Beyond Meat

Nach Höhenflug an der Börse Kurseinbruch bei Beyond Meat

Stand: 30.07.2019 08:47 Uhr

Fleischlose Burger aus Erbsenpüree – damit hat Beyond Meat in Amerika wie in Deutschland einen großen Hype ausgelöst. Die veganen Burger, die so perfekt zum "Fridays-for-Future"-Lifestyle passten, begeisterten auch die Anleger. Bis gestern.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Die Beyond-Meat-Aktie stürzte im nachbörslichen Handel um rund 13 Prozent in die Tiefe. Zuvor hatte die Firma aus Kalifornien ihre Zahlen zum zweiten Quartal präsentiert. Demnach schoss der Umsatz im Jahresvergleich um satte 287 Prozent auf 67,3 Millionen Dollar in die Höhe.

Zwar stieg der Verlust über ein Viertel auf 9,4 Millionen Dollar. Doch verglichen mit anderen US-Start-ups ist das ein Klacks. Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen schaffte es bereits in die schwarzen Zahlen – zur großen Überraschung der Analysten.

Kapitalerhöhung nur drei Monate nach Börsengang

Mit anderen Worten: An den überragenden Quartalzahlen dürfte es wohl kaum gelegen haben, dass die Aktie nachbörslich so stark in die Knie ging. Das ließe sich selbst mit "Gewinnmitnahmen" nach der vorangegangenen Rally nur schwer begründen.

Der Kurssturz dürfte vielmehr mit einer Aussage von Ethan Brown zu tun haben. Der Firmenchef kündigte am späten Montagabend eine Kapitalerhöhung an. Nur drei Monate nach dem Börsengang will Beyond Meat mehr als drei Millionen neue Aktien verkaufen.

Damit verteilt sich der Gewinn des Unternehmens künftig auf mehr Aktien – der Gewinn je Aktie wird somit deutlich "verwässert".

Insider wollen Kasse machen

Was Anlegern aber besonders sauer aufstößt: Ein Teil der neuen Aktien stammt von Firmenchef Brown und seinem Finanzvorstand Mark Nelson. Die beiden Insider wollen offensichtlich Kasse machen und zusammen 100.000 Stück verkaufen.

Glaubt das Kernmanagement etwa nicht mehr an die Beyond-Meat-Erfolgsstory? Ist der gestrige Kurssturz erst der Anfang einer großen Trendwende? Platzt jetzt die vegane Burger-Blase?

Weitere Kursinformationen zu Beyond Meat

Bestes IPO seit 2000

Fakt ist: Der jüngste Hype um Beyond Meat ließ selbst Finanzmarktprofis blass werden. Kein anderes Unternehmen legte in den vergangenen 19 Jahren einen so guten Börsenstart hin wie Beyond Meat. Der Kurs schnellte am ersten Handelstag im Mai um 163 Prozent in die Höhe.

Beyond Meat Börsengang in New York
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Große Begeisterung beim Beyond-Meat-Börsengang in New York

Doch auch in den folgenden Tagen und Wochen pumpte sich die Blase weiter auf. Seit dem Börsenstart im Mai, Ausgabepreis 25 Dollar, hatte sich die Beyond-Meat-Aktie in der Spitze nahezu verzehnfacht auf 239,71 Dollar.

Ansturm auf vegange Bratlinge

Die Geschichte des veganen Burger-Produzenten aus Kalifornien passte aber auch einfach zu gut in diese Zeit, in der viele Menschen ihre Essensgewohnheiten überdenken und sich der ganze oder teilweise Verzicht auf Fleisch großer Beliebtheit erfreut.

Als im Mai die zuvor nur im Großhandel bei Metro verfügbaren Beyond-Meat-Bratlinge beim Discounter Lidl in den Verkauf gingen, waren sie in Deutschland rasch vergriffen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Doch nun werden erste Risse in der Erfolgsstory sichtbar: Kritiker monieren, dass es sich bei den Fleischalternativen von Beyond Meat um industriell hoch verarbeitete Lebensmittel handelt. Das gilt unter Öko-Gesichtspunkten als verpönt.

Branchenkenner verweisen auch auf die wachsende Konkurrenz. So hat der Rivale Impossible Foods jüngst eine Partnerschaft mit Burger King eingetütet. Auch Lebensmittelgiganten wie Nestlé dringen mit ihren eigenen fleischlosen Burgern und Würstchen in den Markt.

Dass sich in diesen Zeiten ausgerechnet zwei Insider von ihren Aktien trennen wollen, ist somit wahrlich kein gutes Zeichen. Keine Frage, der Veggie-Hype geht weiter. Doch der Hype um Beyond Meat könnte jetzt einen (ersten) Höhepunkt erreicht haben.

Quelle: boerse.ard.de
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