Donald Trump

US-Wahlkampf Der Präsident und die Börse

Stand: 03.03.2020 11:09 Uhr

Am heutigen "Super Tuesday" dürften wichtige Vorentscheidungen fallen. Wenn die Amerikaner ihren Präsidenten wählen, steigen laut Statistik die Kurse. Doch diesmal könnten andere Regeln gelten: Hat Amtsinhaber Trump sein Pulver an der Börse etwa bereits verschossen?

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Bernie Sanders
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Derzeit im Lager der Demokraten vorne: Bernie Sanders

Der Vorwahlkampf zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November läuft auf Hochtouren. Wer Trumps demokratischer Gegenspieler wird, dürfte bald klarer werden: Am heutigen "Super Tuesday" finden Entscheidungen in 14 von 50 Bundesstaaten statt.

Wichtiger Zyklus

Auch an der Börse wird das mit Argusaugen verfolgt. Dabei sind Wahljahre an der Börse generell mit einem positiven Nimbus versehen. Laut dem US-Präsidentschaftszyklus steigen die Kurse in einem Wahljahr.

"Der US-Präsidentschaftszyklus ist einer der wenigen funktionierenden regelmäßigen Zyklen in der Finanzwelt", erklärt Marktstratege Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest".

Hohe Trefferquote

Der Präsidentenzyklus im Dow Jones
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Vorwahljahre und Wahljahre sind gute Jahre an der Börse

In der Tat folgt der Dow-Jones-Index seit gut 120 Jahren mit beeindruckender Präzision und einer hohen Trefferquote diesem Muster. Steht der amtierende Präsident zur Wiederwahl, so wie Donald Trump 2020, steigen in einem Wahljahr in 83 Prozent aller Fälle die Kurse.

Mit einem Plus von durchschnittlich knapp acht Prozent sind Wahljahre die zweitbesten Jahre an der Börse nach den Vorwahljahren (plus zwölf Prozent).

Aller Anfang ist schwer

Dabei sind die Kursgewinne über das Wahljahr hinweg ungleichmäßig verteilt. "Aktien haben zu Beginn eines Wahljahres einen schweren Stand", betont Dimitri Speck von Seasonax.

Dow Jones in Wahljahren seit 1900
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Dow Jones in Wahljahren seit 1900

So bewegt sich der Dow Jones in der ersten Hälfte eines Wahljahres tendenziell leicht abwärts. Erst ab Juli geht es für den US-Leitindex kräftig bergauf. Eine solche Sommerrally ist an der Börse äußerst ungewöhnlich.

Die Rally erreicht Anfang November – wenn die Amerikaner zur Urne gebeten werden – einen ersten Höhepunkt. Nach einem leichten Rücksetzer geht es anschließend weiter aufwärts. Der Dow beendet das Jahr tendenziell auf Jahreshoch.

Stimuli für die Wirtschaft

Der Grund für die Kursgewinne im Wahljahr liegt auf der Hand: Kurz vor der Wahl will sich der amtierende Präsident bei den Wählern in Szene setzen. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das schlägt sich wiederum in steigenden Börsenkursen nieder.

In dieses Bild passen die Steuersenkungen für die Mittelklasse, die Trumps Finanzminister Steven Mnuchin für September 2020 in Aussicht stellte. Doch nicht wenige Marktbeobachter unken, Trump habe sein Pulver bereits zu Beginn seiner Amtszeit weitgehend verschossen.

Korrektur längst überfällig

Aktien hatten zuletzt erheblich von der großen Steuerreform von 2017 profitiert. "Die Steuervorteile der Unternehmen flossen fast eins zu eins in das Gewinnwachstum", so Salman Baig, Portfoliomanager beim schweizerischen Vermögensverwalter Unigestion.

Das beflügelte die Börsenkurse in den vergangenen Jahren. Doch mittlerweile befinden sich die US-Aktienmärkte bereits im zehnten Jahr des seit März 2009 laufenden Bullenmarktes. Eine größere Korrektur war damit aus statistischer Sicht längst überfällig - auch ganz ohne Corona-Sorgen.

Hinzu kommt: Stehen republikanische Präsidenten zur Wiederwahl an, ist die Wahljahr-Bilanz recht durchwachsen. Laut dem Börsenstatistik-Experten Rethfeld laufen die Börsen in solchen Jahren eher seitwärts.

Bloomberg vs. Trump

Michael Bloomberg
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Michael Bloomberg ist ein möglicher Herausforderer Trumps

Der Republikaner Trump wird in den Medien zwar gerne als "Wunschkandidat der Märkte" bezeichnet. Doch er hat den Märkten in den Jahren seiner Amtszeit auch gerade in geopolitischer Hinsicht viele Unsicherheiten beschert.

Rethfeld ist daher überzeugt: "Von den möglichen demokratischen Gegenspielern Trumps wäre ein Michael Bloomberg an der Wall Street sicherlich willkommen. Schließlich ist er selbst ein Mann der Wall Street."

Unter einem Präsidenten Bloomberg würden allerdings ganz andere Aktien rentieren als unter Trump, betont Marktexperte Rethfeld. Vor allem Unternehmen mit einem Fokus auf Umwelt und Nachhaltigkeit wären dann gefragt.

Quelle: boerse.ard.de
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