Fahnen vor der Blackrock-Zentrale in New York | Bildquelle: REUTERS

Weltgrößter Vermögensverwalter Für Blackrock wird die Luft dünner

Stand: 19.07.2019 14:58 Uhr

Niemand besitzt mehr Anteile an deutschen Unternehmen als Blackrock. Bei vielen der Dax-Konzerne ist der Vermögensverwalter sogar der größte Anteilseigner. Auch im ersten Halbjahr verdiente die Firma Milliarden. Doch das Geschäft wird schwieriger.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

So sind die Einnahmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 6,87 Milliarden Dollar gesunken, gut 300 Millionen weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Entsprechend ist der Gewinn auf 2,05 Milliarden Dollar gesunken, 100 Millionen weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Dennoch bleibt Blackrock der mit Abstand größte Vermögensverwalter der Welt. Dank der kräftig gestiegenen Aktienmärkte ist die von das von der Firma verwaltete Vermögen seit Ende Dezember von 5,97 auf gigantische 6,84 Billionen Dollar angestiegen. Das sind etwa sechstausend Milliarden Euro, eine Zahl mit zwölf Nullen.

Dennoch ist Blackrock für die meisten Menschen hierzulande so etwas wie eine Black Box, eine Firma, deren innerer Aufbau und eigentliche Tätigkeit unbekannt sind - und entsprechend argwöhnisch beäugt werden. Viele haben den Namen erstmals gehört, als Friedrich Merz im letzten Jahr CDU-Parteivorsitzender werden wollte. Merz leitet den Aufsichtsrat der Deutschland-Tochter des in New York ansässigen Unternehmens.

Eine Macht in Deutschland

Dabei ist der verschwiegene Vermögensverwalter längst eine Macht in Deutschland, hält Anteile an fast allen größeren Börsenunternehmen. Dazu gehören Dax-Konzerne wie die Wohnungsbaufirma Vonovia ebenso wie die Deutsche Bank, der Chemieriese BASF oder das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck. In der Regel schwanken die Anteile zwischen drei und acht Prozent. Dabei stammen die Beteiligungen nicht aus eigenem Kapital, sondern vor allem aus physisch replizierenden ETFs, aber auch aus aktiv verwalteten Blackrock-Investmentfonds.

Ein derart schwergewichteter Vermögensverwalter, der die Ersparnisse von vielen Hunderttausend Menschen verwaltet, verfügt natürlich auch über privilegierte Beziehungen zu Notenbanken und Politikern. Die Beteiligungen von Blackrock stammen

Keine Regierung, keine Behörde habe einen so umfassenden und tiefen Einblick in die globale Finanz- und Firmenwelt wie Blackrock, warnen Kritiker. Selbst der berüchtigte Milliardär und Hedgefondsmanager Carl Icahn stufte Blackrock deshalb als "sehr gefährliches" Unternehmen ein, das die Stabilität des gesamten Finanzsystems ins Wanken bringen könne.

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"Man kennt uns nicht genug"

Ein Vorwurf, den die Vermögensverwalter entschieden zurückweisen: Anders als etwa Banken, die ihre Kundeneinlagen mit Fremdkapital hebeln, nehme man Ausfallrisiken nicht auf die eigene Bilanz, deshalb sei das Ausmaß der lediglich verwalteten Kundengelder keine geeignete Größe, um die Gefährlichkeit zu bestimmen.  

Blackrock-Chef Deutschland Dirk Schmitz
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Blackrock-Chef Deutschland Dirk Schmitz

Und doch wird Blackrock hierzulande als "unheimliche Macht" oder "gefährlicher Gigant" dargestellt.
Deutschland-Chef Dirk Schmitz erklärt die Vorwürfe damit, dass "man uns nicht gut genug kennt", wie er dem Magazin "Stern" sagte. Vielmehr sei Blackrock eine "ganz normale Fondsgesellschaft, die global agiert, die ganz normal Fonds anbietet". Es gebe keinen Geheimplan, keine unheimliche Macht und schon gar keine feindliche Übernahme der Deutschland AG. "Es gibt diese ganzen Dinge nicht, die gerne in Geschichten erzählt werden."

Kein Hedgefonds

Tatsächlich agiert Blackrock anders als ein Hedgefonds. Der Vermögensverwalter kauft keine Aktien, um mit den dadurch erhaltenen Stimmrechten aktiv in die Strategie eines Unternehmens eingreifen und Macht ausüben zu können. Vielmehr agiere Blackrock wie die meisten anderen Vermögensverwalter auch in erster Linie wie ein Treuhänder, der Firmenanteile in erster Linie für die Kunden kaufe und nicht für sich selbst.

Und noch etwas ist den Managern wichtig: Blackrock verwalte nicht nur das Geld amerikanischer Lehrer, wie oftmals behauptet werde. Auch deutsche Anleger hätten dem Unternehmen einen dreistelligen Milliardenbetrag anvertraut - in der Hoffnung ihr Geld damit vermehren zu können, um im Alter über ein ausreichendes finanzielles Polster zu verfügen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juli 2019 um 15:41 Uhr in der Wirtschaft.

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