Blick auf das Logo des Chemiekonzerns Bayer AG an der Berliner Müllerstraße. | Bildquelle: dpa

Nach Monsanto-Übernahme Bayer verliert Milliarden im Agrargeschäft

Stand: 03.11.2020 09:01 Uhr

Der Monsanto-Kauf erweist sich für Bayer weiterhin als schlechtes Geschäft, aber in der gesamten Agrarsparte kriselt es. Auch im Pharmasegment läuft es schlechter als erhofft: Unter dem Strich steht im dritten Quartal ein gigantisches Minus.

Bayer hat wegen schwieriger Agrargeschäfte auch im dritten Quartal einen Milliardenverlust erlitten. Nach Abschreibungen in der Agrarsparte fiel unter dem Strich ein Verlust von 2,7 Milliarden Euro an. Vor einem Jahr hatte der Dax-Konzern noch einen Überschuss von etwas mehr als einer Milliarde Euro erzielt.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten sank um mehr als ein Fünftel auf 1,8 Milliarden Euro. Der Umsatz fiel im dritten Quartal um 13,5 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Negative Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen herausgerechnet, liegt das Minus bei 5,1 Prozent.

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Das Agrargeschäft läuft schwach

Im Agrargeschäft sank der Umsatz währungs- und portfoliobereinigt um 11,6 Prozent auf rund drei Milliarden Euro. Im Bereich Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften war das globale Geschäft um 39,9 Prozent rückläufig, wie Bayer mitteilt. Bei Herbiziden ergab sich im Vergleich zum starken Vorjahresquartal  ein Umsatzrückgang von 12,7 Prozent.

Glyphosat
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Glyphosat

Wie bereits im zweiten Quartal blieb auch der teuer eingekaufte US-Saatgutriese Monsanto ein Bremsklotz. Damals hatten Milliardenrückstellungen für zehntausende Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters von Monsanto für einen Verlust gesorgt. Hier drohen Mehrkosten. Im dritten Quartal hat Bayer zusätzliche Rückstellungen für die Lösung möglicher künftiger Klagen gebildet, heißt es dazu in der Unternehmensmitteilung.

Ende Juni hatte sich das Unternehmen in dem Rechtsstreit mit einem Großteil der Kläger geeinigt. Der Vergleich dürfte nun aber teurer werden als angenommen. Bayer geht davon aus, dass das Konzept für die Lösung möglicher künftiger Klagen etwa zwei Milliarden kosten wird und damit mehr als die ursprünglich erwarteten 1,25 Milliarden. Im Sommer war der Konzern davon ausgegangen, dass für den Vergleich und mögliche künftige Fälle bis zu 10,9 Milliarden Dollar fällig werden.

Prognose bestätigt

Neben Gegenwind in der Agrarsparte macht die Corona-Pandemie auch dem Pharmageschäft zu schaffen, da Ärzte nicht dringend notwendige Behandlungen teilweise verschieben. Hier sank der Umsatz währungs- und portfoliobereinigt um 1,8 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Deutlich besser lief es hingegen zuletzt im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten.

Bayer-Chef Werner Baumann
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Bayer-Chef Werner Baumann

An seinen Jahreszielen hält Bayer fest - zumindest vor Wechselkurseffekten. Das Management um Vorstandschef Werner Baumann 2020 peilt weiter einen Umsatz von 43 Milliarden bis 44 Milliarden Euro an, hieß es. Das wäre vor Währungseffekten sowie Ver- und Zukäufen von Unternehmensteilen bestenfalls ein Umsatzplus von einem Prozent. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen sollen vom Umsatz weiter 28 Prozent hängen bleiben, was ein operatives Ergebnis von rund 12,1 Milliarden Euro bedeuten würde.

Schlechter als vom Markt erhofft

Die Aktie gibt um mehr als ein Prozent nach. Marktteilnehmer verwiesen zur Begründung auf das schwache Geschäft in der Agrarchemie. Das operative Ergebnis vor Sonderposten sei hinter der Markterwartung zurückgeblieben. Nach gekürzten Zielen für 2021 sei das dritte Quartal eine weitere schlechte Nachricht, sagte ein Händler. Der Umsatz habe den Analystenkonsens ebenfalls klar verfehlt.

Am vergangenen Freitag war der Bayer-Kurs unter 40 Euro auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren abgerutscht. Vom Jahreshoch im Juni belaufen sich die Verluste mittlerweile auf mehr als 40 Prozent.

ts

Quelle: boerse.ard.de
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