Großbritanniens Premierminister Theresa May bei einer Rede im Unterhaus | Bildquelle: dpa

Folgen für die Finanzmärkte May und der Brexit-Abstimmungsmarathon

Stand: 11.03.2019 17:03 Uhr

Und wieder wird abgestimmt: Am Dienstag bringt Premierministerin May ihren „Deal“ erneut vor das Parlament. Langsam läuft den Briten die Zeit davon. Auch wenn die Anleger der unendlichen Brexit-Geschichte wohl müde geworden sind, müssen sie aufmerksam bleiben.

Am Dienstag wird Premierministerin Theresa May ihren zuvor gescheiterten Brexit-Deal erneut zur Abstimmung stellen. Lassen ihn die Abgeordneten erneut durchfallen, sollen sie am Mittwoch entscheiden, ob Großbritannien ohne Vereinbarung über die künftigen Beziehungen am 29. März aus der EU ausscheiden soll. Findet sich auch dafür keine Mehrheit, soll am Donnerstag darüber abgestimmt werden, ob der Austrittstermin verschoben werden soll.

„Kommt es nicht zu einem Deal in letzter Sekunde oder zu einer Verschiebung des Brexit, stünden der britischen Wirtschaft chaotische Zeiten bevor“, warnte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

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„No-Deal-Risiko nicht eingepreist“

Ein Aufschub, eventuell in Verbindung mit einem zweiten Referendum, sei der wahrscheinlichste Ausgang des Abstimmungsmarathons, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Damit bliebe der Wirtschaft und den Börsen das Chaos eines No-Deal-Brexit erspart.“

Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank sieht das ähnlich: Die Parlamentarier werden am 13. März einen No Deal-Brexit ablehnen und am 14. März für eine Fristverlängerung des Brexit votieren, der die EU nicht im Wege stehen wird. Insofern ist zumindest von einem geordneten Brexit auszugehen, der angesichts des möglichen Totalschadens mehr als die halbe Miete wert ist.“

Die Kollegen von der DZ Bank weisen darauf hin, dass das Risiko eines No-Deal-Brexit nicht eingepreist sei. In diesem Falle würde es also wohl zu massiven Kurseinbußen kommen. Bis zum Showdown diese Woche werden sich die Investoren deshalb zurückhalten.

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Für die britischen Parlamentarier ist der Druck ziemlich hoch, da die Expertenschaft einhellig der Meinung ist, dass die Folgen eines No-Deal-Brexits schwerwiegend sein dürften. Die britische Konjunktur würde nach Ansicht der DZ Bank „unweigerlich in die Rezession abrutschen“, das Pfund würde „15 bis 20 Prozent verlieren“. Erst unlängst hatte Blackrock-Boss Larry Fink das Brexit-Chaos kritisiert.

Finanzplatz London stark betroffen  

Banken-Viertel in London
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Banken-Viertel Canary Wharf in London

Hinzu kommt, dass die Auswirkungen des Brexit auf die Finanzindustrie einer Studie zufolge größer sind als angenommen. Der Finanzplatz London sei überraschend stark betroffen, erklärte William Wright, Chef der Denkfabrik New Financial: „Das wird Großbritanniens Einfluss in der europäischen Finanz- und Bankenbranche verringern, die Steuereinnahmen aus dem Wirtschaftszweig verringern und die Finanzdienstleistungsausfuhren in die EU verringern“, unterstrich Wright.

Der Untersuchung zufolge zögen mehr als 275 Finanzfirmen Vermögenswerte von insgesamt 1,2 Billionen Dollar aus Großbritannien ab. 5.000 Beschäftigte würden umziehen oder an neuen Standorten eingestellt werden. Die Umzugskosten wurden auf zusammen drei bis vier Milliarden Dollar beziffert.

Am meisten Anziehungskraft hat Dublin. Hierhin zählten die Experten 100 Umzüge. Vor allem Vermögensverwalter wählten Irlands Hauptstadt. Es folgen Luxemburg (60), Paris (41), Frankfurt (40) und Amsterdam (32). Für Frankfurt entschieden sich insbesondere Banken, für Amsterdam Handelsplattformen und Handelshäuser.   

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. März 2019 um 05:44 Uhr und 13:46 Uhr.

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