Geparkte Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max im US-Bundesstaat Washington. | Bildquelle: REUTERS

Flugverbot für 737 Max Boeing vertröstet auf den Sommer

Stand: 22.01.2020 00:49 Uhr

Flugzeugbauer Boeing rechnet damit, dass das Flugverbot für das Modell 737 Max noch bis zum Sommer bestehen bleibt. Die US-Flugaufsicht FAA werde wohl nicht vor Juni oder Juli die Starterlaubnis verfügen, teilte der Konzern mit.

In den USA trifft es vor allem die Fluglinien American Airlines, United und Southwest: Deren Maschinen vom Typ Boeing 737 Max kehren auf keinen Fall vor dem Sommer in den Linienbetrieb zurück.

Wie Flugzeugbauer Boeing mitteilte, rechnet das Unternehmen nicht damit, dass die US-Flugaufsicht FAA die Baureihe vor Juni oder Juli wieder zulässt. Die Einschätzung beruhe auf Erfahrungen mit dem Zertifizierungsprozess und der "rigorosen Prüfung", die Kontrolleure "zu Recht bei jedem Schritt ihrer Untersuchung" anwendeten.

Ein Boeing 737 Max-Flugzeug in der Produktion.
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Die Produktion der 737-Max-Flugzeuge steht derzeit still.

"Höchste Zertifizierungsstandards"

Die FAA gab bekannt, dass Boeings 737 Max die "höchsten Zertifizierungsstandards" erfüllen müsse, um wieder zugelassen zu werden. Beim Prüfungsprozess kooperiere die Behörde mit anderen internationalen Regulierern. "Wir haben keinen Zeitplan festgelegt, wann diese Arbeiten fertiggestellt werden", so die FAA.

Boeing hatte in der vergangenen Woche ein neues Software-Problem bei der 737 Max gefunden, das eine Wiederinbetriebnahme erschweren könnte. "Wir nehmen die notwendigen Updates vor", teilte das Unternehmen am Freitag mit. "Unsere oberste Priorität ist, dass die 737 Max sicher ist und alle regulatorischen Vorgaben erfüllt sind, bevor sie wieder in den Betrieb geht." Boeing arbeite mit der US-Flugaufsicht FAA zusammen und halte Kunden und Zulieferer auf dem Laufenden.

Es ist die jüngste Verzögerung bei der Wiederzulassung des Passagierflugzeugs, das Fluggesellschaften seit März 2019 nicht mehr verwenden können. Bei zwei Abstürzen von Fliegern des Typs 737 Max waren in 2018 und 2019 insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. Boeing nimmt Updates an einer Software vor, der eine Rolle bei den beiden Unglücken zugeschrieben wird. Seit März 2019 bleiben Flugzeuge der neuesten Version der 737-Baureihe deshalb überall auf der Welt am Boden.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg | Bildquelle: REUTERS
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Boeing-Chef Dennis Muilenburg nahm im Dezember seinen Hut.

Produktion steht weiter still

Für den Airbus-Rivalen ist der Ausfall der 737 Max eine enorme Belastung, die hohe Sonderkosten und Imageschäden verursacht hat. Nach Einschätzung von Analysten schreibt der Konzern wegen des Flugverbots pro Monat rund eine Milliarde Dollar Verlust. Der Flugzeugtyp war bis zu den Abstürzen Boeings bestverkauftes Modell und einer der wichtigsten Gewinnbringer.

Aufgrund der hohen Ungewissheit hinsichtlich der Wiederzulassung wurde die Produktion des Jets jüngst bis auf Weiteres ausgesetzt. Der Schritt ist notwendig, weil bereits jetzt etwa 400 fertige Maschinen ohne neue Zulassung nicht ausgeliefert werden können. Sie stehen auf dem Firmengelände im US-Bundesstaat Washington und auf Parkplätzen.

Boeing selbst will in der Krise auf Entlassungen verzichten. Aber wichtige Zulieferer haben angekündigt, Angestellten zu kündigen. Bei der Firma Spirit AeroSystems in Kansas geht es um 2.800 Jobs. Damit wird es für Boeing aber irgendwann auch schwierig, die Produktion neu anzuschieben.

Neuer Chef soll Krise lösen

Anfang des Monats hatte David Calhoun als neuer Vorstand die Geschäfte bei Boeing übernommen. Sein Vorgänger Dennis Muilenburg musste im Dezember gehen. Sein Krisenmanagement hatte für viel für Kritik gesorgt, unter anderem, weil er mit allzu optimistischen Ankündigungen über eine Rückkehr der 737 Max noch mehr Druck auf die Belegschaft und die Flugaufsicht ausgeübt hatte.

Boeing wird in den USA vorgeworfen, in den vergangenen Jahren vor allem auf den Aktienkurs geachtet zu haben und weniger auf Investitionen, Entwicklung und Kunden.

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Boeing vertröstet Airlines mit 737Max auf den Sommer
Torsten Teichmann, ARD Washington
22.01.2020 00:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Januar 2020 um 06:45 Uhr.

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