Unter dem Bayer-Kreuz am Werk in Wuppertal fahren Fahrzeuge durch. | Bildquelle: dpa

Bayer im US-Justizstreit Glyphosat-Vergleich wieder auf der Kippe

Stand: 08.07.2020 19:33 Uhr

Vor zwei Wochen erklärte sich der Bayer-Konzern bereit, fast elf Milliarden Dollar zu zahlen, um den US-Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat zu beenden. Doch nun äußert ein Richter Bedenken an Teilen des Vergleichs.

Zwei Wochen, nachdem der Rechtsstreit in den USA um den Unkrautvernichter Glyphosat für den Pharmakonzern Bayer beendet schien, steht der Vergleich mit den mehr als 100.000 Klägern möglicherweise vor dem Aus.

Das Unternehmen teilte mit, die Anwälte der Kläger hätten einen Antrag auf die vorläufige Genehmigung des Vergleichs zurückgezogen. Bayer habe dieser Entscheidung zugestimmt.

Richter hat Zweifel an Rechtsstaatlichkeit

Der Grund für die neuerlichen Schwierigkeiten sind Zweifel des zuständigen Bundesrichters Vince Chhabria an einem Teil des Vergleichpakets. Bayer hatte eingewilligt, insgesamt 10,9 Milliarden Dollar zu zahlen: 8,8 bis 9,6 Milliarden Dollar für laufende Verfahren und 1,25 weitere Milliarden Dollar für künftige Fälle. Bayer hatte angekündigt, dass ein unabhängiges Wissenschaftsgremium sich mit möglichen künftigen Klagen befassen solle.

Doch genau bei letzten Punkt sieht Vince die Rechtsstaatlichkeit möglicherweise gefährdet und stellt zudem infrage, welche Vorteile die Klägerseite davon hätte, wen ein solchen Gremium eingerichtet würde. Das Gericht sei skeptisch hinsichtlich der Angemessenheit und Fairness dieses Vorschlags und sei vorläufig geneigt, den Antrag abzulehnen, hieß es in der Einschätzung des Richters.

Über die Einwände des Richters wollen beide Konfliktparteien nun erneut beraten, hieß es von Bayer weiter. Der Konzern betonte zugleich, weiterhin zu dem Vergleich zu stehen.

Behörden sehen keine Hinweise auf krebserregende Wirkung

Den Justizstreit um den Unkrautvernichter "Roundup" und das darin enthaltene Glyphosat hatte sich Bayer mit der Übernahme US-Saatgutriesen Monsanto im Jahr 2018 eingehandelt. Die Klägerseite wirft dem Unternehmen vor, dass das Herbizid eine krebserregende Wirkung hat. Von Behörden wie der US-Umweltbehörde EPA oder der Europäischen Chemikalienagentur wurde dieser Vorwurf aber nicht bestätigt.

Die Glyphosat-Klagewelle hatte Bayer an der Börse massiv unter Druck gesetzt. Die Konzernführung um Vorstandschef Werner Baumann stand in der Kritik. Finanziell ist Bayer gerüstet für einen Vergleich. Allein der Verkauf der Tiermedizin soll Bayer 7,6 Milliarden Dollar einbringen - den Großteil davon in bar, einen kleineren Teil in Aktien des Käufers Elanco.

Bayer zieht Antrag auf Zustimmung zu US-Glyphosat-Vergleich zurück
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
08.07.2020 21:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 08. Juli 2020 um 18:39 Uhr.

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