Audi-Chef Stadler festgenommen. | Bildquelle: dpa

Dieselskandal Anklage gegen Ex-Audi-Chef Stadler

Stand: 31.07.2019 13:31 Uhr

Im Dieselskandal hat die Münchner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den früheren Audi-Chef Stadler sowie drei weitere Beschuldigte erhoben. Ihnen würden Betrug, Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung vorgeworfen.

Wegen Betrugsverdachts saß Rupert Stadler bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft, nun hat die Staatsanwaltschaft München Klage gegen den früheren Audi-Chef erhoben. Ihm und drei weiteren Angeklagten würden im Dieselskandal "Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung vorgeworfen", teilte die Behörde mit. Den drei anderen Beschuldigten legt sie zur Last, Motoren für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche entwickelt zu haben, deren Steuerung mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet gewesen sei.

Autoverladung | Bildquelle: picture alliance / Ulrich Baumga
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Stadler wird vorgeworfen, den Verkauf von Fahrzeugen für den europäischen und amerikanischen Markt "veranlasst bzw. nicht verhindert zu haben."

Frühzeitig vom Betrug gewusst?

Dem 56-jährigen Stadler wirft sie vor, "spätestens ab Ende September 2015 von den Manipulationen Kenntnis gehabt und gleichwohl weiter den Absatz von betroffenen Fahrzeugen der Marken Audi und VW veranlasst bzw. den Absatz nicht verhindert zu haben". Ob es wirklich zu einem Prozess kommt, muss das Landgericht München II entscheiden.

Die Anklage umfasst den Angaben zufolge 250.712 Fahrzeuge von Audi, 71.577 Fahrzeuge von VW und 112.131 Fahrzeuge von Porsche. "Die Fahrzeuge sind insbesondere auf dem US-amerikanischen und europäischen Markt veräußert worden", hieß es weiter.

Stadler war am 18. Juni 2018 wegen Betrugsverdachts und Verdunkelungsgefahr in Ingolstadt verhaftet worden und hatte im Gefängnis Augsburg-Gablingen vier Monate lang in Untersuchungshaft gesessen. Das Oberlandesgericht München setzte den Haftbefehl vom Juni im Herbst 2018 gegen Auflagen außer Vollzug. Ohne Zustimmung der Staatsanwaltschaft durfte Stadler weiterhin keinen Kontakt zu Mitbeschuldigten und möglichen Zeugen aufnehmen. Nachfolger an der Audi-Spitze ist seit Anfang des Jahres Bram Schot.

Anklage gegen Ex-Audi-Chef Stadler
tagesthemen 22:15 Uhr, 31.07.2019, Karsten Böhne, BR

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Audi sieht Chance zur Aufklärung

Audi wertete den erwarteten Strafprozess gegen Stadler als Chance zur Aufklärung des Dieselskandals. "Es liegt im Interesse der Mitarbeiter, der Anteilseigner und des ganzen Unternehmens, die Sachverhalte, die zur Dieselkrise geführt haben, juristisch restlos aufzuklären", sagte ein Unternehmenssprecher. Für alle Beschuldigen gelte die Unschuldsvermutung.

Im Oktober vergangenen Jahres war Audi bereits zu einem Bußgeld von 800 Millionen Euro verurteilt worden. Dieses Verfahren sei aber getrennt von der Anklage gegen Stadler zu sehen, wie das Unternehmen in einer Presseerklärung mitteilte.

Der Volkswagen-Dieselskandal, in dem Audi eine wesentliche Rolle spielte, war im September 2015 in den USA aufgeflogen. Damals gab Volkswagen auf Druck der dortigen Umweltbehörden zu, Dieselabgase durch eine Software manipuliert zu haben. Diese erkannte, ob sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befand und hielt auch nur dann die Stickoxidwerte ein. Auf der Straße waren die Abgaswerte um ein Vielfaches höher. Der Dieselskandal hat Volkswagen bislang 30 Milliarden Euro gekostet.

Wie Audi in den Dieselskandal rutschte

Zunächst war der Mutterkonzern VW im Visier der Ermittler - und zuerst nur in den USA. Im September 2015 machte die US-Umweltbehörde öffentlich: Volkswagen hat eine Software in seine Autos eingebaut, die den Schadstoffausstoß künstlich drückt.

Nur einen Monat später gab Audi zu: Die Schummel-Software wurde auch in die Drei-Liter-Dieselmotoren eingebaut.

Im Sommer 2017 erreichte der Dieselskandal dann Deutschland. Der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt gab bekannt: Die illegale Software wurde auch hierzulande eingesetzt. Zum ersten Mal leitete daraufhin die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen wegen Abgasbetrugs ein. Unter anderem gegen den ehemaligen Leiter eines Ingenieursteams im Werk Neckarsulm. Er soll Mitarbeiter angewiesen haben, eine Software zu entwickeln, die wie in den USA die Behörden täuschte. Er wiederum belastete daraufhin das Top-Management von Audi schwer.

Nach den Vorwürfen im Abgas-Skandal berief der Audi-Aufsichtsrat Ende August 2017 vier neue Mitglieder ein. Stadler, der umstrittene Audi-Chef, blieb aber vorerst im Amt.

Im Juni 2018 dann die Razzia beim Audi-Chef, die zur Festnahme wegen Verdunkelungsgefahr führte: Die Staatsanwaltschaft wirft Stadler unter anderem Betrug vor. Er soll schon lange von der illegalen Software gewusst haben und musste für mehrere Monate in Untersuchungshaft - es besteht Verdunkelungsgefahr. Schließlich wurde er von all seinen Aufgaben bei Audi entbunden.

Stadler wurde Ende Oktober 2018 unter strengen Auflagen entlassen. Der zuständige Richter betonte: Es bestehe weiter dringender Tatverdacht. In der Öffentlichkeit ist Stadler seither nicht mehr aufgetreten.

Mit Informationen von Wilfried Lorenz, BR

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Juli 2019 um 09:00 Uhr.

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