Ein Mann und eine Frau sitzen in einem Auto des Anbieters Zoox. | Bildquelle: ZOOX via REUTERS

Beteiligung an "Zoox" Amazons Pläne mit selbstfahrenden Autos

Stand: 16.07.2020 06:35 Uhr

Vor 25 Jahren verkaufte Amazon das erste Buch - heute ist Amazon das größte Internetkaufhaus der Welt, bietet Cloud-Speicher an, mischt im Streaming-Geschäft mit, ist in der Logistikbranche aktiv. Und was kommt wohl als Nächstes?

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Mit seiner letzten großen Investition sorgte Amazon für Aufsehen. Anfang Juni stieg der Konzern bei dem bis dahin weitgehend unbekannten kalifornischen Start-up für selbstfahrende Autos namens Zoox ein. Ein Preis wurde nicht genannt, Berichten zufolge zahlte der Online-Riese aber mehr als eine Milliarde Dollar. Es wäre damit eine der größten Akquisitionen seiner Geschichte.

Das 2014 gegründete Unternehmen hat sich auf autonomes Fahren spezialisiert. Neben der dazu gehörenden Technik will Zoox auch gleich ein eigenes Fahrzeug bauen. Dabei geht es um so genannte "bidirektionale" E-Autos, die ohne Lenkrad auf einer festgelegten Strecke vor- und zurückfahren können, ohne wenden zu müssen.

Bestellungen kostengünstiger machen

Zoox
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Zoox-Kamera eines selbstfahrenden Autos

Zunächst hatte Zoox diese Robotertaxis für den Personenverkehr entwickelt - und sie in umgerüsteten Geländewagen von Toyota in einigen amerikanischen Städten getestet. Doch die Technik erwies sich rasch als noch nicht alltagstauglich. Doch für den Warentransport von Amazon könnte sie ausreichen - mutmaßen Beobachter. Tatsächlich arbeitet das Versandunternehmen daran, Bestellungen kostengünstiger auszuliefern, um sich unabhängiger von großen Paket-Zustellern wie UPS oder DHL zu machen. Vor einiger Zeit hat Amazon bereits einen Roboter vorgestellt, der Pakete zu Kunden bringt.

Anfang Juni führte das Unternehmen eine Lieferdrohne vor, die bereits in einigen Monaten die ersten Pakete zustellen soll. Das vollautomatische und vollelektrische "Prime Air"-Fluggerät soll zunächst testweise kleinere Haushaltswaren wie etwa Zahnpasta oder Shampoo ausliefern.

Jeff Bezos will mehr

US-Medienberichten zufolge geht es Amazon-Chef Jeff Bezos aber um mehr als nur eine Optimierung der Warenauslieferung. So wolle er mit Zoox daran arbeiten, eine Flotte von Roboter-Taxis zu entwickeln. Damit könnte das Unternehmen zu einem Konkurrenten von Waymo, einer auf autonomes Fahren spezialisierten Firma des Google-Imperiums, aufsteigen.

Für solche neuen Ambitionen spricht auch, dass Amazon seine Investitionen in den Autosektor bereits Anfang letzten Jahres verstärkt hat. So nahm der Konzern an einer gut 500 Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde für das 2017 gegründete Start-up Aurora teil. Aurora entwickelt Sensoren und die für autonomes Fahren nötige Software. Mitgründer Chris Urmson hatte zuvor bei Google das Programm um autonome Fahrzeuge beaufsichtigt.

"Wir wollen immer in innovative Unternehmen investieren, die besessen von ihren Kunden sind, und Aurora ist genau das", begründete Amazon seine Teilnahme an der Finanzierungsrunde. "Autonome Technologie hat das Potenzial, die Jobs unserer Mitarbeiter und Partner sicherer und produktiver zu machen, ob im Verteilzentrum oder auf der Straße."

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Unmengen an Geld

Tatsächlich verschlingt die Entwicklung der Technologie für autonomes Fahren Unmengen an Geld - bei zuletzt eher bescheidenen Erfolgen. Die Entwicklung selbstfahrender Autos gestaltet sich nämlich komplexer als gedacht und dürfte länger dauern als erhofft. Es müsse deshalb noch viel mehr Geld fließen, um das Ziel, eine Komplettlösung für selbstfahrende Autos, zu erreichen, so Manager Urmson.

Die Corona-Krise hat diesen Mangel noch verschärft. So manches fahrerlose Projekt gerät somit auch bei etablierten Autokonzernen ins Stocken. Ford etwa erklärte unlängst, seinen Dienst für selbstfahrende Fahrzeuge auf das Jahr 2022 zu verschieben und seine Strategie auf diesem Markt grundsätzlich zu überdenken.

100.000 E-Lieferwagen

Amazon fährt mit Rivian
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Amazon kauft E-Vans von Rivian

Amazon wird sich deshalb erst einmal mit E-Autos begnügen müssen. Dazu ist der Konzern mit 700 Millionen Dollar bei dem US-Startup Rivian eingestiegen. Die Firma hat eigens für den Online-Riesen einen E-Transporter entworfen, der in einer neuen Fabrik hergestellt werden soll. Die Auslieferungen sollen trotz Corona im kommenden Jahr starten. Der Gesamtauftrag sieht nicht weniger als 100.000 E-Lieferwagen bis 2030 vor.

Die Bestellung ist Teil der Amazon-Strategie, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zehn Jahre früher als vorgesehen zu erreichen. Heißt: Bis 2040 will der Versandriese CO2-neutral agieren. Entsprechend soll auch die neue E-Transporter-Flotte hauptsächlich mit Strom aus erneuerbarer Energie "betankt" werden.

Aktie im Höhenflug

Ob autonomes Fahren eines Tages das nächste "große Ding" von Amazon sein wird, bleibt also ungewiss. Möglich ist es, doch werden sich die Anleger noch ein wenig gedulden müssen.

Dem Aktienkurs haben die Investitionen der letzten Monate nicht geschadet. Im Gegenteil: sie schüren die Fantasie. Überhaupt gilt Amazon als einer der großen Profiteure der Corona-Krise. So ist der Aktienkurs seit einem Tief im März um über 80 Prozent gestiegen. Und geht es nach den meisten Analysten, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Gerade hat die DZ Bank das Kursziel für die Amazon-Aktie auf 3.400 Dollar erhöht.

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Womit Amazon sein Geld verdient

Amazon: Umsatz nach Regionen

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Obwohl Amazon global operiert, sind die USA mit weitem Abstand der wichtigste Markt. In Ländern wie beispielsweise China dominieren lokale Konkurrenten wie Alibaba oder JD.com.     

Quelle: boerse.ard.de
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