Die Schatten zweier Männer mit Anzug und Koffer fallen auf eine Straße. | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Halbjahreszahlen Ministerien und ihre teure Beratung

Stand: 23.07.2019 09:19 Uhr

Berater haben sich vielerorts zum Feindbild entwickelt, in den Bundesministerien sind sie dagegen gern gesehen. Bis Juni kostete ihr externer Sachverstand mehr als 178 Millionen Euro. Ausgerechnet aus einem Ressort fehlen die Zahlen.

Mehr als 20.000 Mitarbeiter in 14 Ministerien: Die Bundesregierung verfügt über viel eigenes Personal. Dennoch benötigen die Ministerien immer wieder externe Hilfe - von Beratern. Eine Anfrage der Linkspartei, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, ergab nun: Im ersten Halbjahr 2019 kostete die Unterstützung von McKinsey, BCG, KPMG und Co. mindestens 178 Millionen Euro.

Das Innenministerium gab mit 78,7 Millionen Euro am meisten Geld aus, das Verkehrsministerium ließ sich den externen Sachverstand 47,7 Millionen Euro kosten. Am wenigsten Geld gab das Bildungsministerium aus. Dort fielen in den ersten sechs Monaten des Jahres nur 293.000 Euro für Berater an.

Der Untersuchungsausschuss zur Berater-Affäre im Verteidigungsministerium | Bildquelle: dpa
galerie

Der Einsatz von Beratern im Verteidigungsministerium beschäftigt derzeit einen Untersuchungsausschuss.

Keine Zahlen aus dem Verteidigungsministerium

Allerdings sind die Zahlen unvollständig: In der Aufstellung fehlen das Kanzleramt sowie das wegen umstrittener Berater-Verträge viel kritisierte Verteidigungsministerium. Dort sei "die entsprechende Erhebung (...) noch nicht abgeschlossen", schreibt Finanz-Staatssekretärin Bettina Hagedorn. Die Zahlen würden aber nachgereicht.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Matthias Höhn, der die Anfrage stellte, nannte die fehlenden Zahlen aus dem Bendlerblock "skandalös". "Erst etabliert sie (von der Leyen) eine zum Teil rechtswidrige Berater-Kultur, die seit Monaten ein Untersuchungsausschuss aufklären muss, und trotzdem ist das Verteidigungsministerium nicht auskunftsfähig. Dies wird sie als Kommissionspräsidentin dem Untersuchungsausschuss erklären müssen", sagte der Linken-Politiker. Der Einsatz von Beratern im Verteidigungsministerium wird seit einem halben Jahr von einem Untersuchungsausschuss des Bundestags überprüft. Es geht um Vorwürfe von unkorrekter Auftragsvergabe bis hin zu Vetternwirtschaft.

Zehn Prozent aus dem öffentlichen Sektor

Wirklich vergleichbar sind die Summen aus den einzelnen Ressorts nicht. Für externe Beratungs- und Unterstützungsleistungen gebe es keine einheitliche Definition in den einzelnen Ministerien, teilte das Finanzministerium mit.

Der Einsatz von Beratern in Ministerien ist umstritten. Kritiker monieren die hohen Kosten, zu großen Einfluss sowie auf lange Sicht fehlenden Sachverstand in den Ministerien. Länder, Kommunen oder kommunale Unternehmen sind wichtige Auftraggeber für Beratungsfirmen. Laut dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) kommen mehr als zehn Prozent der Honorare aus dem öffentlichen Sektor. Der Umsatz der Consultants dort steigerte sich von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2017.

Logo der Beraterkanzlei Deloitte | Bildquelle: REUTERS
galerie

Für Kanzleien wie Deloitte, EY oder Roland Berger ist der öffentliche Sektor ein wichtiger Auftraggeber.

Im Februar hatte eine ähnliche Umfrage des Finanzministeriums ergeben, dass es zwischen 2014 und 2017 eine deutliche Steigerung der Ausgaben für Berater gegeben hat. 2014 lagen sie noch bei 63 Millionen Euro, 2015 waren es schon 105 Millionen, 2016 stieg die Zahl auf 243 Millionen und 2017 lag sie bei 248 Millionen Euro.

Mehr Ausgaben in anderen Staaten

Im internationalen Vergleich ist die Bundesregierung bei Beratern laut BDU eher zurückhaltend. In den USA erwirtschaftet die Branche demnach rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes im öffentlichen Sektor. In Großbritannien liegt der Anteil bei 25 Prozent, in Spanien bei 18,6 Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Juli 2019 um 11:00 Uhr.

Darstellung: