Imbiss

Wachsender Snack-Markt Geschäfte mit dem Heißhunger

Stand: 18.09.2018 06:45 Uhr

Ob belegte Baguettes, Mini-Pizzen, Wraps oder Käsebrezeln - die Deutschen geben Millionen bei Bäckereiketten aus. Von dem wachsenden deutschen Snack-Markt profitiert der Schweizer Konzern Valora.

Von Notker Blechner, boerse.ard.de

Was ist das typische an deutschen Bahnhöfen? Sauberkeit? Na ja. Anzeigetafeln mit verspäteten Zügen? Ja, schon eher. Noch typischer aber ist der permanente Geruch nach frischen Backwaren oder Mini-Snacks, der aus den Ladezeilen bis in die Eingangshalle herüberschwappt. Schon früh am Morgen riecht es an großstädtischen Bahnhöfen nach Pizza-Baguettes und warmen Laugenbrezeln.

Lieber Backsnacks als Burger

An jeder Ecke buhlen Backketten und Snack-Anbieter um den Appetit der Zug-Reisenden oder Zeitungskäufer. Ob Le Crobag, Kamps, Subway, Ditsch, Backwerk oder Back-Factory - sie alle liefern sich einen Kampf um die Hungrigen. Das Geschäft ist gigantisch. 2016 gaben die Deutschen fast 76 Milliarden Euro für Back-Snacks aus. Die Schnellimbiss-Bäckereien hierzulande verzeichneten mehr Besuche als die fünf größten Fast-Food-Ketten zusammen.

Das Geschäft mit den Pizza-Snacks, Laugenbrezeln und belegten Baguettes lockt inzwischen zunehmend ausländische Investoren an. So hat sich der Schweizer Kioskhändler Valora auf der Suche nach neuen Einnahmequellen erst die Bäckereikette Ditsch und den Brezelbäcker Brezelkönig einverleibt. Vor einem Jahr schluckten die Eidgenossen dann auch noch Deutschlands erfolgreichste Selbstbedienungsbäckerei Backwerk für gut 190 Millionen Euro.

Brezelkönig
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Brezel für den Snack-Stand: Auch ausländische Investoren interessieren sich für den Markt.

Valora: Mit Ditsch und Backwerk zur Nummer eins

Damit ist Valora auf einen Schlag zu Deutschlands größtem Back-Snack-Anbieter mit einem geschätzten Umsatz von 257 Millionen Euro aufgestiegen. Bis dato war Kamps die größte deutsche Bäckereikette, die mittlerweile auch in ausländischer Hand liegt. Sie gehört dem französischen Konzern Le Duff.

Längst ist Backwerk mehr als nur eine Billig-Bäckerei. Einzelne Filialen haben sich in "Genuss-Shops" verwandelt. Neben Brötchen und Käse-Schinken-Croissants werden Wraps, Salate, Kaffees und frisch gepresste Säfte verkauft. Damit macht Backwerk Starbucks Konkurrenz.

Das Konzept kommt gut an. Laut einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Capital" sind die Umsätze pro Backwerk-Filiale inzwischen mehr als doppelt so hoch wie bei Kamps oder Ditsch.

Franchise-Modell bei Backwerk rechnet sich

Als Erfolgsrezept gilt das Franchise-Modell. Die deutsche Zentrale von Backwerk in Essen mietet lediglich die Läden an. Für den Betrieb sind die Franchise-Nehmer zuständig, selbstständige Kaufleute, die alles selbst finanzieren - vom Wareneinkauf bis zur Entlüftung. Dafür müssen sie anfangs 3.600 Euro Lizenzgebühr und dann 5,5 Prozent der Umsätze an die Zentrale abgeben. Das Franchise-Modell rechnet sich für Valora. Die Kosten werden niedrig gehalten, die Risiken sind begrenzt.

Valora will die Brezel digitalisieren

Künftig will der Schweizer Eigentümer noch mehr Schwung in das Geschäft von Backwerk bringen. So soll bald jeder Kunde dort mit dem Handy zahlen können. Zudem tüftelt Valora an neuen Vertriebsideen für Backwerk im heimischen Digitallabor mitten in Zürich. Valora-Chef Michael Müller und Backwerk-Chef Karl Brauckmann träumen davon, die Brezel(-Produktion) zu digitalisieren. Schon jetzt betreiben die Schweizer vier komplett rationalisierte Brezelfabriken in Deutschland, der Schweiz und den USA.

Vorbild für die beiden Back-Snack-Manager ist Amazon. Der Online-Händler hat Anfang des Jahres mit AmazonGo den ersten Supermarkt ohne Kassen in Seattle eröffnet. Käufer legen die Waren direkt in ihre Einkaufstaschen und verlassen am Ende das Geschäft einfach. Der Betrag wird automatisch vom Amazon-Konto des Nutzers abgebucht.

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Deutschlands größte Snackanbieter
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Deutschlands größte Snackanbieter, Umsatz 2016 in Mio. Euro

Rewe und Edeka heizen den Wettbewerb an

Die Valora-Manager wissen: Nur mit Innovationen können sie weiter am wachsenden deutschen Snack-Markt partizipieren. Schließlich wird der Kampf um die hungrigen Zwischendurch-Esser immer härter. Die Zahl der Wettbewerber nimmt zu. So locken inzwischen auch die Supermarkt-Riesen Edeka und Rewe mit Sandwich und Fertigsalaten die Snack-Kundschaft an. In Aral-Tankstellen expandiert Rewe mit seinen To-Go-Läden.

Verlierer sind die klassischen kleinen Bäckereien, die weiterhin auf Brötchen und Kuchen setzen. Sie leiden vor allem an der Konkurrenz von Aldi und Lidl, die unverpackte Backwaren billiger anbieten. Pro Jahr schließen hunderte Einzelbäcker in Deutschland ihre Läden und Backstuben.

Zu den Ausnahmen zählt die Bäckerei Heberer. Um den Einstieg in den Snack-Markt zu finanzieren, gab die Wiener Feinbäckerei aus Mühlheim am Main Anleihen aus. Heberer bot 2016 Papiere mit fünfjähriger Laufzeit zu fünf Prozent Zinsen an. Sie gingen zeitweise weg wie warme Semmeln.

Nur langfristig satte Gewinne mit Snack-Aktien

Wer nicht nur seinen Hunger mit Back-Snacks stillen, sondern auch noch am Markterfolg einzelner Anbieter mit verdienen will, kann auch in Aktien investieren. Marktführer Valora ist börsennotiert. Allerdings liefen die Aktien zuletzt schwach. Auf Einjahressicht büßten sie rund acht Prozent ein. Längerfristig sieht das Bild besser aus. Im Zeitraum von drei Jahren legten die Titel über 40 Prozent zu.

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Die meisten anderen großen Snack-Anbieter in Deutschland sind nicht börsennotiert. Lediglich Starbucks befindet sich auf dem Kurszettel. Auch hier gab es zuletzt Ernüchterung: die Aktien stagnierten. Nur auf längere Sicht (fünf oder zehn Jahre) konnten Anleger mit Starbucks satte Gewinne einstreichen.

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Quelle: boerse.ard.de
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