Bulga Coal Complex Australien

Klima vs. Wirtschaft Australien hängt an der Kohle

Stand: 22.01.2020 06:45 Uhr

Während in Australien der Busch brennt, feiern die Anleger am Aktienmarkt Rekorde. Auch die Wirtschaft wächst weiterhin mit beeindruckendem Tempo. Aber die Abhängigkeit von China und den Rohstoffmärkten könnte zum Problem werden.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Die starke wirtschaftliche Abhängigkeit von China war lange Zeit ein Segen für die australische Wirtschaft. Sie könnte zum Fluch werden, wenn die chinesische Konjunktur an Schwung verliert. Denn China ist der wichtigste Handelspartner Australiens. Rund 30 Prozent der australischen Exporte landen dort, der bilaterale Handel macht rund 45 Prozent des australischen BIP aus. Es sind die natürlichen Ressourcen des riesigen Kontinents, für die sich China interessiert.  

BHP Billiton
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BHP, das größte Bergbauunternehmen der Welt

Vor allem Bergbauprodukte wie Eisenerz, Kohle und Erdgas werden gebraucht, um die rohstoffhungrige Wirtschaft am Laufen zu halten. Gigantische australische Minenkonzerne wie BHP, das größte Bergbauunternehmen der Welt, oder Rio Tinto verdienen damit ihre Milliarden. Aber auch Lebensmittel und Agrarprodukte sind in China gefragt. Kein Wunder also, dass so mancher Experte sich Gedanken über eine ungute Konstellation macht.

"Dem Klimawandel ausgesetzt"

Chris Richardson, Australien-Fachmann beim Wirtschaftsberatungsunternehmen Deloitte warnt: Die Wirtschaft sei wesentlich von China und von fossilen Brennstoffen abhängig, außerdem sei die australische Umwelt dem Klimawandel relativ stark ausgesetzt, so Richardson gegenüber der "New York Times". Eine Veränderung wäre eine schwierige Aufgabe, meint Richardson. Das setzt aber zuerst den Willen zu einer Veränderung voraus.   

Denn wozu etwas ändern, wenn es zu laufen scheint? Die letzte Rezession erlebte Australien im Jahr 1991. Kein anderes westliches Industrieland kann über einen längeren Boom berichten. Australien belegt mit einem BIP von mehr als 1,3 Billionen US-Dollar Rang 14 der größten Volkswirtschaften. Zum Vergleich: Deutschland liegt 2019 mit geschätzten 3,8 Billionen Dollar auf Rang vier. 

Australischer Aktienmarkt auf Rekordniveau

Und der Aufschwung dürfte weitergehen. Die australische Notenbank rechnet für 2019 mit einer Wachstumsrate des BIP von rund 2,25 Prozent, Tendenz steigend. Auch am Aktienmarkt interessieren sich die Akteure mehr dafür, wie sich die konjunkturelle Lage in China entwickelt als für die Brände und ihre Ursachen.

Seit Monaten befindet sich der Markt in einem Aufwärtstrend. In den vergangenen Tagen eilte der Leitindex ASX 200 von Rekord zu Rekord und übersprang erstmals die Marke von 7.000 Punkten. Die jüngst verkündete Teileinigung im Handelsstreit zwischen den USA und China lockte die Anleger. Auch war die Erleichterung groß, weil frische chinesische Konjunkturdaten darauf hindeuten, dass die Verlangsamung des dortigen Wachstums nicht so kräftig wie befürchtet ausfallen wird.

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Und falls doch, stünde die Notenbank für weitere Zinssenkungen zur Verfügung. Aktuell liegt der Leitzins bei 0,75 Prozent, Anfang Februar findet die nächste Zinssenkung statt.

Schäden schwer zu beziffern

Wer weiß, wie die Zukunft aussehen wird? "Die globale Konjunkturberuhigung dämpft die Nachfrage nach wichtigen Rohstoffexporten, die für die industrielle Produktion benötigt werden", schreibt zum Beispiel Dorothea Huttanus, Analystin bei der DZ Bank in einer aktuellen Studie zu Australien. Ein neues Problem stellten die ökonomischen Folgen der Brandkatastrophe dar, die die Wirtschaftsaktivität derzeit beeinträchtigten, unterstreicht Huttanus.

Buschfeuer in Australien
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Buschfeuer in Australien: Schäden schwer zu beziffern

Im abgelaufenen vierten Quartal dürften die ersten konjunkturellen Bremseffekte der Buschbrände aufgetreten sein, schreiben die Experten der Haspa in einem aktuellen Kommentar. Die Schäden für die Wirtschaft sind schwer zu beziffern. Die Experten der Ratingagentur Moody's schreiben, der Schaden könnte leicht die rund drei Milliarden US-Dollar übersteigen, die das Buschfeuer im Jahr 2009 angerichtet hat.

Öffentliche und veröffentlichte Meinung

Aber es gibt auch andere Aspekte, die in die Betrachtung einbezogen werden müssen, um ein plausibles Bild über die möglichen Folgen der Brände zu erhalten. Wie wird die australische Öffentlichkeit künftig mit dem Thema Klimawandel umgehen?

"Ein Großteil der Exporte besteht aus Kohle. Sollte die öffentliche Meinung in Australien nach den Buschbränden umschwenken und die Kohleförderung begrenzen, dürfte die australische Konjunktur deutlich abbremsen", so die Haspa. Im Jahr 2018 beispielsweise exportierte Australien Kohle im Wert von 45 Milliarden US-Dollar. Empfänger sind vor allem China, Japan und Indien. Und nicht nur das: Mehr als die Hälfte der in Australien produzierten Elektrizität stammt aus Kohlekraftwerken.

Wie die vergangenen Tage gezeigt haben, ist es mit der öffentlichen Meinung in Australien so eine Sache. Bislang hat Rupert Murdochs australisches Medienimperium versucht, das Thema Klimawandel im Interesse der heimischen Kohleindustrie herunterzuspielen. Vielleicht setzt sich bald die Ansicht durch, dass die Interessen der Kohleindustrie nicht unbedingt mit den Interessen der Bevölkerung identisch sind.

Der australische Premierminister Scott Morrison hat in einem Interview immerhin erstmals eingeräumt, dass der Klimawandel Auswirkungen habe und für längere, heißere und trockenere Sommer verantwortlich sei. Die Zweifel daran, ob sich Australiens Wirtschaft langfristig mit Kohle und China durchschlagen kann, dürften jedenfalls gewachsen sein.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Januar 2020 um 17:00 Uhr.

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