Ein Bauarbeiter steht auf einem Dach bei Sonnenaufgang. | Bildquelle: dpa

Wohnungs- und Immobilienmarkt In Deutschland wird weniger gebaut

Stand: 19.06.2019 10:55 Uhr

In Deutschland wird mehr nach bezahlbaren Wohnungen gesucht, aber immer weniger gebaut. Berlin sucht nun mit dem Mietendeckel die Lösung, während der Bund die Länder in der Verantwortung sieht.

Es wird offenbar immer enger auf dem deutschen Immobilienmarkt. Nachdem in den vergangenen Tagen vor allem der Rückgang an Sozialwohnungen kritisiert wurde, veröffentlichte das Statistische Bundesamt nun die bisherige Jahresbilanz über erteilte Baugenehmigungen. Und die zeigt: Es wird immer weniger gebaut - mit einer Ausnahme.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres erteilten die zuständigen Behörden die Genehmigung für den Bau von 105.800 Wohnungen, entweder in bereits bestehenden Gebäuden oder als kompletten Neubau. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das ein Minus von 1,3 Prozent. Im gesamten Jahr 2018 wurden rund 347.000 Wohnungen genehmigt.

Das Statistische Bundesamt begründet das Minus mit mangelnden Bauflächen in Ballungsräumen, gestiegenen Preisen in der Baubranche und dem überlasteten Handwerkergewerbe.

Einziges Plus bei Einfamilienhäusern

Der Rückgang betrifft nahezu jede Art von geplanten Neubauten. Besonders deutlich wird er bei beantragten Genehmigungen für Zweifamilienhäuser. Hier wurden von Januar bis April rund 6500 Bauvorhaben bewilligt, gegenüber dem Vergleichszeitraum im vergangenen Jahr ein Rückgang von 5,2 Prozent. Ebenso wurden mit bislang knapp 53.400 ausgestellten Genehmigungen 0,5 Prozent weniger Mehrfamilienhäuser abgesegnet.

Nur die Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser stieg im Vergleich 2019/2018: Hier wurden mit rund 29.000 Bauprojekten 2,2 Prozent mehr Neubauten zugelassen.

Große Lücken auf sozialem Wohnungsmarkt

Der Rückgang an Neubauten widerspricht der breiten öffentlichen Forderung nach vor allem zusätzlichen sozial geförderten Wohnungen. Zwar stieg die Zahl der neu gebauten Sozialwohnungen im vergangenen Jahr leicht an: Laut Bundesbauministerium entstanden bundesweit 27.040 geförderte Wohnungen und damit 809 mehr als 2017.

Doch nach Schätzung des Mieterbundes wären jährlich rund 80.000 zusätzliche Sozialwohnungen nötig, um den Bedarf in Deutschland zu decken. Der Bund hatte den sozialen Wohnungsbau 2018 mit rund 1,5 Milliarden Euro gefördert, will den Betrag langfristig aber auf etwa eine Milliarde Euro senken. Bundesbauminister Horst Seehofer sieht vor allem die Bundesländer in der Pflicht, die Lücken auf dem sozialen Wohnungsmarkt zu stopfen, immerhin falle die soziale Wohnraumförderung in deren Zuständigkeit. Er forderte die Länder auf, die Förderung durch den Bund durch Mittel aus den eigenen Haushaltskassen aufzustocken.

Novum in Berlin: der Mietendeckel

Als erstes Bundesland schlug Berlin in dieser Woche einen neuen Weg ein, um ein anderes drängendes Problem auf dem Wohnungsmarkt anzugehen: die steigenden Mieten. Der Berliner Senat brachte die Eckpunkte für den sogenannten Mietendeckel auf den Weg. Fünf Jahre lang sollen die Preise nicht angehoben werden dürfen.

Doch auch hier lässt die Landesregierung Ausnahmen zu: Erstens sollen bei Erstbezug von Neubauwohnungen die Mieten angesetzt werden können, die der aktuellen Marktlage entsprechen. Und zweitens soll für Sozialwohnungen ein eigenes Recht gelten.

Kritik am Mietendeckel kommt vor allem aus der Immobilienbranche und von Wohnungsgenossenschaften. Die Neuregelung stelle einen Eingriff ins Eigentumsrecht dar, zudem müssten moderate Mietsteigerungen erfolgen, um Kosten für Instandhaltung und Sanierung von Wohnungen zu finanzieren.

Über dieses Thema berichtete am 19. Juni 2019 tagesschau24 um 11:00 Uhr und NDR Info um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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