Bundeskanzlerin Angela Merkel tauft einen Airbus A380-800 der Lufthansa auf den Namen "Deutschland". (November 2015) | Bildquelle: dpa

Streit mit Airbus Regierung will A380-Kredite zurück

Stand: 08.03.2019 16:46 Uhr

Nach dem Aus für den A380 deutet Airbus an, Staatskredite nicht mehr zurückzuzahlen. Doch die Bundesregierung macht deutlich: Sie will sich das Geld zurückholen.

Von Horst Kläuser, ARD-Hauptstadtstudio

Im Streit um die Rückzahlung von Staatskrediten hat die Bundesregierung deutlich gemacht, dass sie von Airbus „alles einfordern" wolle, was ihr zustehe. Im Augenblick sei das zuständige Ministerium dabei, die umfangreichen Kreditverträge mit Airbus für den A380 zu prüfen, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums dem ARD-Hauptstadtstudio. Danach würden die Forderungen beziffert.

Der Staat könne und dürfe auf die Rückzahlung nicht verzichten, schließlich handele es sich um Geld des Steuerzahlers. Auch habe der Haushaltsausschuss des Bundestages noch ein Wörtchen mitzureden.

Reaktion auf Enders

Damit reagiert die Regierung auf Äußerungen des scheidenden Airbus-Chefs Tom Enders. Dieser hatte in einem Interview mit der "Financial Times" angedeutet, dass Airbus den Rest der ausstehenden Kredite in Höhe von etwa 600 Millionen Euro nicht zurückzahlen wolle. Deutschland hat seit 2002 etwa 940 Millionen Euro an Krediten zur Entwicklung und Anschubfinanzierung des A380 gewährt. Bislang sind aber nur rund 300 Millionen Euro zurückgeflossen.

Da wegen mangelnden Auftragseingangs und zahlreicher Stornierungen von Bestellungen die Produktion des größten Passagierflugzeugs der Welt im Jahr 2021 eingestellt werden soll, dürfte Airbus die Entwicklungskosten für den A380 nicht einspielen.

Enders steht auf dem Standpunkt, dass die Finanzierung durch die Regierungen - neben Deutschland haben auch Frankreich, Großbritannien und Spanien Kredite gewährt - eine Risikopartnerschaft gewesen sei. Im Übrigen habe man ja signifikante Zinsen gezahlt, Technologien entwickelt und substanzielle Arbeitsplätze geschaffen.

alt Arbeiten am A380

Hier wird am A380 gebaut

Die Fertigung des A380 ist auf mehrere Standorte in Europa verteilt. In Deutschland ist Hamburg-Finkenwerder der wichtigste Produktionsort. Hier werden unter anderem Teile von Rumpf und Bug gefertigt. Auch die Außenhaut wird in Hamburg lackiert sowie die Kabine ausgestattet.

Bremen produziert die Landeklappen, Stade das Seitenleitwerk und Buxtehude die Kabinenkommunikation. Die Auslieferung an einen Teil der Kunden ist dann wieder in Hamburg angesiedelt.

Im französischen Toulouse, Sitz des Airbus-Konzerns, wird an der Flugsteuerung gearbeitet. Hier  erfolgt die Endfertigung. Weitere Standorte in Frankreich sind Nantes und Saint-Nazaire. Broughton in Großbritannien ist für die Flügel zuständig. Auch im spanischen Getafe wird am A380 mitgearbeitet.

Summe von rund einer Milliarde Euro

Die Nachrichtenagentur Reuters beziffert die Höhe der ausstehenden Kreditsumme bei den Partnerstaaten in der EU auf insgesamt rund eine Milliarde Euro. Der Streit um die Kredite wird auch die Welthandelsorganisation WTO betreffen. Denn dort wird seit Jahren der Vorwurf der USA verhandelt, die EU subventioniere Airbus und verschaffe so dem eigenen Unternehmen Vorteile.

Die Europäer hingegen werfen den Amerikanern vor, ihrerseits auch Boeing, den Hauptkonkurrenten von Airbus, mit Regierungsgeldern zu unterstützen.

Deutschland will Kredite von Airbus zurückfordern
Horst Kläuser, ARD Berlin
08.03.2019 17:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. März 2019 um 16:22 Uhr.

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