Die deutschen Fußballerinnen Lena Oberdorf und Sara Däbritz | Bildquelle: dpa

1:2 gegen Schweden Deutschlands Titelträume platzen

Stand: 29.06.2019 20:24 Uhr

Die "Tour de France" hat für die deutschen Fußballerinnen ein jähes Ende genommen. Das DFB-Team verlor sein Viertelfinale bei der WM in Frankreich gegen Schweden mit 1:2 (1:1) und verpasste damit auch die Olympia-Qualifikation. Es war die erste Pleite gegen die Skandinavierinnen seit 24 Jahren bei Großturnieren.

Dabei begannen die deutschen Fußballerinnen am Samstagabend (29.06.19) im Roazhon Park in Rennes schwungvoll. Nach sieben Minuten hatte der Olympiasieger die schwedische Schlussfrau Hedvig Lindahl bereits dreimal auf Herz und Nieren geprüft. Den Kopfball von Kapitänin Alexandra Popp (4.), einen Freistoß von Lina Magull (6.) und einen Schuss von Sara Däbritz (7.) hielt die 36-Jährige sicher. Kurz darauf musste auch Lindahls Gegenüber Almuth Schult erstmals eingreifen. Mit einer Fußabwehr klärte sie Sofia Jakobssons Versuch ( 12.). Es war also trotz der brütenden Hitze (das Thermometer zeigte weit über 30 Grad an) eine muntere Partie.

Magull belohnt tollen deutschen Start

Deutschlands Spiel hatte dabei in den ersten 20 Minuten eine gute Struktur, obgleich Regisseurin Dzsenifer Marozsán 21 Tage nach ihrem Zehenbruch in der Begegnung gegen China (1:0) erneut nicht in der Startelf stand. Sie saß zunächst auf der Bank und sah von dort aus, wie die schwedische Verteidigerin Magdalena Eriksson den Ball unbedrängt in die Füße von Däbritz passte. Die künftige Frankreich-Legionärin (wechselt zu Paris Saint-Germain) zog unwiderstehlich davon, spielte in die Tiefe zu Magull, die Lindahl mit einem Rechtsschuss überwand (16.). Nur 180 Sekunden später hatte der zweimalige Weltmeister durch einen (allerdings harmlosen) Kopfball von Lea Schüller den nächsten Abschluss zu verzeichnen.

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Einzelkritik – Nur Schult gut gegen Schweden

Deutschlands Almuth Schult

Almuth Schult: Zwei Gegentore kassierte die bislang mit "weißer Weste" durchs Turnier gegangene deutsche Schlussfrau. Doch Almuth Schult war schuldlos am WM-Aus. Sie parierte zu Beginn einmal stark gegen Sofia Jakobsson (12.), wurde dann aber von allen ihren Vorderleuten im Stich gelassen – die Folge war das zwischenzeitliche 1:1 (22.). Vor dem 1:2 wehrte sie einen Kopfball von Fridolina Rolfö ab, konnte gegen Stina Blackstenius‘ Nachsetzen aber nichts mehr ausrichten (48.). In der 78. Minute verhinderte sie mit einer Parade gegen Jakobsson das 1:3. | Bildquelle: imago images / Bildbyran

Schweden egalisiert nach Hegering-Patzer

Nicht viel, eigentlich gar nichts, deutete bis zum diesem Zeitpunkt darauf hin, dass das DFB-Team die Kontrolle über das Geschehen würde verlieren können. Doch dann verschätzte sich Innenverteidigerin Marina Hegering bei einem langen Ball von Linda Sembrant, sodass Jakobsson plötzlich freie Bahn in Richtung deutsches Tor hatte. Und diese Chance ließ sich die frühere Bundesliga-Spielerin des BV Clopppenburg (von 2013 bis 2014) nicht entgehen. Sie überwand Schult mit einem Schuss ins lange Eck (22.). Es war das erste Gegentor der Wolfsburgerin bei dieser WM. Und es verunsicherte den Rekordeuropameister merklich. Fortan mangelte es ihm in der Vorwärtsbewegung an Passsicherheit und in der Abwehr an Stabilität. So musste Schult gegen Stina Blackstenius den Rückstand verhindern (36.), nachdem die vor ihr postierte Viererkette ein weiteres Mal Abstimmungsprobleme offenbart hatte. Das 1:1 zur Halbzeit war aus deutscher Sicht durchaus als glücklich zu bezeichnen.

Blackstenius trifft kurz nach der Pause

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wechselte zur zweiten Hälfte Marozsán für Linda Dallmann ein. Doch bevor die Edeltechnikerin erstmals eine Kostprobe ihres großen Könnens geben konnte, lagen sich die Schwedinnen zum zweiten Mal in den Armen. Jakobsson hatte gefühlvoll auf Fridolina Rolfö geflankt, deren Kopfball konnte Schult zwar noch parieren, aber im Nachschuss war Blackstenius zur Stelle (48.). Der Rückstand machte die ohnehin knifflige Aufgabe gegen die in den Zweikämpfen sehr griffigen, taktisch disziplinierten und fußballerisch überlegt auftretenden Skandinavierinnen noch schwerer.

Youngster Oberdorf vergibt große Chance zum 2:2

Und Deutschland fand praktisch keine Lösungen, den gegnerischen Defensivverbund unter Druck zu setzen. Marozsán war statt der erhofften Taktgeberin ein Fremdkörper im deutschen Spiel. Der noch nicht ausgeheilte Zehenbruch machte ihr offenbar sehr zu schaffen. So mangelte es den Angriffen des Teams von Voss-Tecklenburg, deren Gesichtszüge sich minütlich verfinsterten, an Ideen und Tempo. Nahezu alles blieb Stückwerk. Schweden war dem 3:1 näher als die DFB-Auswahl dem Ausgleich. Beispielsweise in der 78. Minute, als Blackstenius frei vor Schult auftauchte, jedoch an der Schlussfrau scheiterte. Die vergebene Großchance sollte sich aber nicht rächen. Zwar besaß die eingewechselte Lena Sophie Oberdorf nach einem Marozsán-Freistoß per Kopf noch die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich. Dass die 17-Jährige unbedrängt aus wenigen Metern das Ziel verfehlte, es war irgendwie sinnbildlich für den zu unentschlossenen Auftritt Deutschlands an diesem Abend.

Dieses Thema im Programm:
Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 08.06.2019 | 17:35 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2019 um 20:45 Uhr.

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