein weiteres zu bieten, und das nicht in der Champions League: Gegen Sporting Lissabon gab es im Europapokal der Pokalsieger 1963/64 nach einem 0:0 und einem 1:1 eine 0:1-Niederlage im Wiederholungsspiel gegen Sporting Lissabon. Im Stadion dieses Klubs steigt nun das dritte Halbfinale in der Geschichte Lyons.

Für die Bayern ist es alleine in der Champions League das zwölfte Halbfinale. Damit zieht der Klub mit Barcelona gleich, alleine Real Madrid hat 13 Halbfinal-Teilnahmen. Rechnet man den Europapokal der Landesmeister hinzu, ist es Bayerns 20. Halbfinale. Zehn Mal setzten sich die Bayern durch, von ihren zehn Endspielen gewannen sie fünf (1974, 1975, 1976, 2001, 2013).

Der Modus: Ein Spiel um alles

Es gibt kein Rückspiel und keine Auswärtstorregel, der Sieger zieht in das Finale am 23. August ein. Steht es nach 90 Minuten Unentschieden gibt es eine Verlängerung und möglicherweise sogar ein Elfmeterschießen.

Ein Elfmeterschießen verloren haben die Bayern in ihrer Europapokalgeschichte übrigens nur ein einziges Mal 2012 im Endspiel gegen Chelsea in München.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. August 2020 um 11:00 Uhr.

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