Containerschiffe liegen im nächtlich beleuchteten Containerterminal des Hafens von Qingdao. | Bildquelle: dpa

Container-Boom Bis zu vier Mal höhere Frachtraten

Stand: 20.01.2021 15:20 Uhr

Der im Lockdown sprunghaft gestiegene Onlinehandel hat die Nachfrage nach Containertransporten aus China befeuert. Dadurch haben sich die Frachtpreise seit November teilweise vervierfacht.

Fracht-Reedereien wie die Hamburger Hapag-Lloyd hat die Corona-Krise einen ungeahnten Boom beschert. Viele Unternehmen füllen seit Herbst ihre krisenbedingt geleerten Lager auf, und die im Lockdown sitzenden Bürger bestellen noch mehr Dinge aus China als zuvor. Weil jedoch die Zahl der verfügbaren Container begrenzt ist, hat die unerwartet kräftig gestiegene Nachfrage die Preise für Frachtrouten entsprechend befeuert.

Die "Financial Times" berichtet, in den vergangenen acht Wochen hätten sich die Frachtraten auf der wichtigsten Schifffahrtsroute zwischen China und Nordeuropa verdreifacht, teilweise sogar vervierfacht. Einen 40-Fuß-Container auf dieser Strecke zu buchen, koste nun mehr als 9000 Dollar statt 2000 Dollar im November. Grund ist neben der hohen Nachfrage der Mangel an verfügbaren Containern.

Häfen kommen kaum hinterher

Ein Hapag-Lloyd-Sprecher bestätigt die Angaben gegenüber tagesschau.de. Seit Herbst hätten sich die Frachtpreise aus Sicht der Hamburger Reederei verdreifacht und stabilisierten sich derzeit auf hohem Niveau. Bis zum chinesischen Neujahr Mitte Februar sei kein Rückgang der Preise in Sicht. Auch darüber hinaus gebe es aus heutiger Sicht keine Anzeichen für eine Trendwende.

Bereits im Dezember hatte Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen erklärt, die vorhandenen Schiffe reichten kaum aus, um die gewaltigen Gütermengen zu ihren Abnehmern zu transportieren. Die plötzliche Nachfrage habe alle überrascht, so Jansen. Jedes der 234 Containerschiffe von Hapag-Lloyd sei unterwegs, um die Situation zu entschärfen. Doch die Häfen kämen mit der Abfertigung kaum hinterher, berichtete der Konzernchef. In den USA müssten Schiffe teilweise eine Woche warten. Wer sich auf sein neues Fitnessgerät freue, müsse ein wenig geduldiger sein als sonst.

Sechs neue Containerschiffe bestellt

Auch im Gesamtjahr dürften die Geschäfte weiter bestens laufen. Kunden, die sich nicht rechtzeitig Platz für ihre Waren an Bord sicherten, hätten jetzt zu kämpfen, sagte Jansen. Er erwartet, dass die Nachfrage in diesem Jahr weiter zulegt, weil Kunden ähnliche Szenarien wie letztes Jahr vermeiden wollten.

Um die Transportkapazitäten auszuweiten, hat Hapag-Lloyd kurz vor Weihnachten für rund eine Milliarde Dollar sechs neue Containerschiffe bestellt. Sie haben ein Fassungsvermögen von jeweils mehr als 23.500 Standardcontainern (TEU). Lieferbeginn für die Schiffe soll im April 2023 sein. Das letzte der für die Europa-Fernost-Routen vorgesehenen Schiffe soll im Dezember 2023 von der koreanischen Werft Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering übergeben werden.

Experten erwarten kein Nachlassen der Dynamik

Tatsächlich ist ein Nachlassen der rasanten Frachtpreisrally nach Ansicht von Experten nicht in Sicht. Analyst William Fitzalan Howard von der Hamburger Berenberg Bank spricht von einer "beispiellosen" und lang anhaltenden Entwicklung. Auch Kollege Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler bewertet die Perspektiven der Reeder wie Hapag-Lloyd weiter gut, angesichts einer "nicht zu stoppenden" Dynamik bei den Frachtraten. Das gleiche gelte auch für die weltgrößte Containerreederei, Moller-Maersk aus Dänemark.

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