Baustelle eines großen Wohngebäudes | Bildquelle: dpa

Rückgang gegenüber 1991 Weniger Bauarbeiter trotz Bauboom

Stand: 25.09.2020 10:38 Uhr

Auf deutschen Baustellen arbeiten 300.000 weniger Menschen als 1991. Das starke Wachstum der vergangenen Jahren verdankt die Branche vor allem Preiserhöhungen. Die hohe Nachfrage führt zu einem Stau beim Bau.

Trotz des Nachholbedarfs im Zuge des Aufbaus Ost und der zuletzt rasant steigenden Immobilienpreise ist die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe seit der Wiedervereinigung deutlich gesunken. Zwischen 1991 und 2019 ging die Zahl der Erwerbstätigen in der Branchen um rund 300.000 auf zuletzt knapp 2,6 Millionen zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

In den neuen Bundesländern arbeiteten 1991 noch 840.000 Menschen auf dem Bau. Durch den enormen Nachholbedarf an Wohn-, Industrie- und Bürogebäuden sowie im Straßenbau stieg diese Zahl bis 1995 auf 1,2 Millionen. 2019 waren aber nur noch 546.000 Menschen in der ostdeutschen Baubranche beschäftigt und rund zwei Millionen in den westdeutschen Baufirmen.

Baugewerbe weiter wichtiger Wirtschaftsfaktor

Vor allem in Flächenländern spielt das Baugewerbe als Wirtschaftsfaktor unverändert eine große Rolle. In Brandenburg arbeiten 8,4 Prozent aller Beschäftigten in der Baubranche, in Sachsen-Anhalt 7,8 Prozent und in Sachsen 7,7 Prozent. Der Anteil der Branche an der Bruttowertschöpfung der Gesamtwirtschaft ist in dünner besiedelten Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern am höchsten.

Bauarbeiter auf einer Baustelle in Hannover | Bildquelle: dpa
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Knapp 80 Prozent der Bauarbeiter sind in Westdeutschland beschäftigt.

Zwischen 1993 und 2019 wurden fast 4,8 Millionen neue Gebäude in Deutschland gebaut, darunter rund vier Millionen Wohnhäuser mit fast 7,6 Millionen Wohnungen. Die gesamten Kosten der Neubauten in diesem Zeitraum schätzt das Statistische Bundesamt auf 1,67 Billionen Euro. Hinzu kommen noch die Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden.

Den Höhepunkt erreichte der Bauboom Mitte und Ende der 1990er-Jahre. Vergleichsweise gering fiel dagegen die Bautätigkeit rund um die Finanzkrise 2008 und die Rezession 2009 aus. Ab 2010 sorgte der anhaltende Wirtschaftsaufschwung dann aber für einen weiteren Bauboom,. Allein zwischen 2015 und 2019 steigerte das Baugewerbe seine Bruttowertschöpfung um rund ein Drittel. Diesen starken Anstieg begründet das Statistische Bundesamt aber in erster Linie mit den starken Preiserhöhungen der Baudienstleister.

Baustau wird größer

Eine Folge des Baubooms der vergangenen Jahre ist ein Stau unerledigter Aufträge. Zwischen 2010 und 2019 stieg die Zahl der zwar schon genehmigten, aber noch nicht fertig gestellten Wohnungen von 334.000 auf 740.000. Als einen möglichen Grund für diese Entwicklung nannten die Statistiker die schrumpfende Zahl von Arbeitskräften in der Branche.

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