Allianz-Chef Oliver Bäte | Bildquelle: picture alliance / Peter Kneffel/dpa

Allianz-Chef über Branche Bäte erwartet Pleiten von Versicherern

Stand: 23.12.2020 13:28 Uhr

Allianz-Chef Oliver Bäte sorgt sich um den Zustand der Lebensversicherungsbranche. Er rechnet mit Pleiten von Konkurrenten. Für die Probleme macht er auch die Europäische Zentralbank verantwortlich.

Drohen Pleiten von Lebensversicherern? Genau davor warnt Allianz-Chef Oliver Bäte. Der Vorstandsvorsitzende des Münchner Finanzkonzerns sieht für die Zukunft einiger Wettbewerber schwarz. "Ich rechne gerade angesichts der massiven Verwerfungen damit, dass ein paar Wettbewerber, die nicht gut gewirtschaftet haben, ausscheiden", sagte Bäte dem "Handelsblatt". Zur Marktwirtschaft gehöre das Ausscheiden von Unternehmen, die den Markt nicht schafften. Eine solche Entwicklung müsse es auch bei Finanzdienstleistern geben.

Bäte prangert EZB-Politik an

Der Allianz-Chef machte für die Probleme der Branche auch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank verantwortlich. "Die Geldpolitik ist dabei, die Sparer zu enteignen", sagte der Manager.

Diese Entwicklung hat laut Bäte deutliche Folgen für die Branche und auch sein Unternehmen. "Wir werden Produkte, die 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantieren, künftig nicht mehr anbieten. Weil wir nicht genügend Rendite aus risikofreien Staatsanleihen erwirtschaften." Und weiter: "Wenn Sie bei einer Staatsanleihe, die negative Renditen abwirft, 106 Euro beim Kauf zahlen und nach zehn Jahren am Ende 100 Euro zurückbekommen - wie sollen wir dann 106 Euro garantieren können?"

Für die Lebensversicherungskunden fordert Bäte Sicherheit auch bei Pleiten. "Man muss nur sicherstellen, dass man die betroffenen Kunden in einem solchen Fall so gut wie möglich schützt."

Protektor hat schon einmal bewährt

Für diese Sicherheit ist die Protektor Lebensversicherungs-AG verantwortlich. Gesellschafter sind alle in Deutschland tätigen Lebensversicherer. Das Berliner Unternehmen soll das angesparte Vermögen der Kunden von Lebensversicherungen im Falle einer Insolvenz schützen. Außerdem soll in einem solchen unerfreulichen Fall gewährleistet sein, dass Verträge fortgeführt werden und außerdem Leistungen, der Risikoschutz und die Gewinnbeteiligungen erhalten bleiben.

Ihre erste Bewährungsprobe hatte Protektor im Jahr 2003 nur ein Jahr nach der Gründung bereits bestanden. Damals war die Mannheimer Lebensversicherungs-AG in Schieflage geraten.

Über dieses Thema berichtete B5 Wirtschaft am 30. November 2020 um 10:38 Uhr.

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