Air-Berlin-Maschine in Tegel | Bildquelle: dpa

Letzte Maschine startet Air Berlin stellt Flugbetrieb ein

Stand: 27.10.2017 07:32 Uhr

In Berlin endet heute eine 40-jährige Luftfahrtgeschichte: Die insolvente Air Berlin stellt den Flugbetrieb ein. Die letzte Maschine landet am späten Abend in Tegel. Die Airline hatte im August Insolvenz angemeldet. Tausende Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Die insolvente Air Berlin beendet heute nach knapp 40 Jahren ihren Flugbetrieb. Die letzte Maschine mit Air-Berlin-Flugnummer AB6210 startet um 21.35 Uhr in München und landet um 22.45 Uhr in Berlin-Tegel.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sprach von einem "tiefen Einschnitt" im Berliner Luftverkehr. "Die Fluggesellschaft mit Sitz in der deutschen Hauptstadt und mit dem Namen Berlin auf ihren rot-weißen Maschinen war auf der ganzen Welt ein sympathischer Botschafter unserer Stadt."

Die Airline wurde 1978 gegründet und feierte am 28. April 1979 ihren Erstflug von Berlin nach Mallorca. Kritiker machen eine zu schnelle Expansion und ein verfehltes Geschäftsmodell für das Scheitern der Fluggesellschaft verantwortlich. Demnach wurde Air Berlin im Konkurrenzkampf mit Billigfliegern auf der einen Seite und Premium-Airlines wie der Lufthansa auf der anderen Seite zerrieben.

Lufthansa übernimmt den Großteil

Nach der Insolvenz Mitte August wird Air Berlin nun zerschlagen. Den Löwenanteil mit rund 80 von gut 130 Flugzeugen übernimmt die Lufthansa. Zudem sollen bis zu 3000 der 8000 Mitarbeiter zum Lufthansa-Konzern wechseln. Die insolvente Airline verhandelt zudem mit dem britischen Billigflieger Easyjet und der Thomas-Cook-Tochter Condor weiter, die ebenfalls an Air-Berlin-Teilen interessiert sind. "Unser Ziel ist es, im Laufe des Tages mit einem der beiden Bieter zum Abschluss zu kommen", sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Easyjet und Condor äußerten sich nicht dazu.

Insolvenzverwalter sieht Hoffnung für Tausende Mitarbeiter

Die Zukunft für Tausende noch verbleibende Mitarbeiter ist aber am letzten Flugtag der Airline ungewiss. Der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren, Frank Kebekus, sieht dennoch Chancen auch für die nicht übernommenen Mitarbeiter. "Wir gehen davon aus, dass wir 70 bis 80 Prozent der Arbeitsplätze überleiten können", sagte er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Es werde ja noch mit Condor und Easyjet verhandelt.

Lösung für die Techniksparte

Zuletzt hatte Air Berlin für seine Techniksparte neue Eigentümer gefunden. Eine Bietergemeinschaft der Berliner Zeitfracht-Gruppe mit der Wartungsfirma Nayak werde noch in dieser Woche einen Kaufvertrag unterzeichnen, teilte die Airline mit. Nach den Worten von Kebekus werden rund 300 Mitarbeiter übernommen, für weitere 550 werde es eine Auffanggesellschaft geben.

Anfang der Woche war eine große Lösung für eine Transfergesellschaft gescheitert. Der Bund sowie die Länder Berlin und Nordrhein-Westfalen wollten sich beteiligen, Bayern und auch die Lufthansa hingegen nicht. In einer Transfergesellschaft werden Mitarbeiter vorübergehend freiwillig angestellt und in neue Jobs vermittelt. Sie bekommen dort weniger Geld als zuvor, müssen sich aber nicht arbeitslos melden und gewinnen Zeit für die Stellensuche.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bedauerte, dass die Gespräche gescheitert sind. "Die große Transfergesellschaft hätte leisten können, dass wirklich Tausende erst einmal in die Gesellschaft einsteigen können", sagte ver.di-Sprecherin Martina Sönnichsen im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Nun würden viele Beschäftigte zunächst auf der Straße stehen. Bei vielen Airlines werde es Möglichkeiten für das fliegende Personal geben, neue Jobs zu finden - möglicherweise aber zu schlechteren Bedingungen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Oktober 2017 um 06:15 Uhr.

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