Auflagen für staatliche Milliardenhilfen Großbritannien zwingt Banken zur Schrumpfkur

Stand: 03.11.2009 15:02 Uhr

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Die Royal Bank of Scotland muss hunderte Filialen verkaufen.

Der Bankenmarkt in Großbritannien steht vor einem Umbruch. Die Regierung entschied sich für eine Zerschlagung der teilverstaatlichten Banken Lloyds und Royal Bank of Scotland (RBS). Sie müssen laut Finanzministerium Beteiligungen verkaufen, die sich auf zehn Prozent des Privatkundenmarkts in Großbritannien summieren. Als Frist ist ein Zeitraum von fünf Jahren vorgesehen.

Die Lloyds Bankengruppe muss sich neben der Marke TSB unter anderem von ihren Cheltenham & Gloucester-Filialen trennen. RBS soll Filialen in England und Wales, Zweigstellen der NatWest in Schottland und seinen Investmentbankingbereich abgeben. Bei beiden Banken zusammen stehen insgesamt mehr als 900 Filialen zum Verkauf.

Chance für neue Wettbewerber

Als neue Eigentümer kommen nur neue Marktteilnehmer oder kleine Wettbewerber in Frage. Mindestens drei neue Konkurrenten sollen infolge der Zerschlagung entstehen. Mit dem Schritt reagierte die britische Regierung auch auf Wettbewerbsbedenken der EU. "Wir schaffen mehr Wettbewerb im Bankensektor und sorgen dafür, dass unsere Banken auf solidem Fundament stehen", sagte der britische Premierminister Gordon Brown.

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown
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"Wir schaffen mehr Wettbewerb" - Großbritanniens Premier Brown.

Zugleich sagte die Regierung den beiden teilverstaatlichten Banken weitere Staatshilfen in Höhe von insgesamt rund 31 Milliarden Pfund zu, umgerechnet rund 28 Milliarden Euro. 25,5 Milliarden Pfund fließen an die RBS, die danach zu 84 Prozent in Staatsbesitz sein soll. Bisher liegt der Anteil bei 70 Prozent. Zudem schlüpft die Großbank unter einen staatlichen Garantieschirm, der Ausfallrisiken riesiger Kredit-Portfolios abdeckt. Insgesamt sichern jetzt letztlich die Steuerzahler problematische Wertpapiere über 282 Milliarden Pfund ab.

Lloyds plant Rekord-Kapitalerhöhung

Lloyds plant dagegen eine Rekord-Kapitalerhöhung von 13,5 Milliarden Pfund, an der sich die britische Regierung mit 5,7 Milliarden Pfund beteiligen will. Der Staatsanteil an Lloyds soll weiter bei 43 Prozent liegen.

Die erneute Stützung der RBS sei die einzige Möglichkeit, das Institut zu stabilisieren und das gesamte Finanzsystem wieder auf die Beine zu bringen, sagte Großbritanniens Finanzminister Alistair Darling. "Wenn wir das alles nicht machen würden und das System in sich zusammenbrechen würde, hätten wir ein totales Chaos", betonte er.

Die neuen Milliardenhilfen sind umstritten, weil RBS erst am Vortag angekündigt hatte, weitere 3700 Stellen zu streichen. Gewerkschaften fürchten, dass durch die Zerschlagung der beiden Banken 25.000 Jobs auf dem Spiel stehen. Die Opposition kritisierte, die neuen Hilfen seien noch größer als die des Vorjahres. Es gebe aber immer noch keine Garantie, dass die Kreditvergabe wieder fließe.

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