Ein Doppelstock IC der Deutschen Bahn im neuen Test-Center von Bombardier in Bautzen | Bildquelle: dpa

Technische Mängel Bahn will neue IC-Züge nicht abnehmen

Stand: 28.01.2020 18:41 Uhr

Im Streit um 25 neue Intercity-Züge erhöht die Bahn den Druck auf den Hersteller Bombardier. Sie will die Wagen wegen technischer Mängel nicht abnehmen. Betriebssystem-Pannen erschweren den Lokführern die Arbeit.

Viele Intercity-Züge sind in die Jahre gekommen, zum Teil sind sie mehrere Jahrzehnte alt. Ende 2015 hatte die Deutsche Bahn deshalb damit begonnen, ihre Flotte mit neuen Doppelstockwagen des kanadischen Herstellers Bombardier zu ergänzen. Die 27 Züge der ersten Bauserie funktionierten einwandfrei. Bei der zweiten Serie dagegen gab es von Anfang an Probleme.

Bereits im Februar vergangenen Jahres hatte der "Spiegel" über Mängel berichtet. Die Bahn bezeichnete die Probleme damals als "nicht gravierend und bei der Einführung neuer Fahrzeuge alles andere als ungewöhnlich". Später hieß es dann aus dem Konzern, diese Züge "erreichen noch nicht die hohen Zuverlässigkeitswerte wie die Fahrzeuge der ersten Bauserie".

Mittlerweile hat die Bahn offensichtlich genug und weigert sich nun, 25 der neuen Intercity-Züge abzunehmen. "Wir setzen auf Grundlage verlässlicher Vorschläge jetzt auf eine schnelle Behebung der Mängel durch den Hersteller und prüfen darüber hinaus auch alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel", teilte der Konzern mit. "Für unsere Kunden und einen pünktlichen Bahnbetrieb bringen wir nur Züge zum Einsatz, die einwandfrei funktionieren."

"SZ": Software macht eine Stunde Vorlauf nötig

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuerst über den Fall berichtet. Demnach hieß es aus Bahn-Aufsichtsratskreisen, dass man bei Bombardier unmissverständlich eine schnelle Beseitigung der Mängel gefordert habe. Weiter zitiert die Zeitung interne Bahndokumente, die unter anderem beschreiben, dass das Betriebssystem des Zuges regelmäßig zusammenbricht - vor allem beim Wechsel der Fahrtrichtung. Lokführer müssten eine Stunde vor Abfahrt am Zug sein, um das System zu starten.

Die neuen IC2-Züge bieten mehr Komfort und Sitzplätze. Sie kommen unter anderem zwischen Dresden und Köln sowie Singen und Stuttgart zum Einsatz. Langfristig will die Bahn mit den Zügen nahezu alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern an das Fernverkehrsnetz anschließen. Bestellt hat die Bahn insgesamt 42 Züge dieser zweiten Serie, abgenommen hat sie bereits 17.

Görlitz und Bautzen betroffen

Von den Problemen mit den neuen IC2-Zügen sind die sächsischen Bombardier-Werke in Görlitz und Bautzen unmittelbar betroffen. Die wirtschaftlichen Folgen für die Standorte sind noch nicht absehbar. Auf Anfrage des MDR räumte Bombardier die Probleme ein. Die Deutsche Bahn und Bombardier haben einen Rahmenvertrag geschlossen, der es der Bahn erlaubt, eine bestimmte Anzahl von Triebfahrzeugen und Waggons einzukaufen. In diesem Jahr handelt es sich nach MDR-Informationen um mehr als 100 Waggons und Triebwagen, die hauptsächlich in Görlitz und Bautzen produziert werden würden.

Immer wieder Probleme mit neuen Zügen

Dass die Bahn Probleme mit gelieferten Zügen hat, ist nicht neu. Wiederholt gab es in der Vergangenheit Konflikte und juristischen Streit mit den Stammlieferanten Siemens und Bombardier. Vor einigen Jahren hatte der Konzern auch dem tschechischen Anbieter Skoda einen Auftrag erteilt, um den Wettbewerb in der Branche auszuweiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2020 um 08:00 Uhr.

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