Der chinesische Autobauer Geely stellt das elektrische Konzeptauto "Concept Zero" vor | Bildquelle: dpa

Automesse in Peking Chinesische E-Mobilität im Fokus

Stand: 25.09.2020 18:17 Uhr

Die Automesse in Peking findet sonst im April statt. Wegen Corona startet sie erst jetzt. Weil kaum ausländische Branchenvertreter einreisen durften, liegt der Fokus auf E-Autos aus China.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Das weiß-orangene SUV steht abfahrbereit in der Sonne. Es ist ein Serienfahrzeug des chinesisch-schwedischen Herstellers Volvo, zusätzlich ausgerüstet mit Extrageräten, die das automome Fahren erst möglich machen.

"In dem Auto stecken eine Menge Sensoren", erklärt ein Mitarbeiter des Mobilitätsanbieters Didi, der das Auto hier testet. "Das auffällige Ding dort oben auf dem Dach, das sich dreht, das ist ein kombiniertes Laser- und Radargerät." Zwei weitere seien an der Seite angebracht. Hinzu kämen sieben Kameras auf dem Dach. "Und hier hinten, diese weißen Geräte, das sind zwei GPS-Empfänger."

Fortschritte bei fahrerlosen Taxis

Das chinesische Unternehmen Didi testet zurzeit am Stadtrand von Shanghai, wie Autos künftig als fahrerlose Taxis eingesetzt werden könnten. Das funktioniert schon ganz ordentlich. Die Autos fahren teils auf öffentlichen Straßen.

Doch die Routen sind vorher genau festgelegt, und entlang der Strecke stehen spezielle Masten, die Navigationsfunksignale aussenden. Und nach wie vor muss immer jemand am Lenkrad sitzen, um im Zweifelsfall in Sekundenschnelle eingreifen zu können. In China wird intensiv an der Zukunft des Autofahrens geforscht und gearbeitet - aber kurz vor dem Durchbruch steht das Autonome Fahren auch im technikaffinen China noch nicht.

China bei E-Mobilität ganz weit vorn

Der Bereich, in dem chinesische Hersteller inzwischen Weltspitze sind, ist die E-Mobilität. Entsprechend werden Elektroautos bei der Automesse in Peking das große Thema sein. Chinas Staats- und Parteiführung hat die Branche mit Kaufanreizen und direkten Staatshilfen groß gezüchtet. Allerdings sind viele der vor zwei, drei Jahren gegründeten E-Auto-Startups schon wieder Pleite.

Zum Beispiel der Hersteller Byton, der von mehreren deutschen Autoingenieuren mitgegründet worden war. Zeng Zhilin von der Shanghaier Beratungsfirma LMC Automotive sagt, erst jetzt sei Chinas E-Auto-Markt wirklich erwachsen: "Es gab zuletzt auf Chinas E-Auto-Markt eine Menge Schrott-Firmen", so das harte Urteil des Autoexperten.

"Heute aber sind die E-Autos ausgereift und können mit den herkömmlichen Autos konkurrieren. Wir werden auf der Automesse eine Menge E-Autos erleben, die nun endlich zu den Bedürfnissen der normalen Verbraucher passen, was Reichweite, Preis und Qualität angeht."

Auch BMW, Daimler und Volkswagen präsentieren bei der Pekinger Automesse ihre neuen Elektro-Modelle. Kasse machen die drei deutschen Autokonzerne in China aber weiterhin vor allem mit Benzinern aus dem Ober- und Luxusegment.

Das VW-Modell ID3 | Bildquelle: dpa
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Auch Volkswagen ist mit seiner E-Auto-Flotte auf der Automesse in Peking vertreten.

Autonomes Fahren erst in zehn Jahren marktreif?

Neue Autos und technische Innovationen seien bei der Messe dieses Mal gar nicht das Entscheidende, sagt der Autoanalyst Zeng Zhilin. Das große Ding sei diesmal ganz einfach Tatsache, dass die wegen Covid-19 im April abgesagte Messe nun überhaupt nachgeholt werde: "Das sendet Vertrauen aus, das ist gut für die Branche. Das zeigt, dass wir wieder ein bisschen Normalität zurückbekommen haben."

Autonomes Fahren wird bei der Pekinger Automesse nur eine untergeordnete Rolle spielen. Forschung in dem Bereich sei wichtig, aber im Alltag einsetzbar seien die bisherigen Produkte noch nicht, sagt Zeng Zhilin: "Bis das ausgereift ist, dauert es noch mindestens zehn Jahre. Wir gehen auch davon aus, dass sich das zunächst nicht bei Pkw, sondern etwa bei Lastwagen durchsetzen wird. Die haben feste Routen und sind oft nachts unterwegs, wo weniger Verkehr ist. In diesem Bereich passt autonomes Fahren am ehesten."

Pekinger Automesse: Chinesische E-Auto-Konzerne im Fokus
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
25.09.2020 12:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 25. September 2020 um 15:22 Uhr.

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