Abgastest an einem Fahrzeug | Bildquelle: AFP

Diesel-Nachrüstungen im Test Hardware für 80 Prozent weniger Stickoxide

Stand: 18.03.2019 17:23 Uhr

Hardware-Nachrüstungen beim Diesel können auch auf lange Sicht den Stickoxid-Ausstoß drastisch reduzieren. Das zeigt ein neuer Test des ADAC. Bei Kälte haben die Systeme aber Probleme.

Die ersten Nachrüstsysteme für Diesel-Fahrzeuge dürften nach Ansicht des ADAC in diesem Herbst auf den Markt kommen. Untersuchungen des Automobilclubs zufolge sind die Hardware-Lösungen in der Lage, den Stickoxid-Ausstoß der Autos dauerhaft um bis zu 80 Prozent zu senken.

Im Langzeit-Alltagstest über 50.000 Kilometer zeigten sich allerdings noch einige Konstruktionsschwächen und vor allem ein entscheidendes Manko: Wenn es draußen kühler wird, reicht auch die Nachrüstung nicht aus, um die von der Bundesregierung vorgegebenen Grenzwerte einzuhalten. Dazu müssten die Autohersteller selbst ihren Teil beitragen. Sie seien jetzt in der Pflicht, sagte der Vorstandsvorsitzende des ADAC Württemberg, Dieter Roßkopf.

Langzeit-Effekt getestet

Die grundsätzliche Wirksamkeit von Hardware-Nachrüstungen hatte der ADAC schon vor gut einem Jahr per Test belegt. Bei der neuen Untersuchung ging es nun um den Langzeit-Effekt.

Getestet wurden ein Fiat Ducato, ein VW T5 und ein Opel Astra, jeweils mit nachgerüsteten sogenannten SCR-Katalysatoren verschiedener Nachrüst-Anbieter. Der Fiat erlebte das Testende allerdings nicht - ein Unfall setzte ihn außer Gefecht.

Der ADAC-Schriftzug an dem Gebäude der Zentrale in München | Bildquelle: dpa
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ADAC-Schriftzug an der Zentrale in München. "Die gute Nachricht ist: 80 Prozent Minderung sind möglich."

Unter dem Grenzwert von 270 Milligramm

"Die gute Nachricht ist: 80 Prozent Minderung sind möglich", sagte Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technikzentrums in Landsberg in Bayern, wo die nachgerüsteten Fahrzeuge getestet wurden. Bei sommerlichen Temperaturen hätten es die Systeme geschafft, den Stickoxid-Ausstoß unter den mittlerweile festgesetzten Grenzwert von 270 Milligramm pro Kilometer zu drücken. Diese Grenze hatte die Bundesregierung zum Jahreswechsel als eine von diversen Voraussetzungen für eine Zulassung von Nachrüstsystemen festgelegt.

Sinken die Außentemperaturen allerdings unter fünf Grad Celsius, dürfen es zwar 540 Milligramm sein - aber das schafften die etwa 1500 bis 3000 Euro teuren Systeme im Test nicht. Zugleich stieg der Energie- und damit der Spritverbrauch stärker an als erlaubt.

Forderungen an die Hersteller

Als Grund nannte Kolke, dass die Emissionen der Fahrzeuge durch die Reduzierung der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen massiv in die Höhe schnellten. Das müssten die Hersteller per Software-Update abstellen, forderte er, zudem müssten sie mit den Anbietern von Nachrüstlösungen zusammenarbeiten. Die ersten Systeme auf dem Markt würden letztlich die sein, die von den jeweiligen Autoherstellern unterstützt würden.

Dennoch zieht auch Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ein positives Fazit. Sein Haus hatte den Test unterstützt und mitfinanziert. "Die Hardware-Nachrüstung ist machbar und kann auch dauerhaft funktionieren", so Hermann. Auch er forderte, die Autoindustrie in die Pflicht zu nehmen, um die Systeme noch wirksamer zu machen. "Spätestens im Herbst müssen die Nachrüstsätze vorliegen." Sonst drohten weiteren Autos Fahrverbote.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. März 2019 um 15:14 Uhr.

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