Rohbau für Neubau-Wohnungen in Schöneberg (Archivbild: 07.11.2018) | Bildquelle: dpa

Wohnungsmarkt Weniger Baugenehmigungen erteilt

Stand: 15.08.2019 10:57 Uhr

Auf dem vielerorts engen Wohnungsmarkt in Deutschland zeichnet sich weiter keine Entspannung ab: Im ersten Halbjahr 2019 wurden weniger Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahreszeitraum.

Die Behörden haben im ersten Halbjahr 2019 weniger Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Von Januar bis einschließlich Juni wurde der Neubau oder Umbau von gut 164.600 Wohnungen genehmigt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren nach Berechnungen der Wiesbadener Statistiker 2,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden in den sechs Monaten knapp 142.400 Wohnungen genehmigt. Das waren 3,1 Prozent oder gut 4500 Einheiten weniger als ein Jahr zuvor.

Während das Niveau bei den Einfamilienhäusern fast unverändert blieb (minus 0,1 Prozent), sank die Zahl der Baugenehmigungen für Zweifamilienhäuser um 4,7 Prozent und die der Mehrfamilienhäuser um 3,2 Prozent.

Bezahlbare Grundstücke fehlen

"Insbesondere der Rückgang der Baugenehmigungen bei Mehrfamilienhäusern ist alarmierend. Denn hier gibt es den größten Bedarf", sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Robert Feiger.Teures Bauland mache den Bau bezahlbarer Wohnungen vielerorts unmöglich.

Der Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Andreas Ibel, appellierte an die Kommunen. "Der Grundstücksmarkt, der den Flaschenhals für mehr Baugenehmigungen bildet, ist nahezu ausgetrocknet", erläuterte er. "Jetzt sind die Kommunen gefragt, ausreichend bezahlbares Bauland auszuweisen und Verfahren zu beschleunigen." Sonst bleibe der Wohnungsneubau auf der Strecke.

Die staatliche Förderbank KfW sieht dennoch gute Chancen, dass es im Wohnungsbau ungeachtet der sinkenden Genehmigungen aufwärts geht. Derzeit harrten noch etwa 600.000 Wohnungen der Fertigstellung, die in den vergangenen Jahren genehmigt worden seien. Insbesondere in den teuren und wachsenden Ballungsregionen müsse "weiterhin etwas gegen Wohnungsknappheit und Überforderung von Mietern getan werden", sagte KfW-Ökonom Martin Müller. 2018 wurden so viele Wohnungen fertiggestellt wie seit 16 Jahren nicht mehr - insgesamt 285.900.

Ziel: bis zu 400.000 Wohnungen im Jahr

Um die große Nachfrage nach Immobilien zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen. Im vergangenen Jahr wurde der Neubau von knapp 302.800 Wohnungen in reinen Wohngebäuden genehmigt. Inklusive Nichtwohngebäuden gab es im Jahr 2018 gut 347.000 Genehmigungen.

Gebremst wird Neubau dadurch, dass Flächen in Ballungsräumen knapp sind, die Preise deutlich angezogen haben und Handwerker wegen voller Auftragsbücher kaum hinterherkommen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. August 2019 um 11:15 Uhr.

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